Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 6 (1866)
- Issue
- 9 (1.3.1866)
- Date
- 1866-03-01
- Page
- Seite 37 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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37 Schmierigkeiten |u überwinden? Denn schon die erste Seite einer Anweisung zur Erlernung fremder Sprachen wirst Regeln und Bemerkungen auf, vergleicht da- Fremde mit dem Deutschen und beweist deutlich, daß eine reiche Bildung in der Muttersprache auch vom Verfasser vorausgesetzt ist. Wäre nun eine solche Reife wirklich vorhanden, so wird sehr bald auf die Muttersprache zurückzukommen, eine Aehnlichkeit oder Abweichung, auch die Ursprünglichkeit de- Wortes aus dem Deutschen — wie ganz besonders beim Englischen oder die Originalität desselben nachzuweisen sein. Hierdurch wird aber auch die Kenntniß des Deutschen, im Ganzen an Festigung gewinnen. Nun wäre dieser Nutzen immerhin so unbedeutend nicht; doch damit verbindet sich ein noch greifbarerer, der nämlich, daß, da beim Nachschlagen in einschlagenden Wörterbüchern sich immer eine nicht unbedeutende M.nge von Uebertragungen für einey und denselben Ausdruck vorfinden, man sehr leicht Gelegenheit nehmen kann, die brauchbarsten sich anzueignen, wodurch unser Dortvorrath im Deutschen gewiß sehr zunimmt, was uns überhaupt fähiger macht, für irgend einen Gedanken, eine Empfindung oder ein Gefühl den kleidsamsten Ausdruck zu gebrauchen und unser sprachliches Taltnt je mehr und mehr auszubilden. Wenn nur die Situation den entsprechenden Andruck zu verleihen im Stande ist, so muß jene Sprachfertigkeit sofort die schicklichsten Bezeichnungen unS zu bieten vermögen. Für den Lehrer aber wird sonach ein Studium fremder Sprachen unendlich wichtig, sowohl in Beziehung auf's prakitifche Leben, als auch rüüsichtlich seines Berufes. Haben wir Lehrer nicht,fast den ganzen Tag in unseren Schicken zu improvisixen? Können wir uns für alle mögliche Fälle vorbereiten? Kann nicht durch eine einzige Zw schenfrage unser noch so wohl durchdachte- Pensum verioirrt werden und ein Knäuel daraus entstehen, nur denf sprach-, besonders sprechgewrndten Lehrer entwirrbars? Erfordert nicht oft jeder deiner Worte erläuternde Bemerkungen, wenn du von deinen Schülern verstanden werden willst? Ja, du bist oft genöthigt durch hundert Umschreibungen und auf tausend Umwegen zu deinem Ziel zu gelungen. Du bist ja als Lehrer um so tüchtiger, je mehr dein Unterricht von lebendiger, zündender und begeisternder Beredsamkeit durchdrungen ist. Und dazu bedarfst du einer solchen Menge der kleidsamsten Wörter, daß dir die Gelegenheit, deinen Wörtervorrath zu erweitern und zu vermehren, gewiß sehr willkommen erscheinen muß. Schreiber dieses hat s. Z. Gelegenheit gehabt, einen C< liegen mit Fluß und Feuer, begeistert und begeisternd ül er ein ihm kurz vorher gegebenes Thema reden zu hören, ut .b gefragt, woher diese seine immense Redefertigkeit rühre? ar twortete: „Nun daher, daß ich beim Studium fremder Sprachen häufig genöthigt bin, mir unter 20 und mehr bezeichnenden deutschen Wörtern das bezeichnendste herauszuwählen, wodurch immer ein Theil auch der anderen hängen bleibt, so daß es mir nie am rechten Worte rechten Orts mangelt, und das ist Gewinn genug."