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Der israelitische Lehrer · 1866-02-22 · 8 (22.2.1866) · p. Seite 32

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
6 (1866)
Issue
8 (22.2.1866)
Date
1866-02-22
Page
Seite 32 (sequence 4)
Language
German
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32 JudenquartieöS in Mogador. Für die Reinigung und die Anlegung von Pflaster und Canälen wird ein Credit von 6U00 Frcs. gefordert (!). Es wird eine Sammlung veranstaltet, die ein Resultat von 7400 FrcS. liefert. Der Rest von 1400 Frcs. soll für die Schulen in Mogador verwendet werden. Die verbesserte politische Lage der Juden in Mogador hat auch den Fanatismus der Muselmänner heraufbeschworen, von welchen man für die Zukunst Gewaltchätigkeit befürchtet. Es wird beschlossen, darüber eine Besprechung mit der nächstens in Paris erwarteten marokkanischen Gesandychast nachzusuchen. Ein^ülferuf für die von Cholera und Feuerbränden in Constaikniiopel Verunglückten sollte eigentlich außerhalb der Wirksamkeit der Alliance liegend unberücksichtigt bleiben. In Rücksicht auf die außerordentliche Lage werden indcß von dem Rest der für die Tunesischen Bcrfolgten gesammeltem Gelder 1000 Frcs. votirt. In Ning-Pü (China) isteine jüdische Gemeinde entdeckt worden, wofür das Interesse der A. wach gerufen werden soll. In Oesterreich ist der Ausschuß an die A I. U. von der Genehmigung der Regierung abhängig, welche erwirkt werken soll. Der Bey von Tunis hat von dem Groß - Rabbinen unter Androhung von Gesängniß und Tortur ein Zeugniß darüber verlangt, daß die Algerischen Juten, welche den französischen Schutz angerusvn, tunesische Unterlbanen seien und somit kein Recht dazu gehabt hätten. Der Rabbiner verweigerte das Zeugniß und reichte seine Entlassung ein. Der französische Minister des Auswärtigen soll^um Schutz für den Rabbinen angegangen werden. Das Board. of Delegates in Amerika hat beschlossen, sich die Selbstständigkeit seiner Wirksamkeit zu wahren, aber doch für die gleichen Interessen gemeinsam mit der A. zu wirken. Wir.hoffe», daß der in Frankfurt projektirte Verein für die allgemeinen geistigen' Interessen des Jutcnthums in ein gleiches Verhältniß zur A. treten wird. Rach zuverlässigen Rachrichten steht die' Coustituirung dieses Vereins bald bevor. Die Grenzen des deutschen Vereins sind weiter gezogen, als die der A. - Die A. wird nicht anstehen, die Wirksamkeit des deutschen Vereins zu unterstützen und von desien Erzeuz»issen zu profitiren. Der deutsche Verein wird aber auch der Mitwirkung eines Vereins, wie der A. I. U., kgum entbehren können. Er würde in Verlegenheit. kommen, wenn cs gälte, die Regierung Deutschlands für auswärtige Jntereffen oder» einen Minister deS Auswärtigen in Deutschland zu Gunsten seiner Zwecke in fremden Ländern zu beuutzen. Dr. Rothschild. Aus Verden (in Hannover) erhalten wir folgenden Aufruf um Hülfe an alle unsere l..Collegcu, wie an alle'edeldenkende Menschenfreunde. Bei d.m immer reger werdenden an rk nnenSwerthcn Streben, den Lehrern, in gebührender Würdigung ihrer Leistungen für das Wohl der Menschheit, eine sorgenfreie Zukunft zu gewähren. h: m wir d.e Hoffnung, daß dieser un'cr Ausruf um Hülfe für einen höchst unglücklichen Collegcn nicht ohne Erfolg »erhallen wird. Lehrer Klein in Bücken (Königr. Hannover) ist in einem Alter von 68 Jahr.n, nachdem er seinem Berufe als Lehrer über 40! Jahre treu und gewifferchaft vorgestanden, durch einen unheilvollen Staar total erblindet. Bei fernem höchst kärglichen Gehalte, den er während seiner ganzen Dienstzeit bezog, war eS ihm damals kaum möglich, seinen Lebensunterhalt zu beschaffen, um wie viel weniger noch für die Zukunft zu ersparen. Eo steht er denn, von dem schweren Unglück der Erblindung heim« gesucht, von allen Geld- und Lebensmitteln entblößt, verlassen rn der Welt. Seine bisherige Gemeinde, aus nur 3 Fa-vilien bestehend und schon von