Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 6 (1866)
- Issue
- 5 (1.2.1866)
- Date
- 1866-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Israelitische IeKrer. Zeitschrift / die gesammten Jntereffen deisraelitischen Lehrerstandes I ~~~ , und zugleich Organ für dm Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer Lehrers Lehrer«-> Wittwen und -Waism in Dmtschland. J\e 5. Mainz, den 1. Februar 1866. (Seohster Jc.hrgang.) Wöchentlich 1 Nummer. BierteljShrlicher LbonnrmentSpreis 27 kr. — 1/4 Thlr. Bei frankireer Zusendung unter Nreuzband jShÜich 2 sl. 12 fr. Anzeigen zu 1 Egr. di« Petitzeüe. Bestellungen nehmen alle Postämter und Buchhandlungen an. ( Gedanke« «der Grziehnng nnd Unterricht der Mädchen. (Fortsetzung.) Der Unterricht im Schönschreiben und Zeichnen darf in der Mädchenschule nicht vernachlässigt werden. Wir haben vom Schreibe», insofern es als Etylübung austntt, ob« beratgefprochm. Das Zeichnen in Verbindung mit dem Schönschreiben bildet den Formen- und Schönheitssinn. Es ist für die Erziehung und für den praktisch« Lebeusberuf des Weibes wichtig, an Ordnung und Formenschönheit gewöhnt zu werden. Das kann vorzüglich durch Zeichu« geschehe«, und zwar nach Vorlagen und durch Perspcktivzeichnen. „Durch die Ausbildung der Anlag« zum Bild« und Form« wird Sinn für Schönheit, Anmuth, Lebensform und Ebmmaaß gewonnen" (Harnisch). „Bon der Wichtigkeit des Unterrichts in der Zeichnenkunst als Thal der Erziehung betrachtet, kann man sich am best« überzeugen, wenn mau bed«kt, daß dem Mensch« durch dies« Unterricht eine schöne und edle Erweiterung seines Genusses an der Sin»««elt zuwächst; das ganze Reich der Form« und Färb« schließt sich ihm auf, ein n«es Organ wird belebt, die heiterst« Begriffe erwach«, er lernt die schöue Natur kenn«, sie hochacht«, lieb« und sich ihrer erfreuen." (Göthe.) Der Unterricht in der Naturlehre und Naturgeschichte muß sich möglichst dem Nahelieg«den anschließ«, und die Verhältnisse des täglichen Leb«S vor alle« berücksichtig«. Die Chemie der Lüche, des Waschhauses, des Bleichens, die Gesundheitslehre, Lamtniß unserer heimathlichm Flora i» ihr« bekannter« Art«, die Nutz- und Zierpflanz«, die Hausthiere und ihr Ban find Gegenstände, die besondere Beachtung verbt««. Sie erfüll« das Mädch« mit Liebe zu seinem precktisch« Berufe, und durch die Erkenntniß wird die häusliche Wirksamkeit veredelt. Es find« sich überall An- «ilvfungspunkte für denSende Beobachtung über d« „Kreislauf des Leb«»." In der einfach« Küchenbeschäfttgung findet das edeld«ke»de Weib einen höher« Lebenszweck, uz«, findet oft unser« den Vorgänge aug«, der« und erkennt dm Zusammmhang mit dem Stoff zu idealer LebmSrichtung. Leider sie verbildet« Dam« diese einfachen, natürliä nur rein äußerlich mechanische Beschäfi „schmutzige Gemeinheit" sie abstößt; und das!Mädchm oder das Weid fühlt sich unglücklich, weil es vo« der Lektüre, dem Stickrahmen und dem Fortepiano in die Lüche steig«, oder das weinmde Kind still« muß. Nur durch Naturkenntniffe gelangt das verbildete unglücklich« Wes« zum Bewußtsein seines Zusammenhangs mit der „Ganzheit des Lebens", und solche Einsichten zu säeg unserer Zeit. Geographie ist ein eble* Bildungsm d« Mädchen nicht vorenthalt« werdm darf, einzelne Wissen des Mensch« vermittelnde niß von der Gestaltung der Erdbodms, BaterlaudSkunde, find dem Mensch« zu Wiss«Selem«te, als daß sie irgend Einem, bildet« zähl« will — und der höchste Zwo ist Aufgabe el, das auch ist daS, das «t. Kennt- und t zu den Geder Schule. ist Verallgemeinerung der BUdung — fehlen bürfm. Ei« Gleiches gilt von der Geschichte. Di« Entwicklung der Mensch« in der Zeit, daS Werde« der Mmschheit ist Geschichte. Sie ist und bleibt das et> tste und.-er-. habmste Bildungselemmt: „willst Du Dich sel>er versteh«, so sieh, wie Andere eS trabe»; willst du di« Andern ver-c stehen, blick in dein eigmes Herz." Für die Mädchen wie für die Knab« übt die Geschichte eine ganz besonder« Anziehungskraft, w«n sie selbstverständlich nicht! ein Gemisch von Personennamen und Zahl«, nicht ein albernes Aufzähl« der Schlacht« nnd völkerverheermd« Kriege, ^j«- dern ein innerlich ergreffmdes Nachspür« des! Ganges ist, d« die Bmsehnug die Mmschheit wandeln ließ, um sie ihrem Ziele näh« z» bring«, wenn in ihr gräße Mensch« durch lebensvolle Darstellung ihres Wirkens lchendig werdm. Di« Betrachtung solcher erhabener Persönlichkeit» leitet dm Blick des Mädchens auf das Allgemeine, gnd lchrt es erkmu«, wie nur die richtige Erfüllung des gpttgk-ebenen Berufes d« Mensch« wahrhaft erhöht. Wo» eS immer nur angeht und erweislich ist, werd» wir bei dem Unter--