Mannheim
Compact Memory

Der israelitische Lehrer · 1866-01-18 · 3 (18.1.1866) · p. Seite 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
6 (1866)
Issue
3 (18.1.1866)
Date
1866-01-18
Page
Seite 10 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/4896751-5428724-5431569--1266-4897787
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Erkenntniß baren „fubjeftiren Belieben" der Eltern vorgeschrieben ist, setzt das Kind zu dm Kindern; sie lehrt es Gott erkennm in seinm Werkm, sie lehrt es, die neben ihm sitzmde arme Schwester als ihres Gleichen schätzen und lieben — der Grund und die Wurzel aller gesunden und naturwüchsigm Religiosität; —. sie pflanzt nicht Hochmuth, sondern Demuth in das kindlich» Gemüth, sie lehrt Gott als dm liebmden Vater aller Menschen kennen, der alle seine Geschöpfe aus dem ewigm Borne seines Heiles tränkt. Sie führt das jüdische Kind ein in die Geschichte seines Volkes und zur Erkenntmß der Wege des Herrn, der nach Jahren des Druckes die Freiheit, die'Erlösung und das Licht brachte. Sie befähigt das Kind zur Theilnahme am jüdischen Gottesdienste, in der Ueberzeugung, daß das Gebet, die Erbauung und Erhebung des Gemüthes ein Schutzmittel ist für das Lebm des Einzelnen. Ist die Art und Weise, wie die Volksschule diesen Unterricht ertheilt, etwa geeignet, dm Geist des Mädchens auf Ab- und Irrwege zu bringen, es zur Frömmelei, zum Aberglauben, zu thörigter Werkheiligkeit zu verleiten und so das Kind in Zwiespalt zu bringen mit dem Geiste seiner Zeit und der religiösen Richtung seiner Familie? Rein, im Gegentheil! Der gründliche Elementarunterricht und nur dieser, der kein fertiges Wissen an die Kinder heranbringt, kräfttgt auf dem Wege der Entwicklung dxn kindlichm Geist. Rur der naturgemäße entwickelnde Elementarunterricht schützt das Kind vor Ueberbürdung und Ueber-, ladung, die einem dichten Nebel gleich den Geist desselben verdunkeln. Wo' finden wir mehr Bigotterie, Aberglauben, Religionswechsel und — daß wir's recht bezeichnen — geisteslahme, erkenntnißleere, unfruchtbare Frömmelei: bei halb gebildeten und verbildeten, gemüthSduselnden Damen höherer Stände oder bei der natürwüchsigen, in der Schule des Volkes und des Lebens gtoßgewordnen Tochter des Volkes? So möge denn das jüdische Mädchen, welchen Kreisen es auch in der Folge angehören soll, in den ersten Schuljahrm den religiösen Unterricht in der jüdischen Volks- und Religionsschule genießen, .und dadurch gekräftigten Sinnes werden;'um in alben Lagm des. Lebens jenen freien, verständigen' Blick neben der wohlthuenden Gefühlswärme sich zu wahren, welche die jüdisch-religiöse Erkmntniß gewährt; damit unsere Fraum seien von jenen „verständigm Töchtern Israels mit gefühlvollen Herzen", von welchen ein Schriftsteller unserer Zeit in auszeichnender Weise spricht. Wo aber die Eltern sich schmeu, ihre Tochter als Israelitin zu erziehen, wo sie sie je eher je lieber. in theuere nichtjüdische „Pensionsanstalten" bringen, um einer schnöden Eitelkeit zu genügen, da mögen sie sich selbst zuschreiben, wmn mit dem Geiste der angestammten Religion auch der Geist der Pietät und Sittlichkeit schwindet und auf der leeren, ausgebrannten Stätte die Frivolität eisscheint, oder sie mögm es sich zuschreiben, was nicht minder zu befürchtm ist: daß die Tochter Israels die Befriedigung ihres rellgiösen