Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 6 (1866)
- Issue
- 9 (1.3.1866)
- Date
- 1866-03-01
- Page
- Seite 36 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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t — 56 reiti über die Gauen Deutschlands hinaus, besonders mit | den Ländern, wo man Französich und Englisch spricht; die 7 ungeheuere Ausdehnung, die die Auswandrung nach America; genommen hat, die bedeutenden Ex- und Importgeschäfte da- I hin und von daher.! 2) Das hieraus erwachsende Bedürfniß der Erlernung! beider Sprachen, insbesondere der englsschen. j Diese Facten haben dadurch, daß sie den Handel überaus förderten, es auch zu bewirken gewußt, daß der Handels- und Gelehrtenstand in nähere gegenseitige Beziehungen zu einander gebracht wurde und so dem matej riellen und formalen Fortschritt von Allen Rechnung getragen werden konnte. Aber diese Wahrnehmung beschränkte sich vor noch nicht zu langer Zeit doch nur auf die Städte Deutschlands und es war somit eine gründliche Blldung im Französischen und Englischen nur Sache des Kaufmanns in der Stadt, weil der Kaufmann auf dem Lande weniger oder gar nicht mit dem Auslände verkehrte. Jetzt indessen, wo der geschäftliche Horizont auch für den Kaufmann und Industriellen auf dem Lande sich erweitert, die Verbindungen mit dem Auslande, ganz besonders mit America stark wachsen, macht sich auch auf dem Lande das Bedürfniß nach englischem und französischem Wissen stark fühlbar. Was Wunder, daß darum der Unterricht in beiden Sprachen ein sehr gesuchter und gut bezahlter ist. Der Kaufmann, dem daran viel gelegen ist/fxeut sich herzlich, wenn er seinem Kirüre im Orte dazu verhelfen kann und wählt hierzu natürlich am liebsten den Lehrer'seiner Kinder. Ich glaube aus diesem Grunde vielleicht Manchem meiner Kollegen aus dem Herzen zu reden, wenn ich heute dieses Thema zum Gegenstände. meinet Besprechung wähle und nachzuweiien mich b.strebe, daß „das Studium der französischen und englischen Sprache' für den Volkslehrer in vielen Beziehungen nothwrndig, aber noch mehr nützlich ist und ihn äußerlich und innerlich hebt. Es soll und daiss ja an ihm — dr:n Vertreter der Wissenschaft auf dem Land? — der wisscufchaftliche Fortschritt nicht spurlos vorübergehen; cs soll-der Letzter nicmaü indifferent gegen die j Hebung seiner geistigen Interessen sein; er darf nicht durch geistigen Stillstand verknöchern, nie darf er sich seinen Lebensnerv — seine Fortbildung — selber durchschneiden j und nie darf er gleichgiltig da sein, wo ihin auf ehrenvolle j Weise, wie hier, Gelegenheit an die Hand gegeben ist, sich | auch pecuniär auf besseren Boden zu stellen. i Uno indem er. sich'mrt nützliches!, bezw. nothwendigen! Studien l'tfuEt, huldigt er der Mode nicht, sondern arbeitet > sich und Anderen zum Heile und Segen. > Hiernach scheint nur die Anforderung: „der Volks-; schullehrer soll sich — wenn auch Ndch in reiferen Jahren — mit dem Studium fremder, besonders lebender Sprachen befassen," eine durch äußere Verhältnisse und innere Bedeutung gercchtfertigte und zwar a) au: dem Grunde, weil dadurch ein tiefgehenderes und putzbringendereS Studium der Muttersprache ermöglicht und erleichtert wird; b) weil er dadurch in nähere Beziehungen zu gebildeten Ständen gebracht wird und — wie eingangs erwähnt —, das Vorurtheil gegen ihn und seinen Stand verringert, seine eigene wissenschaftliche Bildung gefördert wird; und 3) well er sein Einkommen durch Prioatoerdienste bedeutend zu erhöhen im Stande ist, er sich dadurch also innerlich und äußerlich besser stellt. { I. ,D«!:ch das Studium fremder Sprache» wird ein tiefgehenderes und nutzbringenderes Studium der Muttersprache erleichtert." Wie es von entschiedenem sprachlichem Borthelle für ein soeben in die Volksschule eintretendes Kind ist, wenn es bis dahin unter Verhältnissen gelebt hat, die nicht nur reichhaltige uud dauernd gute Eindrücke auf seinen Geist beroorzurufen im Stande waren, sondern es besonders zu bewirken wußten, daß auf das Sprach-, bezw. Sprechoermögen des Kindes derart eingewirkt wurde, daß das Kind nicht nur Manches nennen, sondern es rein deutsch benennen könnte; wenn ihm die richtige Bezeichnungsweise in den Mund gelegt wurde und wie da unbewußt oder bewußt dem Lehrer ein großer Dienst geleistet wurde, indem er nun ruhig weiter bauen durfte auf sicherem Fundament, so muß es für Denjenigen, der sich dem Studium fremder Sprachen widmen will, von bedeutendem sprachlichen Borthell sein, wenn er sich vorher tüchtig in den Geist seiner Muttersprache einzuweihen verstand. Und je mehr ihm die Redeweisen und Idiotismen derselben zu Gebote stehen, um so leichter gewohnt sich der Geist an fremdartige Jndiotismen. Für den Deutschen ist es natürlich die deutsche Sprache, welcher er sich' bei der Erlernung fremder Sprachen scheinbar hilfsweise bedient; aber dieses ist auch nur scheinbar so; denn im Grunde ist Fertigkeit in der Muttersprache die Vorbedingung einer bildenden Fertigkeit in fremden Sprachen. Damit ist nun aber auch Ausdrücklich gesagt, daß die Fertigkeit in ausländischen Sprachen nur eine Folge der geistigen Durchdringung der Muttersprache sein lann, und wie naturwidrig, abnorm und durchaus Unzulässig das Verfahren ist, fremde Sprachen der Muttersprache vorhergehen zu lassen. Die Behauptung, daß das Deutsche mit der Zeit schon komme, das Fremde den Vorläufer zu machen habe, entstammt einer sehr schiefen und durchaus »npädagogischen Anschauung. Das widerspricht allen unterrichtlichen Grundsätzen, denn diese lehren, „ans Bekannte das Unbekannte" anknüpfen, setzen voraus, daß selbst dieses „Bekannte" bekannt genug sein müßte, um ganz unser Ägenthum zu sein. Auf diese Weise unterrichtet denn auch der vernünftige Lehrer, er baut auf Daseiendes, knüpft an das Vorhandene an, erweitert und schafft immer neue Schöpfungen, gestaltet diese zu concretem Wissen und Können, und baut so der Ewigkeit Pfeiler. Den Nutzen solchen Verfahrens kennt der Lehrer und weiß ihn als einen hohen zu schätzen. Die Stufenleiter der Ideen-Associationen erleidet keine Unterbrechung, keine Sprosse wird übergangen, keine Lücke bleibt und endlich steht das Ganze vollendet (?) zu seiner Freude da. Auf dieselbe Weise wird dann etwa bei dem Unterricht- Nehmen und -Geben in fremden Sprachen zu verfahren sein. Hier wird das Deutscheals hinlänglich bekannt vorausgesetzt und das Fremdländische angeknüpft. Man wird aber hier vor Allem zu fragen haben, wenn man anders Lückenhaftigkeit vermeiden will: Ist das Bekannte bekannt genug? Oder find auch da noch Mängel zu verbessern und