Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 6 (1866)
- Issue
- 5 (1.2.1866)
- Date
- 1866-02-01
- Page
- Seite 18 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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18 richte in der Geschichte Mädchen gegenüber an die unbestreitbare Thatsache erinnern, w« groß zu jrt>er Zeit der Einfluß der Mütter auf das Leben, auf die körperliche, geistige und gemüthliche Richtung und Entwicklung' großer Menschen war. In der Geschichte wird das vaterländische und weltgeschichtliche Element-immp^Hand in Hand gehen. Die Frage, was von beiden — vaterländisches oder weltgeschichtliches, — zu bevorzugen, ist eine müssige. Die Geschichte der Cultur, der socialen Entwicklung wird im Laase kürzerer oder längerer Frist wohl überüüegmd hervortreten. Bis jetzt ist uns kein Geschichtsbuch für die. Schule bekannt, wo Las im hinreichenden Maaße geschehen wäre. Der Gesang ist bedeutsam für die Bildung des Gemüthes, und soll-das Schöne .zur Erscheinung bringe«. Er ist ebenso Gefühlsäußerung als Mittel zur GemüthSbildung, -der Gesang theilt den Kinder« den Himmel auS, denn sie haben noch keinen verloren." Wer, als Lehrer, io glücklich stst, in seiner Schule einen schönen Kindergesang einzuführcn und letten zu können, wird begreiflich finden, daß wir ihm eine vorzügliche Stelle im Unterrichte anweisen, und in «hm ein bedeutendes, belebendes Moment für die Erziehung des Mädchens finden. Musiki Glücklich dar Mädchen, das Gelegenheit hat, sich mit dieser herrlichen Kunst zu befasse«. Im Allgemeinen dürfen wir sie, leider, zur Zeit nicht zu den obligatorischen Gegenständen für Unterricht.und Erziehung der Mädchen rechne«. Die weiblichen Handarbeiten bilden einen bedeutsamen Zweig in der Erziehung und im Unterrichte der Rädchen, und die Hebungen in deuselben dürfen nicht verabsäumt werden. Aber es muß Ordnung, Plan und Ein? ficht in diesen Zweig des Unterrichts gebracht werden, der naturgemäß jederzett weiblicher Leitung zu übergeben ist. Diese -Lehrerinnen des Handarbeituuterrichts dürfen nicht ungeeignete und ungebildete Personen sei», und es ist eine wvhlbegründete Forderung, daß sie sich auch pädagogisch für ihren Beruf vorblldeu. StufenmäßigeS Fortschreiten vom Leichteren zum Schwereren — (Rosalie Schallenfeld!) muß beobachtet werden^ und das Nützliche und Nöthrvendige darf nicht vor dem Angenehmen, das Ausbckssern, Nähen und Stricken nicht vor . de« Sticken in den Hintergrund treten. Wir dürfen, che wir zu allgemeinen Betrachtimgen übergehen, einem Gegenstände unsere Aufmerksamkeit nicht eXFiehen, der bei den hier gestellten Anforderungm für die geistige Bildung des Mädchens -nicht aus dem Auge verloben werden darf — »ir meinen die Unterstützung der Entwicklung und Kräftignng des Körpers. Wer die Schwäche dev Jugend unserer Zeit kennt — und wer sollte nicht unnsillkührlich die Bestätigung dieser Klage in seiner nächsten Uplgebnng gefunden haben? — wird' das Gewicht der Forderung anerkennen, daß es vor Allem Pflicht der Erpchungswid Unterrichtsaustalte» für Mädchen -ist, auch, der körperlichen Pflege ihr« uuanSgesetzte Aufmerksamkeit: zuzuwcnden. DasLurnen der Mädchen ist unstv-Ltig von «ertast» größerer allgemeiner Bede«tu»g «ls falbst dtsAur«enter Knaben, wen« wirmchLetwndi«Rücksicht ans die Dchrhaftigkeit des Boüesnn Lug» haben. Das -Rädchen, lat