Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 6 (1866)
- Issue
- 3 (18.1.1866)
- Date
- 1866-01-18
- Page
- Seite 11 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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11 Leser anmuthen; dem jüdischen aber Persönlichkeiten auS seiner eignen Bekanntschaft ins Gedächtniß zurückrufen, welche der Zeichnung dieser Charaktere zum Vorbilde gedient haben. Wer „Die Grundsätze der Liebe und Gerechtigkeit im Zudenthum" in Briefen an eine christliche Freundin, von einer jungen Israelitin, als Fortsetzung aus dem vorigen Jahrg. durchlieft, in dem muß der Wunsch sich regen, die Verfasserin möge noch recht viele Fortsetzungen geben. Um so tiefer muß er aber von Schmerz und Trauer erfüllt werden, wenn er bald darauf (S. 227,) von einem Trauerrande umgeben, dieser jungen Israelitin einen „Nachruf, vom Herausgeber gewidmet*, sieht. — Möge sie rühm in Frieden < sie hat sich in der Achawa ein schönere- Denkmal gesetzt als dasjenige sein wird, daS von Marmor sich auf ihrem Grabe erheben wird; dmn in der Achawa wird ne auch noch über das Grab hinaus zu ihren Freundm und Verehrern reden, wie der Herausgeber es verheißt. „Moses und Lykurg", ein Vortrag rc. von vr. L. Adler. Landrabbiner in Cassel. — An diesem Vortrage gefällt unS Alles bis auf den Titel, der leicht zu einem Mißverständniß Veranlassung gibt, das der Versaffer, wie wir ihn und seine Grundsätze kennen, sicherlich nicht beabsichtigt hat. Er führt es selber in der Einleitung aus, warum zwischen Moses und Lykurg gar keine Parallele zu ziehm ist:j weil die Persönlichkeit des erstem im Gottesgesctze verschwindet und verschwinden muß, mit der des letztem aber das Gesetz steht und fällt. Das Verdienst, welches die unparteiische Geschichte dem Lykurg zuerkrnnm muß, findet auf Moses gar keine Anwendung. Wo liegt da daS tsrtium comparationis? Dagegen ist der Vorzug des göttlichm Gesetzes gegen daS Spartanische in Bezug auf Fremde, Dienende und Kinder vortrefflich beleuchtet. Th« last not the least. „Zwei Parabeln" von Professor vr. Wessely aus Prag. Von den Sprüchen des Sehers aus eine treffliche Versenkung in den Geist desselben und eine hinreichende Erklärung seiner Worte aus der Situation des Sprechers gibt uns die erste Parabel. Die zweite folgt dem talmudischen Satze p yaizr nnx bbia und erschafft dem Geiste der Vemeinung gegenüber einen Geist der Beistimmung. „Der Anekdotenschatz" schließt endlich das Ganze würdig ab, so daß jeder Leser mit dem Wunsche es aus der Hand legen wird: Auf Wiedersehen im nächsten Jahre! — Ast. Wochenbericht. zum vergangenen Chanukka durch ein sehr sinniges Geschenk für den Verein Überrascht , geeignet un Odernheim. Die ungarischen jüdischen Lehrer beabsichtigen, einen Unterstützungsverein zu gründen, und haben dem Oberrabbiner Herrn Dr. Meisel aus Pesth das Präsidium de- Vereins Übetragen. Wir wünschen dem Unternehmen gesegneten Fortgang und reichen dem neuen Verein die treue collegialische Bruderhand. Die Herren Leopold und Ludwig Dann*), die unserem D reine jederzeit so freundliche Theilnahme bezeugten, haben uns *) Nicht Leo und Ludwig Damm» wie's in der B er einsliste hieß. dankenlwerlbes unsere Arbeit für diesen zu erleichtern — eine Coplerprefle mit Copierbuch u. s. f. Indem wir für diefreundliche