Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 6 (1866)
- Issue
- 4 (25.1.1866)
- Date
- 1866-01-25
- Page
- Seite 15 (sequence 3)
- Language
- German
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15 «sei Vermögende Eltern unterstellen nun die Pflege und Erziehung ihrer Kinder eigen« dafür honorirten Personen, weil sie sich nicht persönlich diesem Geschäfte unterziehen wollen. Der großen Mehrzahl Familienhäupter, welche wohl auch meisten« die Nothwendigkeit strenger Beaufsichtung ihrer Kinder fühlen, bei denen jedoch die Subsistenz der Familien die Verwendung der Zeit und Kräfte im Berufe erfordert,, gehen die Mittel zur Beseitigung dieses Mißstande« ab. Wa« jedoch dem Einzelnen unüberwindliche« Hinderniß ist, erscheint auf dem Wege der Vereinigung eine Allen leichte Aufgabe. Zu diesem Behufe haben sich hin und wieder, namentlich in Städten und größeren Orten, entweder aus Privat- oder au« Gemeindemitteln Kleinlinderbewahranstalten gebildet. Der Zweck dieser Anstalten ist: Beaufsichtigung der Kinder, Abhaltung körperlicher Unfälle, und naturgemäße Hülfeleistung bei der geistigen Entwickelung derselben. Der Erfolg beregter Anstalten wird durch die Art und Weise ihrer Einrichtung und Leitung bedingt. Durch den Besuch derselben werden die Kinder vor schädlichen Einwirkungen, von der Außenwelt verursacht, bewahrt. ‘ Oft werden dieselben zu Gunsten ihrer geistigen Pflege selbst dem älterlichen Hause besser entzogen, wenn sie hier größtenteils nichts hören, als fluchen, schwören, schimpfen rc. rc, für welche Unanständigkeiten das Kind so viel Empfänglichkeit besitzt, und werden statt dem an Ordnung, Pünktlichkeit, Reinlichkeit, Gehorsam rc. rc. gewöhnt. Diese guten Eigenschaften wachsen sodann gleichsam mit dem Kinde auf und bleiben mehr oder weniger haften für spätere Zeit. Auch in materieller Beziehung verdienen beregte Anstalten, daß man ihnen das Wort rede. Wie bereits erwähnt, bedarf das Kind, wenn eS so weit gekommen ist, sich ohne fremde Beihülfe fortbewegen zu können, einer strengen Beaufsichtigung. Unbemittelte Eltern werden sehr häufig in die Nothwendigkeit versetzt, für ihren und der Ihrigen Unterhalt sorgend, ihre Kleinen ohne Beaufsichtigung sich selbst zu überlassen. Wie viele Unglücksfälle haben sich dieses Umstands wegen ereignet? Die Kinder thun da in der Regel, was sie nicht sollen, oder was ihnen zu thun verboten worden. Sie gerathen an Feuer und Waffer, verbrennen oder ertrinken, laufen unter-Fuhrwerk, steigen in die Höhe, stürzen herab, fallen sich todt oder werden Krüppel. Sie gerathen unter böse Gesellschaften, werden zu Diebereien verführt und lernen stehlen. Wollen aber die Eltern diesen Mißständen Vorbeugen, so sind sie genöthigt, ihre Kleinen entweder selbst zu beaufsichtigen oder, in soweitdieS—geschehen kann, die Beaufsichtigung ihren, schon erwachsenen Kindern zu unterstellen. Wie häufig geschieht die Beaufsichtigung der Kinder auf Kosten auszuübender Berufspflichten I Häufiger jedoch noch als dieses werden schulpflichtige Kinder dadurch dem Unterrichte entzogen. Allen diesen Mängeln wird jedoch durch ^Errichtung von Klemkinderbewahranstalten dauernd und erfolgreich ahgeholfen. Die Eltem bringen ihre Kinder in diese Anstalt in der Ueberzeugung, daß sie hier unter guter Obhut stehen und gehen viel sorgenfreier ihrem Geschäfte nach, als wenn sie ihre Kleinen, verschiedenen Unfällen ausgesetzt, sich selbst überlasten müssen. Ist nutt