Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 6 (1866)
- Issue
- 8 (22.2.1866)
- Date
- 1866-02-22
- Page
- Seite 33 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/4896751-5428724-5431579--1294-4897810- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Unb ist Euer Land wirklich geeignet, für sich allein eine» solchen Vereine Lebenskraft zu bieten? Schaut auf Baden! | Der Oberrath diese- Laudehat ein Statut entworfen, da», wie man schreibt, allgemeinen Lnklanq findet. Er fordert 9 kr. Dom Gulden jährlichen Gehalt al- Eintritt-geld und l'/r kr. jährlichen Beitrag. D'« wäre für den Gehalt von 300 Gulden im erstm Jahre 527» Gulden, und weiter jährlich 7'/r fl. Ist eine solche enorme Leistung einem Lehrer möglich? Uad wird selbst bei dieser Leistung «- jenem Vereine gelingen, eine reine Einnahme von c. 14 fl., jährlich auf ein Mitglied zu erzielen, wie wir ebei einer Einlage von nur 2 Thlrn. vermochte», von welcher Einlage sogar uoch ein Gut Theil — mehr aldie Hälfte, durch Rabatt gedeckt wurde? Wie oft müssen wir noch unfern College» zurufen: Thut Enre Schuldigkeit! Schließt Euch der Srsammtheit an! Zer« splittert Eure Kräfte nicht! Bietet alleauf, unseren Le,ein groß und stark zu macke», damit Hülfe in allen Fällen geboten werde» kann. ES ist möglich, leicht, wenn wir einig sind. Unser Verein entwickelt fich trotz Allem in nie geahnter Weise. Insbesondere haben die edelsten daher. Lehrer sich neuestenin erhebender Weise bethnligt. Und Bavern ist derjenige deutsche Staat, wo daS Jadenthum trotz vieler lichtfreundltcher Bestre» düngen materiell und geistig in weit höherer Blüthe steht, al« in irgend einem anderen deutschen Staate! Mehr al- Andere könnten gerade die dortigen Lehrer, stark an Zahl, staatlich angestellt und iast durchweg bester alanderwärts fituirt das hohe Pferd der Selbständigkeit besteigen! Aber die bessere Einficht ist Siegerin geworden. Sie wird eS, f» hoffen wir mit Gott zuversichtlich mit der Zeit überall werden. - Die Berhältniffe werden vielleicht die Berufung der nächste» Generalversammlung noch in diesem Jahre nöthtg machen. Vielleicht wird eine solche Generalversammlung mit der angestrebte» jüdischen Lebrerversammlung sich verbinde» lasten. Wir kosten,' daß bis dahin die rechten Männer in den einzelitea Ländern und Provinze« alles vorbereitet haben, um mit Kraft und Energie für unsere gemeinsame Sache fottwirken za können, und lamit formellen an sich sehr unwichtigen Bedenken die die Statuten u. dgl. roch erregen, gehoben werden. Möge man doch nicht vergesten, daß stdeS neue Unternehmen mit Schwierigkeiten verknüpft ist; daß um fo höher der gläuzendeErfolganzuschlazen ist, den «ir schon so früh errungen haben. Müssen wir demnach — und unsere Leser werden unS gewiß darin beistimmen, — die Eröffnung ein r Rubrik bier versagen» so find wir doch bereit an u--S eingehende Spenden für die Hilfsbedürftigen an Herrn Sommer zu befördern. - Hoffen wir, daß geeignete Vorsorge die Wiederkehr solcher Fälle unmöglich machen, un1» Alle bei Zeiten durch den Eintritt in den UnterstützungS-Verein gegen solche Hilflosigkeit geschützt sind. — — Aus dem Königreich Sachsen bericktet die allgemeine Deutsche Lehrerzeitung folgendes über den Fortschritt deS dortigen Pestalozzivereins, besten Thätigkeit und Mittel uns bei unserem Unterstützung-Verein vorschwebte. Der Pestalozzi verein im Königreich Sachsen hat das 2. Jahrzehnt hinter sich und ist in da- 5. Lustrzzm eingetreten. Der Eintritt war ein grseg» neter. 