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Der israelitische Lehrer · 1866-01-25 · 4 (25.1.1866) · p. Seite 14

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
6 (1866)
Issue
4 (25.1.1866)
Date
1866-01-25
Page
Seite 14 (sequence 2)
Language
German
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I 14 Wer da glaubt, die in diesen Meisterwerken ausgesprochenen Ideen und Gefühlsbeschreibungen könnten irre leiten, kennt weder das Wesen der geistigen Natur der Mädchen, noch unsere Klassiker. Nur Zimperlichkeit und affektirte Ziererei! verschrobener Gouvernanten kann eine ideale Gefühlswelt, | die von außen, durch die Lektüre reiner und erhabener i Musterwerke der Kunst an das Kind herantritt, schädlicher! erachten, als wenn dieselben Gefühle in anderer nicht idealer! Form im Innern des Kindes selbst heranreifen und gerade j durch daS Nichtaassprechen gefährlich werdm. In guten,; von charakterfesten Männern geleiteten Töchterschulen kennt; man deshalb diele Zimperlichkeit nicht. Rechnen ist besonders in den von Damen geleiteten Töchterschulen ein vielfach vernachlässigtes Fach. Das praktische Bedürfniß, und noch viel mehr die DiSciplinirung . und Erkräftigung des Geistes, die das tüchtige, elementarische Rechnen zur Folge hat, machen dasselbe zu einem be- I deutsamen Unterrichtszweige much für die Mädchen. Klares I Verständuiß der Grundrechnungen, Drei-und Vielsatz, Eini ficht in das Wesen des Bruches, Gesellschaftsrechnungen u. dgl. müffen bezweckt werden. Sie werden den Blick des Mädchens für das praktische Leben schärfen, es zu ernster, nüchterner Beschäftigung ertüchtigen und der nippenden schöngeistigen Unterrichts- und Erziehungsweise entgegenwirken. Tüchtiggeschnlte Rechner sind die besten Merkzeichen einer guten Schule, eines tüchtigen strebsamen Lehrers, und ich habe es immer als ehrende Auszeichnung für die Landschullehrer betrachtet, daß von Seiten der Stadtschullehrer das fertige Rechnen der. Landschüler hervorgehoben wird. — Rechnen die Mädchen, so werden auch die Frauen rechnen. Fürchtet man wohl eine Einbuße am „idealen" Leben der Frauen, wenn sie in solcher Weise zur Uebung des Verstandes angehalten werden? Ist hierdurch eine das „Gemüth" beeinträchtigende, über das richtige Maas hinausgehende Verstandesschärfe, die auch wir nicht wollen, zu befürchten? Diefterweg sagt: „Es fehlt dem Schulunterricht der Mädchen häufig an der rechten Kraft und darum den Mädchen an Verstand und an Verständesreife. Eine spielerische Austastung der Knaben- und'Mädchennatur findet man auch bei vielen Lehrern. Die VKstandesentwicklung, meinen sie, entfernt das Gemüthliche, Zarte, Weibliche, Liebenswürdige. Pestalozzi wußte davon nichts. In dem De-Lasps'schen Institut zu Wiesbaden lösten die Töchter des Oberbergraths Kramer, wie die Knaben, die geometrischen Aufgaben, und ich habe nachher an ihnen durchaus keinen Abbruch an weiblichen Eigenschaften, wohl aber dagegen erlebt, daß sie in vorzüglichem Grade befähigt waren, in männlich-ernste Gespräche einzugehen und die Idee einer (männlichen) Knabenerziehung zu fasten. Nein wahrlich, eine verständige,'denkende, kenntnißreiche, durch Strenge des Unterrichts gekräftigte Frau ist auch eine Zierde ihres Geschlechts. Wir »ollen in unseren Knaben Männer für die Freiheit im weitesten Sinne des Wortes erziehen; bilden roic-iap in Haus und Schule die künftigen Mütter unserer Söhne vor?" Diesterweg, der die Frauen im Allgemeinen für nicht zum Lehramte befähigt hält, ist darum gewiß nicht der Mann, der dieselben ihrer natürlichen Bestimmung entfremden will. Wir haben in unserem ersten Abschnitte in einem Citate von ihm den genügenden Beweis. (Fortsetzung folgt.) -1f Welchen Vortheil gewähren zweckmäßig-eingerichtete und -geleitete Kleinkinderbewahranstalten, sowohl im Allgemeinen, wie auch im Besondern als Vorbereitungsanstalten für die Schule? Von Lehrer Strauß in Göllheim. ~ Die Pädagogik hat die Entwickelungperioden des Kindes auf die Zahl von drei festgesetzt und die erste vom 1—6, die zweite von 6—9 und die dritte vom 9—13 Jahre bezeichnet. — Es war bisher in den allermeisten Fällen der Brauch, daß die Kinder in der ersten Entwicklungsperiode einzig der Pflege und Erziehungder Eltern unterstellt waren. Das neugeborene Kind ist, seinen natürlichen Bedürfnissen entsprechend, gleichsam zur Mutter und umgekehrt, diese zum Kinde hinzewiesen. Hat Letzteres jedoch ein Alter von etwa 2 Jahren erreicht, so ist dasselbe — wenn gleich in ähnlicher Weise hilfsbedürftig — eher in den Stand gesetzt, ohne mütterliche Beihülfe existiren zu können. Es hat die Befähigung, seine Wünsche und Empfindungen, vernehmbar kund zu thun. Bezüglich der Befriedigung seiner Nahrungsbedürfnisfe ist es nicht mehr an die ihm bisher naturgemäß zugestandene Muttermilch gebunden: Es genießt Speisen, die ihm auch anderer Seits gereicht werden können. In geistiger Beziehung hat das Kind bei Erreichung beregten Alters bedeutende Fortschritte gemacht; es wird sich gleichsam seine» „Ich" bewußt. Von dieser Altersstufe fängt das Kind an, Vergleiche anzustellen, eö weiß das Schöne — Farbenglanz — von dem seinen Gefühlen mach Häßlichen zu unterscheiden, und trifft darnach seine Wahl. Wenn schon die Sinne, und weniger der Verstand bei Kindern im erwähnten Alter vorherrschend sind, so ist doch nicht zu verkennen, daß sich, bei dem einen Kinde mehr und bei dem andern weniger, die Derstandeskräfte, in vielen Fällen sogar über-. ,raschend entwickelt haben. . Von dieser Alterstufe an bedarf das Kind neben der körperlichen auch der geistigen Pflege und Beaufsichtigung. DaS Kind ist jetzt nicht mehr so unbedingt an's älterliche Haus gebunden; es liebt und sucht das Freie, kommt hier mit andern Kindern in Berührung; es werden gemeinsame Spiele getrieben. Durch gegenseitigen Austausch bereichern sich die Kinder an manchem, was ihrer geistigen Entwickelung för- -derlich ist; doch wird nicht leiten der Kreis deS Wiffens bei ihnen auf eine Art erweitert, wo der Wunsch laut werden muß, daß dies, nicht geschehen sein möchte. Die Kinder -bringen oft Aeußerungen zu Hause vor, die ihnen früher nicht eigen waren und welche die Eltern in Staunen setzen. Unarten, die sie bisher nicht gekannt, verüben sie mit aller Geläufigkeit und der Vorsatz, das Kind von der Straße rssp. böser Gesellschaft ferne zu halten, wird bei den Eltern

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