einmal dargethan, daß die fraglichen Anstalten bei den einzelnen Kindern von gutem Erfolge sind, / so ist anzunehmen, daß dadurch der allgemeine Wohlstand gehoben wird, vorausgesetzt, daß diese Anstalten überall zweckmäßig eingerichtet und geleitet werden. Wie die Kleinkinderbewahranstalteu m Allgemeine» auf die Bildungsstufe der Menschheit von wi festlichem Sinfluffe sind, so find sie in's Besondere als Bo chereitungSanstaltm für die Schule von großem Belang. Welch' großen Unterschied findet der Lehrer zwischen einem; kinde, bei. welchem im elterlichen Hause große Sorgfalt aus Entwicklung seiner leiblichen und geistigen Befähigung ver vendet wird, und einem Andern, das ohne Zucht und B eaufsichtigung aufwächst? ßrftererist der Sprache mächtiger als Letzteres, begreift schneller und leichter, weiß mehr Anstand und Sitte, ,ist bieg- und lenksamer, reinlicher und ordnungsliebender. Weiß ja jeber Lehrer, wie viel er mi der Disciplin bei angehenden Schülern letzterer Att zu s< Haffen hat. Es ist auch ganz natürlich, daß Kinder, denet das Gaffenlaufen, Schreien und Toben rc. rc. zur zweiten Natur geworden, viel weniger ruhig und anständig zu erhalten sind, als Jene, denen die Gaffennatur fremd geb ieben. Die meisten Eltem könnm, wie schon erwähnt, den obwaltenden, die Sache erschwerendm Verhältnistm gemiiß, mit dem bestm Willm — großentheils fehlt es auch bei den Eltem an dem Willen als Grundbedingung folgereicher Entwicklung ihrer Kinder — nicht für ihre Kleinen in dieser Hi lsicht sorgen. — Oft lasten die Eltem, durch eine Art von Affenliebe zu ihren Kindern dazu veranlaßt, diesen die gröl lichsten Fehler, Ver« gehm, Unarten und Rohheiten ungestraft hingehen. Wie oft tritt-die Mutter dem strafenden Kater entgegm und bestimmt ihn durch Allerlei, die Ruhe ungebraucht bei Seite zu legm. Alle diese erschwerendin Umstände in dem häuslichen Erziehungsgeschäfte, die bitte) die Eltem hervorgerufm werden, und deren Tragweite ich nicht im Voraus ermitteln und festftellen läßt, werden durch den Besuch der Kinder fraglicher Anstalten beseittgt. Betrachten wir die Sache von religiösem Standpuntte aui, so sind die Vortheile, welche fragliche Anstaltm gewähr n, noch augenfälliger. Wie der Baum, wenn' er in spätere, Zeit seiner Bestimmung Nachkommen soll, in seiner Jugmd behackt, begoffea, beschnittm und vom Unkrauts gereinigt werden muß, so hat dies in ähnlicher Weise bei dem Kinde zu geschehen, wenn eS zur edelsten Frucht der Erziehung, zur Gotteserkenntniß geführt werden soll. Solim aber die Kinder diese, ihre Bestimmung später erreich », so muß mit dem Erziehm — hinführen zu Gott — frühzeitigst begonnen werdm. Die Frage, wann dies zu geschehen habe, läßt sich nicht durch Zahlen angeben, indem daS eine Kitü, früher, das andere später durch beso adere äußere Zeichen seine Befähigung zum Beginn mit dies! m wichtigen Geschäfte zu erkennen gibt. Im elterlichen Hause findet das Kmd großentheils keine Nahmng zur Sti lung dieses geistigen Bedürfnisses. Seine Phantasie ist thät g; es Hilden sich ihm unklare Gedanken, mit denen eS sich s übst, überlasten bleibt, nicht in's Reine kommt. Wie selbst »erständlich, läßt sich bei dem kleinen Kinde nun eben kindlich verfahrm, so, wie eS Zeit und Umstände erlauben. Diese Augmblicke wüsten benützt werden; deßhalb ist es nöthigz daß das Kind gleichsam belauscht und die Entwicklung einer geistigen Natur begonnen werde. Dies kann aber an füglichsten in Klein-