2734 Thlr. und dazu 173 Thlr. auS Stiftungen konn» ten al» Unterstützungen verausgabt werden. An der Spitze der außerordentlichen Beiträge stehen die d«< Königshauses mit 160 Thlr., darunter 30 Thlr. von der hohen Protettorin de- VereinS. Die Mitgliederberträge, freiwillige Gaben, sind wieder gestiegen, die literarischen Unternehmungen ergaben die schöne Summe von 1378 Thlr. die Zinsen der Hauptkaste betrugen 79b Thlr., so daß die Gesammteinnahme fich auf 4322 Thlr. beläuft. Da- Dermöien beziffert sich auf 28,550 Thlr. und die von Anfang deS Vereinan gewährten Unterstützungen erreichen die Höhe von c. 20,000 Thlr. Gott helfe weiter! Wien. (Ein jüdischer Eid in der Hofburg.) Der Juwelier Herr S. Goldschmidt ist heute in Gegenwatt des Prediger- Dr. Jellineck im Obersthofmarschallamt al- Schatzmeister von Goid-, Silberwaaren und Juwelen der kaiserlichen Familie beeidiat worden. ES dürste wohl zum ersten Male sein, daß ein solche- Hofamt einem JSraeliten übertragen, und daß ein Eid nach jüdischem RituS in der Hofburg geleisttt wurde. — In Frankreich werden die Schulbücher durch Minister geschrieben. Der Minister deöffentlichen Unterrichts, Herr Duruy schrieb eine »Geschichte Frankreich-', di« in den Cvmmnual» schulrn eingeführt ist. ES ist daganz nach dem Principe der Centralisation in Frankreich, nach welcher auch derselbe Unterricht, ja dasselbe Kapiteldesselben Bucke« in allen Schult« Frankreichs in derselben Stunde docirt wird. DaS ist so deS Kaiser» Wille, der also nur bloS der größte Politiker, sondern eigentlich auch der einzige maßgebende Pädagog Frankreich« ist. — Nun entbleit aber daS Buch de« Herrn Duruy, des Minister« deöffentlichen Unterrichts im stanzöfischen Reiche, in dem alle Religionen gleich find vor dem Gesetze, einen PaffuS, der nicht sehr gut in dasselbe paßte und für die Juden von einiger Bedeutung war. Der Herr Minister geruhte in dem PaffuS. der von der im Jahre 1832 verhafteten Herzogin von Berry spricht, die stch so lange uad so tapfer gegen die Juli-Monarchie ver» tbeidiqte zu sagen: »ein Jude »erkaufte sie.' ES war der Verräther Deutz, wohl Neffe de« damaligen Grand-Rabbm von Part«, aber ein getaufter Jude, der die Herzogin vertteth. Sind die Juden auch nock für die Schlechtigkeiten getaufter Inden verantwortlich? Der Grand-Rabbin von Paris-Herr Isidor, batte nun in einem sehr gut qeschriebenen Briefe gegen diesen PaffuS protestirt, und der Minister hatte die Freundlichkeft den Befehl zur Streichung desselben zu erlaffen, und i« einem sehr gnädigen Schreiben die- ,dem Herrn Ober- Raadiner anzu,eigen. Von der Antwort selbst können wir freilich nicht so sehr erbaut sein, wie die „ArchiveS', da der Herr Minister, indem er geradezu schreibt, daß an den »schlechte« Sitten der Judm' me schlechten Gesetze Schuld wären, eben diese schlechte« Sitten der Juden al« vorhanden anerkennt; er negitt damit noch nicht, daß Deutz da-, waS er that, alS Jude that; und da« beraubt die Erklärung ihre« WertheS, auch wen« wrr nicht in dem jetzt verschwundenen Motte eine nicht sehr judenfteundliche Gesinnung rrrathen müßten, die durch nachträgliche Erklärung nicht verschwindet, auch wenn die betreffende Stelle verschwindet. ANZEICEK. in Hauslehrer sucht eine Stelle, am liebsten in der Schweiz oder im Elsaß. Derselbe versteht'französisch, englisch und slavisch, ist in allem sonstigm Wissen tüchtig bewandett, und kann auch eine Stelle in einer Gemeindeschule annehmen und «inen vierstimmigen Chor leite«. Näheres wird die Redaktion dieses Blattes Herr §. K ling en ft ein in Odernheim jin Rheinheffen mitzutheilen die Güte haben.