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Der israelitische Lehrer · 1866-01-25 · 4 (25.1.1866) · p. [Seite]

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
6 (1866)
Issue
4 (25.1.1866)
Date
1866-01-25
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Zeitschrift für die gesummten Interessen des israelitischen LehrerstandeS und zugleich Organ für dm Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer Lehrers Lehrer- Wittwen und -Waism in Deutschland. ' ] J\§ 4 . Mainz, den 25. Januar 1866. (8svL»1er Jahrgang.) WSchentlich 1 Rurmner. Vierteljährlicher MonnemmtSpreis 27 kr. — 1/4 Thlr. Bei franlireer Zusmdung unter Kreuzband jährlich 2 fl. 12 kr. Anzeigen zu 1 Sgr. die Petitzeile. Bestellungen nehmen alle Postämter und Buchhandlungen an. f Gedanken über Erziehung und Unterricht der Mädchen. (Fortsetzung.) Welches die Materien des Religionsunterichts bei den Mädchen sind, haben wir in diesen Blättern bereits oft besprochen. In der Volksschule, mit den Knaben vereint, werden sie mit denselben m gleicher Weise den Unterricht erhalten; nur mit dem Unterrichte im Pentatenchübersetzen sollen sie verschont bleiben. Eingehenden und belebenden Confirmandenunterricht, möglichste Jndividualisirung setzen wir hier noch mehr voraus, als bei den Knaben. Hebräisch soll so viel getrieben werden, daß das Mädchm mit Verständniß am Gottesdienste Antheil nehmen kann. ' Wir sagten oben, daß bei den Mädchen noch mehr als bei den Knaben „Jndividualisirung" Noth Ihue. Unter Jndividualisirung verstehen wir ebensowohl das Verständniß des Lehrers für die eigengeartete Natur des betreffenden Kindes, als das Bestreben,, die natürlichen Keime für das Gute, die in dieser Eigenart sich ausiprechen, herauszukehreu und zu förderst. Ein Psycholog sagt irgendwo mit Recht: — in allen Natureigenthümlichkeiten läge ebensowohl der Keim zur Tugend als zum Laster. Dem männlichen Geschlechts ist mehr Eharakteranlage angeboren; charakterfeste Frauen mit klar ausgesprochenen, Grundsätzen und der Energie des Willens, das für recht erkannte auch durchzuführen, sind äußerst selten. Darum muß der Lehrer den Keim des Eigengeartetcn zur Entwicklung bringen, das Individuelle herauskehren, und so mit aller Kraft dahin wirken, daß dem weiblichen Charakter ein gewisser Grad von Festigkeit zu eigen werde. Der wichtigste Gegenstand für weibliche Bildung wird nächst Religion die deutsche Sprache sein. Die. deutsche, die Muttersprache, ist ebenso das .Gewand jeder wahren Bildung als ihr edelster und kräftigster Faktor. Nur auf der Muttersprache heiligem Boden kann sich der Bau gediegener Erkenntniß erheben. Nach den beiden Richtungen hin muß das sprachliche Wissen bei dm Mädchen gefördert werden. Das richtige Verständniß deS Gewesenen, so wir die richtige Anwendung in der Schrift find anzustrebm. Dazu ist tüchtige.Uebung erforderlich. Bei dm Mädchm wird diese Uebung mehr eine aufnehmende (wnsumtive) als selbstschaffende (produHve) sein. Einführung in die Schätze der'deutschen Literatur führt zur Sprachger mndtheit. Die Stylübungen werden mehr nachbildend und umformend sein müssm als selbstschöpferisch. Die Niederschteibung eigener Gedanken darf nicht zu früh gefordert werden und wird bei dem größten Theil der Mädchen imnnr nur in sehr beschränkter Weise möglich sein. Hiergegm sind viele Mädchen nur zu sehr geneigt, ihre Gefühle auszukramen und dabei sehr ins Breite und Flache sich auszudehnen; „der Worte kein Ende." Man gewöhne sie, richtig Maas zu halten, möglichst knapp und klar in ihren Ausdrücken zu fein. Es kann nicht schaden, wenn der Lehrer praktisch etwa so verfährt: „Ihr dürft über daS ncht mehr als gerade eine Seite, so und so viel Sätze und Zeilen schreibm und doch muß das Alles gesagt sein; was in dem Thema liegt." Zu ThemathaS wähle man mehr Beschreibungm als Schilderungen; es ist immer gefährlich, wenn man Mädchen zu sehr damit beschäfttgt, was naturgemäß zur inneren „Beschaulichkeit" führt, zu der dieselben, oft mehr als gilt ist, gmeigt sind, und die auf Abwege nach dm verschiedensten Richtungen führm kann. Den Blick auf die Außenwelt zn lenkm, gesunde Einsichten vor dem zu erlangen, was außer ihm da ist, ist vorzüglich die Aufgabe des Mädchmunterrichts. Schon mit dem dreizehntm oder höchstens vierzehntm Jahre müßten gutgeschulte Mädchen im Stande sein, theilweise Klassiker, insbesondere Schiller — Jungst au v. Orleans, Maria Stuart — zu verstehen und zu lesen. Dies Verständniß und die Lust und Liebe an klassischer Lektüre ohne Blasirtheit ist das beste Zmgniß gerstiger Rei e und gediegener Frauenbildung. Die deutsche klassische Literatur zum Mittelpunkt alles Unterrichts in den „höheren Töchterschulen" zu machen, ist das höchste Ziel» das Diejenigen, welchen es um die Reorganisation dieser Anstalten zu thun ist, nicht aus dem Auge verlieren dürfen. Von hier muf der höhere weibliche Unterricht auSgehen, hierher muß er zurückkehren.

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