Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 6 (1866)
- Issue
- 8 (22.2.1866)
- Date
- 1866-02-22
- Page
- Seite 30 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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sinnliche und nicht sinnlich wahrnehmbare Substanz ist, die wir uns als den Träger des Bewußtseins, Denkens. Fuhlens, kmpsindenS, .Begehrens und Wollendenken muffen. Und diese feine Substanz, von der ich soeben sprach, ist die Menschenseele. Dieser menschlichen Seele wohnt, als Etwafür sich Selbstständiger, und mit dem materiellen Theile nur in temporairer Wechselwirkung Stehende-, die Kraft inne, sich nach, der Trennung von dem Leibe freier und unbehinderter, Ja, nachdem sie ihre Feffeln abgestreift, erst recht zu entsalten: Ein anderer Vernunstgrund für die Unsterblichkeit der Seele ist der Tod selbst. Denn das, was wir in der Natur den Tod, oder die Auflösung der Körper nennm, ist weiter nichts, als eine Trennung ihrer Theile von einander. ,,Denn sobald der innere Zusammenhang, der diese zu einem Ganzen verbindet, unterbrochen, oder gar aufgehoben wird, so hört auch die bloß m dieser Verbindung gegründete Aeußerung der Kräfte auf, die daS organische Leben auSmachen" *). So stirbt das Thier und selbst die Pflanze. Die Theile, woraus sie bestehen, werden nicht vernichtet,' sondern nur getrennt und aufgelöst. Diese bestimmte Art des Zusammenhanges, deffen Resultat das organische Leben war, ist aufgehoben**). Das kann aber bei der Seele nicht ber- Fall sein. Sie ist, wie wir gehört, immateriell und besteht also nicht aus Theilen, sondern ist in sich eins. Ist dem nun" aber also, so kann die Seele auch nicht durch eine Auflösung der Theile aufhören zu sein, war sie ist, nicht sterblich sein, wie der Leib sterblich ist; sie ist also unsterblich***). Einen dritten Vernunstgrund für die Unsterblichkeit der Seele finden wir in dem höchst merkwürdigen Unterschiede zwischen dem Thier- und dem Menschenleben. Dieser Unterschied ist folgender. Das Thier wird, von seinem Naturtriebe geleitet, in möglichst kurzer Zeit das, was es seinen Anlagen nach werden kann und seiner Bestimmung nach werden soll. Anders ist es mit dem Menschen. Während bei dem Thier der Entwicklungsproceß in kürzester Zeit abgeschloffen ist, hat der Mensch eine unendliche Vervollkommnungsfähigkeit, und Perfektibilität t die ihn in den Stand setzen, seine Geisteskräfte immer mehr und mehr zu üben, seine Kenntniffe zu bereichern; und lebte er auch Jahrtausende, so wäre bei ihm der Entwicklungsproceß noch nicht abgeschlossen. —. Das Thier lernt eigentlich nichts von dem, was zu seiner Bestimmung erfordert wird, und so künstlicher es auch Leistet, es folgt bei seiner Leistung nur seinem Naturtriebe, ohne dabei irgendwie Unterricht und Anleitung empfangen zu haben. Wir bewundern in den Kunstleistungen der Thiere also nicht ihre eigne Kunst, *) Schnell, bim wir folgen. **) Sin Etwas wir* also nie «in Nichts, daher Sanhedrin Fol. 81 »: pp Hb "ll lim ,”n lin «tn: .Ist aus einem Nicht« «tu Etwas geworden, umwieviel mehr kann aus einem Etwas ein Etwas werden.