! Aber noch einen dritten GHmd vermag ich, als Beweis und zur Rechtfertigung unseres Thema's, aniIö.kben. Wir Deutsche sind durchweg kosmopolitischen ^erster und der ächt deutsche Geist hat sich darum dar Studium so vieler land erklärlich macht. auch nie ein Feld cbstecken, vielweniger sich fesselnde Element umgürten lasen. Diese Erscheinung tritt uns überall in deutscher Geschichte und Tultur entgegen, und sie ist es denn ruch, die — beiläufig gesagt — ausländischer Sprachen in Deutsch- Findeu wir den Deutschen chber kosmopolitisch, so kan t seine Sprache insbesondere das noch bestätigen. Diese so reichhaltig, so mannigfaltig und so vielgestaltig sie auö> an und für sich schon ist ist trotzdem von einer Unmass! von Fremdwörtern förmlich vollgepfropft. E» wird auch damit für die Folge aller Wahrscheinlichkeit nach nicht b rsser, im GegentheiU (?) man fühlt sich berechtigt, anzunehmen, daß mit der Zeit dieser Annexions- Prozeß immer noch iedeutendere Ausdehnung annehmen wird, da die Versuche der besten Schriftsteller, die Ausländer und Unterläiife! abzuweisen, ohne Erfolg geblieben sind. Die Wecke der oolkSthümlichsten Schriftsteller geben Belege zu meiner Ansi cht. Selbst Schiller, der Mann für's Volk und im Volke, vermeidet nicht den Gebrauch von Fremdwörtern, abgesehen von.so vielen hundert Anderen, die eS noch weit wenizer unterlassen. Da muß eS unS in der That sehr leid sei,;, wenn wir so recht im besten Thun begriffen, auf eine, a rS einer fremden Sprache entlehnten Stelle stoßen, die erst den richtigen Nachweis für des Autor» Ansicht liefern soll und — wir sie nicht verstehen können. Aber auch b i einzeln vorkommenden Wörtern ist die Flexion und Con ugation der Ursprache größtentheils beibehaltm worden. Wie wichtig, wie nothwendig, ja wie unentbehrlich ist da zi m Berstänsniß die Kenntniß fremder Sprachen, schon um ras Wort richtig lesen und schreiben zu können. So vermittelt und hebt denn Sprächkenntniß den Fortschritt, erleichtert das Verständniß, mehrt die Einsicht im Deutschen, leitet uns zum gründlicheren Studium der Muttersprache und erweitert im Ganzen unseren sprachlichen Horizont und um dieser Vortheile willen schlage man Beschwerden und Mü sseligkeiten, die das Studium fremder Sprachen allerdings , rheischt, nicht zu hoch an und betrachte sie als wirkliche Mi tel zu unserer wissenschaftlichen Vervollkommnung. (Schluß folgt.) Wochenbericht. Smyrna. De beim AuSbruche der entschuldigt der Rabbi Tage währte — dam bei den reichen Jjrae : Großrabbine Ehaim Batach batte sich Iholera geflüchtet, und wurde nun wegen dieses unwürdigen Schrittes von der Presse hart mitgenommen. In einem Schreiben m die Redaktion des „Univers Jsraclite" seine Abwesenheit, die übrigens nur einige t. dag er die Stadt verlassen mutzte, um iten, welckc aus Furcht vor der Cholera die Flncht ergriffen, Geld für die unglücklichen Armen zu sammeln, da er aller H Ifsmittel entblößt war Ohne diese Reise hätte er de» Kranke», tue in den Spitälern s.vma bieten, keine Hilfe leisten können. .Seit e ncr Reihe von Zabr.n", schreibt H. Batasch weiter, „widmete ich mein ganzes beben dem Dienste Gottes, der Nächsten iebe und der llnterüüyuu,, uno Hiljeleistunz der Unglücklichen, Wen» ich eine kurze Zeit Smyrna verließ, so geschah eS bloß u n der Sache der Humanität bessere Dienste leisten zu können. (Abendland.)