nach dstu 8chulunterch<!hM stoch, bei Hausarbeiten fitztn und ^fein» fittsiiM zu Amw vkeiflrn muß, hat wohlgeleitete BewegungSübangen sehr nöthig, um all den aus dein Mangel an geeigneter Bewegung fließenden Uebeln zu begegüku. Wem sollten diese Uebel nicht bekannt sein? Und, wer sollH nicht mit Schrecken an deren schlimme Folge« denken für die Sittlichkeit, Gesundheit und Ertüchtigung der Geisteskräfte — des Geschlechtes der Zukunft? — „beim nur in einem gestanden Körper wohnt eine gesunde Seele." Dhs -Tütne« bsim Mädchen Mitd Label die schöne'«eidliche Form zu berücksichtigen, haben — gleichsam in Tanz übergehen. Wir srfimetn-an das Wort der Hellenen: „Gib uns zu dem-Guten das Schönes- Und fremde Sprachen? Französisch? Pir-bl»» fürchten, hier-mit einem große» Theile unserer geschätzten- Leser nicht übereiuzusiimmen, aber — die Wahrheit ist dazu vorhanden, daß sie gesagt werde. Der Unterricht in fremden. Sprachen, wie.er. gang, und gäbe ist, hat -für die.Sesammtbildung des Mädchens durchaus keine Bedeutung, ist werthlos, daher.unnüst und wenn wir «pn vollends die Schluß-, folgerung ziehen wollen — schädlich. Jawohl schädlich, sehr schädlich; Welchen Zweck hat man bet diesem Unterrichte vor Augen, oder welcher Zweck wird in der That erreicht? Man kann bei einem Unterrichtsgeaenstande in der Schule einen rein praktischen Grund haben s freilich gehört der Unterricht für speciell-praktische Zwecke nicht in die Erzichungs-7 sondern in die Berufsschule. Welchen Zusammenhang aber das Französische auch mtt dem praktische», naturgemäßen LebenSberuf des Weibes haben könnte, vermögm wir nicht abzuseheu. Unsere Schulen find Erziehungsschulen und wir fasse« de» Unterricht vorzüglich als Mittel zur Erziehung im Allgemeinen auf. Die Erziehung und Bildung kann aber nur durch gründlichen Unterricht gewinnen. Jedes oberflächliche, schablonenmäßige Anlernen stört dm Entwicklungsprozeß des Geistes, verflacht, verdummt. Wir künum uns hier nicht weitläufig in diese ernste und. gewichtige Frage einlassen, obwohl eine kräftige Bekämpfung des Unwesms, — unsere Kinder mit französischen Brocken zn füttern, ehe sle tüchtige Erkenntniß in ihrer Muttersprache erworben habm, viel Verführerisches für unS hat. Hier halten wir uns nur für verpflichtet, Eltern und Lehrer zu frag«: worin ' denn eigentlich der Gewinn für Geist und Gemüth oder für die Praxis des Lebens liegt, wenn dar deutsche Mädchen einige Phrasen Französisch versteht, ohne daß jedoch irgendwie diese- Stückwerk zu einer Erkenntniß führt über Wesen und Bau jener Sprache, ohne daß'es auch nur zu klare« Verständnis eines guten Buches der fremdländischen Literatur kömmt, ohue daß es die fremde Sprache richtig lernt? Ist eingehende Kmntniß, unser« vaterländischen Sprache und Literatur,, sind Erkeuntniffe, geschöpft aus der Betracht tung der Natur uuy des, Menschenlebens, nicht tausendmal bilderter und zweckmäßiger, als dieses Geplapper sremdsqn-j bischer Laut«, die eben nur dqr liebe» Eitelkeit .willen gepropft und augewendet werde«? , Wir leugwe«>die.,hghg Wichtigkeit der Erlernung fremder Sprachen für de»-,j« seiner Muttersprache, bewaudertm -nnd, »ach wissenschaftlicher. Durchbildung stredGde« Jüpgliflg nicht,! wjir^wißea-cuzch^ -haß gerade solchm iModeMcheuin ^ikGrMuqs-i.leLer^-kckr; schmierig entgegenzutrefen ist. .aber wspLlanbe» ^sere Pflicht.