einem anderen armen Blinden seit Jahren belastet, ist natürlich nicht im Stande, ihm Unterstüzzuna zu gewähren „ und so müssen denn Coll-gen und edeldenkend: Menschenfreunde sich seiner erbarmen, wenn er nicht ganz und gar dem tiefsten Elende verfallen soll. Darum, I. Collegcn und edle GlaubmSbrüder ave, vollführet hier eine der größten Wohlthaten, helfet eine« armen blinden Lehrer und brave« Glaubensgenossen auS feiner unbegrenzten Roth. Die Unterzeichneten, find gern bereit, Liebesgaben entgegmzunchm.'n, zu besorgen und öffentlich Bericht darüber zu erstatten. H. N. Lichtenberg, Lehrer in Hoya a/Weser. L. H. Sommer, Lehrer in Verde» a/Aller. Wir können, unserem geschätzten College« Herrn Sommer gegenüber, die Ausnahme dieser Bitte nicht versagen; Herr Sommer wird c» aber auch begreiflich finden, wenn wir zu unserem größten Bedayern, eine eigene Rubrik für diesen einzelnen unglücklichen College» nicht eröffnen können. Herr Gommer kennt und würdigt sicher unsere Verpflichtung gegen die Äesammtheit der College». Wir können die Wohlthätigkeit nicht für einen Einzelnen in Anspruch nehmen, und untere Wirksamkeit für unseren Verein dadurch beschädigen! Es ist wohl zu beklagen, wenn der Einzelne durch ein vielleicht entschuldbares Verfäumniß den Eintritt in de» Verein versäumte. Aber das Interesse der Gesammtheit geht vor und wir dürfen nicht mehr die Wohlthätigkeit in solcher Weise für Collcgen in Anspruch nehmen, die sich am Ende ihre Hilflosigkeit doch selbst zuzuschreiben haben. Wir können nicht umhin, bei dieser Gelegenheit einige ernste Worte unseren hannövrischen Collegcn und auch Anderen, die wir jedoch > nicht nennen wollen, zuzurufen. Gehen Sie jetzt die Folgen Ihrer Gleichgültigkeit gegen die Sache unsere- Vereins? Sehen Eie, in diesem speziellen traurigen Falle, wohin Ihr Vertrauen auf „inländische Größen" sührj? ES sind nun fast 2 Jahre, seitdem ick» bei Ihnen in Sarstedt saß, seidem Sie die Statuten Ihres Vereins zu Ende beriethen. Wie weit find Sie seitdem mit aller Vertrauensseligkeit gekommen in der Schaffung Jhr-S Vere.ns, der so unentbehrlich ist, wenn der Lehrerstand nicht zu Grunde gehen soll? Sollen wir immer und immer wieder, wo die große Noch au uns herantritt, zu de« jedenfalls unangen.hmcn Mittel deS GammelnS greisen müffrn? Ist dies: HmauLschiebung einer so heiligen Sache nicht an und ,ür sich ein Verbrechen? Ja wahrlich, ein Verbrechen an den Lehrerstand, wir mögen, so hart daS Wort klingen mag, es nicht zurücknchwen. Wir ka-.nten einen Lehrer, der uns, alS wir die Herausgabe dieses Blattes begannen, de» Anfang eines sehe guten Aussätze» zuseudete, und Fortsetzung in kürzester Frist versprach. Die bestimmte Zeit war da — und wir erhielten nicht». Wir frugen bei benachbarten College» an — der Arme war durch schr ckliche, schnell auf einander folgende Schicksalsschläge mittlerweile geisteskrank und gpänzenloS unglücklich geworden. Jetzt deckt ihn die Muttererce. ES war ein Edler im vollen Sinne deS Wortes. Friede seiner Asche. — Roch ein anderer fast ganz ähnlicher Fall ist vn-, und mit un» vrelen Anderen von Einem unserer College» bekannt, ei»em der Ersten und Verdienstvollsten, desien Namen Allen werth, und beste« bedeutende Leistungen wichtig für die Schule warm. Er ist hrimgezangea in den Jahrm der ManneSkrast und bei all seinem klüftigen Streben, dal ihn wirken ließ bi» an feine Eabe für die College» — wer sorgt für sein« Waisen? wer kennt sie? Das Unglück schreitet schnell. Wer kann also warten wolle»? Wäre dieser Man», für dm jetzt die öffentliche Wohlthätigkeit in Anspruch genommen wird. Vereinsmitglied. so wäre ihm geholfen! Leider ist er eS nicht! Ihr wollt warte» «tt der Gründung, mit dem Beittitt zu einem solche« Vereine? Wollt Euch auch jetzt noch versessen njwn cnb JW ,OiK '122? Ihr schiebt die Sorge für die Euren hinaus? Bis wann? /

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