Bedürfniffes.an einer Quelle sucht und findet, die dmn doch dm Eltern noch unangenehmer sein dürste, als die Theilnahme derselben an der Verehrung Gottes in der Synagoge. . - (Fortsetzung folgt.) Der zweite Jahrgang der Achawa. (Schluß.) „Der Lehrer im Talmud" von Or. Falkmheim stellt mit vieler Belesenheit Aussprüche des Talmuds über Pädagogik und Didaktik zusammen und verwebt sie zu einem Bllde, welches unS zeigt, wie ein Lehrer sein und nicht sein soll. — Daß die Auswahl reichlicher, das Bild vollständiger hätte seiu können, daß wir manche schönen Züge von R. Meir, vom großen Reformator des Schulwesms, Josua b. Gamla, vermissen, soll der Arbeit nicht zur Bemängelung, sondern zur Ermunterung dienen, das zerstreute Material weiter zu sammeln. — „Rooeletten aus Frauenhand" geben einen bedeutungsvollen Fingerzeig, der ebm weil man ihn so oft gewahrm kann, meist unbeachtet bleibt, daß Reichthum und Armuth, Glück und Unglück, so nahe beisammen weilen. — „Geschichte der Juden im Elsaß", von 0r. M. Wiener. Sehr gründlch, aber für das Jahrbuch hätten wir lieber eine Episode aus einer andem Zeit gewünscht; denn 'die Geschichte der Juden im Mittelalter hat überall einen und denselben Charakter, die Juden werden ausgepreßk, verschachert, verjagt, todtgeschlagen. Der Gelehrte kann nun freilich nicht anders, als auch diese widerwärtigen Begebenheiten mit der! Treue eines Historikers zu zeichnen, das Volk aber, dem! dieses Jahrbuch gewidmet ist, mag sie nur aus den Elegieen seiner Dichter kennen lernen, und auch so nicht zu oft. Die Krone am Baume der jüdischen Volksbildung hat sich schon zu lange in der Freiheit gesonnt, als daß sie noch mit Wohlgefallen dieser mit Blut.^ gedüngten Entwickelungsstufe sich zuwenden mag. (Und wie wird die Mische Geschichtswissenschaft dabei ausgehen? Red. b. „I. L.") „Ueber die Fabel bei den Hebräern" von vr. Landsberger,, eine dankenswerthe gelehrte Forschung, die leider bei dem Resultate stehen bleiben muß, daß außer einer, höchstens zwei dieser Dichtungsarten, welche in der Bibel aufbewahrt find, alle Originale aus der jüdischen Literatur verschwunden sind. Alles waß von dieser Gattung noch im hebräischen Gewände übrig ist, beweist nur, daß sie von Jaden mit Vorliebe behandelt und daher auch gern^aus fremdem Gebiete in das eigne übertragen wurde. L>o die Sammlung^ von R. Berachja bar Natranoi Hanakdan. Wir erfahren, aus welcher Quelle dieser Dichter zunächst geschöpft hat, nämlich aus einer französischen Sammlung Le livre d’ysope, der er aber Manches aus ältern jüdischen Quellen und vom Eigenen hinzufügte. Der Verfasser verspricht uns eine vollständige Uebersetzung der „Fuchsfabeln" dieses jüdischen Dichtens und gibt uns hier die Einleitung und 4 Fabeln als Probe, die den Wnnsch Hervorrufen, bald in den Besitz des Ganzen gelangen zu könnnen. Nur möchten wir auch den Wunsch hinzufügen, außer der Uebersetzung auch das Original in erneuter, verbesserter Gestalt vom Uebersetzer besorgt zu sehen; denn die uns bekannten 4 Ausgaben, Mantua 1557 und 59, Prag 1660, uni> Lemberg 1509 sind so selten und besonders letztere so schlecht und fehlerhaft gedruckt, daß dieser Wunsch gerechtfertigt scheint. Die Stählung „Achtet die Kinder der Armen" von vr. M. Wassermann, - Rabbiner in Mühringen wird jeden

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.