‘ Siehe auch das. 90 d. *•*) Schon Plato schloß: „Weil die Seele immateriell ist, ist sie auch unsterblich Auch die Lartefianer schloffen: „Die Seele ist das Subject der Gedanken und folglich einfach. Nun kann aber ein einfaches Wesen durch Naturkräste nicht zerstört werden. Also ist sie — unsterblich. — sondern die Allweirheit Gottes, die durch das Thier so Wunderbares schasst. Weil nun aber die Thiere bei ihren Arbeiten einem unsteiwilligen Triebs folgen, macht auch ihre Kunst keine Fortschritte. Die Biene baut chre Zelle, der Vogel sein Nest und der Biber sein HauS nicht schöner, kunstvoller und bequemer, als sie sie vor Tausenden von Jahren gebaut. Ja noch mehr: stände diesen Thieren eine mehrtausendjährige Lebensdauer za Gebote, sie würden nicht bester und kunstvoller arbeiten, als sie es heute thun. Ganz anders ist es mit dem Menschen. Er hat von Gott eigentlich nichts weiter empfangen, als Anlagen. Alles klebrige soll und kann er durch sich selbst werden. Er soll Unterricht von Andern empfangen, das geistige Eigenthum des Andern in sich aufnehmen und verarbeiten; er soll sÄbst Nachdenken, Versuche anstellen und so sich selbst zum König der Erde emporschwingen. Er soll steigen und steigen, und je höher er steigt, einsehen, daß ihm noch bei Weitem viel zu steigen übrig bleibt. Hier glauben wir daS Wort unseres Textes also deuten zu künnm: „Der Staub (daS Thier, das über den Staub sich nicht erhebt) kehrt immer wieder zurück zum Staube, wie es vor Tausenden von Jahren gewesen, der Geist aber steigt und steigt, bis er gelanget ll'.ibre.i bx*). — Aber wie lange, o Menschengeist, wirst du noch steigen müssen, ehe du kommen wirst „zu Gott." Wie viel Großes hat der Mensch nicht im Laufe der Jahrtausende geleistet, und wie viel Großes bleibt noch der Zukunft Vorbehalten, aber noch lange, lange wird der Entwicklungsgang nicht abgeschlossen sein. Aber auf noch ein gewichtiges Moment muß ich Sie aufmerksam machen. Es ist unzweifelhaft, daß das, was die Menschheit im Laufe der Jahrtausende geleistet hat, an Großem und Erhabenen geleistet hat, daS würde jeder einzelne Mensch in sich aufzunehmen und geistig zu verarbeiten im Stande sein, wenn seine Kräfte gehörig geübt, seine Anlagen gehörig entwickelt würden, und er lange genug lebte, um alle ihm erreichbaren Stufen der intullectuellen Cultur nach und nach zu ersteigen. Ein Beispiel möge daS Gesagte erklären. Nehmen wir an, Adam, der erste Mensch, der auf der kindlichsten Stufe der Cultur stand, lebte heute noch, würde er nicht im Laufe der Jahrtausende alle Kenntniffe und Fähigkeiten, die die Menschheft heute ihr Eigeathum nennt, sich angeeignet haben? würde er nicht alle die Stufen geistiger und sittlicher Cultur haben ersteigen können, zu welchen das Menschengeschlecht erst nach und nach gelangt ist? — Und nun nehmen wir gar an, Adam lebte noch Tausende von Jahren, wäre er da nicht fähig, alle Fortschritte in sich ausznnehmen, die die Menschheit auf den verschiedenen Gebieten des Wiffens noch zu machen hat? — Dieser einzige Mensch mußte also alle die Anlagen und Fähigkeften besitzen, alle« das in sich aufzunehmen, waS die Menschheft entdeckt und erlernt hat**). Wie wenig aber *) Bielleicht der Sinn der Worte Sanhedrin Fol. 38 d.: Oir>t rrci jrpiS iy p-v«tr-i jo jupeon. Adam habe die Fähigkeit erhalten, sich von der Erd« zum Himmel (dem Göttlichen) emporzu» schwingen. Adam wird als Urtypus des ganzen Menschengeschlechter gedacht: PVNI.I 01!« bt/ lODirD ,D1K JQ1D 'n'a'pn. ••) 8 er gl. di« Stelle daselbst: 1JH llblp.1 *)1D0 l’BWVl DTK