Geschenk danken» hoffen Wir, recht viel Erfreuliches zu c »Pieren zu haben. Mit Vergnügen constatiren wir auch, daß die öffentlichen Bibliothekm in Kclrdberg: Realschule, Seminar, Taubstummeu- Anstalt und Prediger-Seminar die 1. und 2. Achawa von Hm. Lehrer Morgmstem erworben; ein achtbare- Zeichen der Hu» manität dieser Anstalten. In unserer nächste« Nummer eröffnen wir die Rubrik: „Wir kommen* (zur jüdischen Lehrerversammlung am Mittelrhein) mit vielen achtungSwerthen Ramm; die Sache ist gesichert. H Au- Nassau. Ueber unsere Kammerverhandluugm ist nicht- Erfreulichezu berichten; durch das Gesuch der Israel. CultuS emeinde zu Hachenburg um einm Zuschuß aus Staatsmitteln zur Besoldung ihres ReligionslehrrrS sind wir hinläuglich über unsere Lage belehrt worden. Die liberalen Kammerurit« glieder nahmen wohl hiervon Notiz, schritten aber zur Tagesordnung über. Die „Mittelrheinische Zeitung* berichtete hier-1 über ausführlich und ich kann Ihnen dm Wortlaut diese- Berichtfolgen laffm: „Zum Grsuche der ifr. CultuS - Gemeinde zu Hachenburg/ um u. s. w. hatte zwar der Ausschuß (Berichterstatter Arzbächer) "Uebergcmz zur Tagesordnung, beantragt, die auch beschloss wurde, allein daran knüpite sich eine Erörterung, in Wels Abgeordneter Mcrgler für die Berwilligung eines Zuschusses f auSsprach, die Abg. K 'app und Braun indessen ganz entschied Sen auftraten. Letzterer erkannte zwar die traurige La n welcher sich nicht nur Die Hachenburger, soudem alle iß. CultuS - G nneindm befinden, allem ein Zuschluß auS Sta ‘ Mitteln sei nicht zulässig.*)! Aba. Braun betonte insbesondere den Umstand, daß ■ CultuS-Gemeinde i<r natürliche- Recht der freien Gemeinde 1 waltung rechtswidrig entzogen fei, und baß die Regierung bestreven möge, den Israeliten die Verwaltung ihrer G-mei« in die Hand zu geben. Die Amtmänner feien unter dm wärtigm Umständen gewffsermaffm zum jüdischen Bischof stempelt, dr diesen die Oberaufsicht über die (SultuKT zugetheilt sei. Wenn die R'grerung den Israeliten i. licheS Recht der freien Gemeindeverwaltung in die Hand dann könnte ste ihnen sagen: Ihr habt Eure Freiheit, "nun sorgt auch, daß >hr auS eigenen Mitteln den nöthizm Gebrauch davon macht. Abg. Knapp bemerkt: In der traurigen Lag«, in der sich die isr. CultuS-Gemeinde zu Hachenburg bezüglich/ der Besoldung ihres LehrerS befindet, sind säst sämmtliche jüdische Gemeinvm unsere- Lande-. Die Cultussteuer, welche in vielm Orten 6—7 Simpel beträgt, ist sehr drückend. Durch da- Gewerbegefetz und die Freizügigkeit hat sich ihre Lage in /dieser Beziehung nicht gebessert, sondern noch verschlimmert, da viele Mitglieder der Gemeinden und besonderdie vermögendere« in größere Städte auSgewandert sind, wodurch die Last der Zurück» gebliebmen gewachsen ist. j Früher stand es dm Judm frei, ihrm Kindern, hm Religionsunterricht auf dem Privatwege ertheilen za laffm. Durch •) Bei all dem bleibt uns der Stund, auf welchen man sich stützt, fremd. <Si entsteht bier die allerdings gewichtige und entf heideiwe Frag«: Erhalten auch christlich« Religionsgemeinden keinen Zuschuß aus Staatsmitteln zu Cultuszwecken? Darüber schweigt dieser und unser früherer Bericht- Wir müssen jedoch constatiren, daß In Süddeutschland nur Nassau ans Staatsmitteln etwas für die Ausbildung der Religionslehrer bewilligt. — Red. *