Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 6 (1866)
- Issue
- 3 (18.1.1866)
- Date
- 1866-01-18
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Kr AsrsMisrlw I ehrtr. Zeitschrift für die gesammten Jntereffen des israelitischen LshrerstandeS und zugleich Organ für den VereinFür Unterstützung hilfsbedürftiger i Wittwm und -Waisen in Deutschland raelitischer Lehrer, Lehrer- J\S 3. Mainz, den 18. Januar 1866. (ßsodsler <Is.1irxaQA.) Wöchentlich 1 Rümmer. Vierteljährlicher Abonnementspreis 27 kr. — >/4 Thlr. Bei frankircer Zi sl Anzeigen zu 1 Egr. die Petitzeile. Bestellungen nehmen alle Postämter und cndung unter Kreuzband jährlich 2 fl. 12 kr. Buchhandlungm an. Gedanken über Erziehung und Unterricht der Mädchen. (Fortsetzung.) Wir werden später noch auf die richtige Stellung der Volksschule zur höheren Töchterschule, die einmal ein für Viele unabweisbares Zeitbedürfniß ist, zurückkonimen. Hier haben wir es nur mit dem Religionsunterricht zu thun. Daß dem jüdischen Religionsunternchte aber in jenen höheren Töchterschulen entweder gar kein Raum zugemesien ist, oder daß im besten Falle die wenigen Stunden, die ein Hilfslehrer in der Anstalt öder ein Stundenlehrer im Hause erlheilt, nur ein armseliger Nothbehelf sein können, wer kann das nur leugnen wollen? Das Judcnthum ist nun einmal eine Religion, die mit einigen eingepaukten Katechismus- Phrasen und Liederversen nicht abgethan ist; das Judenthum will begriffen und erkannt sein und seine Bekenner sollen es üben in ihrem Leben. Wir wiffen wohl und stimmen von ganzem Herzen damit überein, daß das Höchste in der Religion, die religiöse Gesinnung, das demüthige Herz, die Liebe zu Gott und zu den Menschen nicht so eigentlich von der Maffe des Religionsunterrichts abhängt; daß nicht immer Diejenigen die Besten und Religiösesten sind, die am meisten Religionsunterricht erhalten haben; wir wiffen, daß esn Mensch ein wahrhaft religiöses Leben führen und ein Weib ein Muster edler Weiblichkeit sein kaün, ohne je irgend welchen Unterricht in der Liturgie und im Hebräischen empfangen, ja, ohne je ein Gotteshaus besucht zu haben. Wir gestehen das Alles recht gerne zu, was. in diesem Betreffe von vielen Pädagogen und anderen der freireligiösen RichtMg unserer Zeit angehörigen Männern vorgebracht wird. Aber wir'behaupten: all dies ist nur richtig bei Ausnahmen, wir möchten sagen, bei religiösen Genies, deren es zu allen Zeiten nur wenige gab. Ob sie jetzt wirklich häufig Vorkommen? Wir bezweifelt eS. Wir, die meisten Menschen bedürfen der religiösen „Anschauung", der äußeren, religiösen Anregung. Das Judenthum ist gerade dadurch lebensvoll nnd eine Religion für die Menschheit, daß es die religiösen Mittel als solche auffaßt; und in ihnen die religiösen Ideen verkörpert. Das Weib aber, das das.Leben deS Hauses gestaltet, es sollte leer ausgehen bei tm; herrlichen Gaben für Geist und Gemüth, die das religiö e Leben bietet? Für das Weib, sollte das Gotteshaus nich ein Ort der Erhebung und die Geschichte des Judenthr ms, sein gesammtes geistiges Leben kein Bildungsmittel s in? Darum fordern vir, auch für das Mädchen, als ersten und hauptsächlichen G kgenstand des Unterrichts die Religionslehre in allen ihren geschichte, Bibelkunde, weibliche Gemüth durch die Religion seine Weihe erhalte, erhoben, veredelt und Leben wieder in den Hierzu, — zur Unterrichts — ist nur Zweigen — biblische und Religions- Hebräisch (Gebetübersetzen), damit daS gekräftigt werde; damit das religiöse jüdischen Häusern Einlaß finde, und von den Müttern aus die Kinder sich vererbe. Ertheiluüg eines tüchtigen Religions- .....m.y,.* ...... die jüdische Volksschule geeignet. Abgesehen davon, daß, wie wir schon gesehen haben, der Religionsunterricht in den von Christen geleiteten Töchterschulen eben nur als Nebensache betrieben wird — und leider besuchen unsere jüdischen Töchter selbst da, wo ähnliche jüdische bestehen, doch lieber die christlichen — sind diese Anstalten durch ihre ganze Organisation gehalten, das vor Allem zu berücksichtigen, was in die Augen fällt, — was eben beim Religion lsunterrichte nicht der Fall ist. Dann ist das Klaffensystem in diesen Anstalten nur mangelhaft,! was für den Religion! unterricht, der mehr noch als andere! stete Rücksicht auf lü kenloses Fortschreiten nehmen muß,! sehr schädlich wirft. Dann aber ist oft der ganze Geist, der in diesen Schulen weht, dem jüdischen Leben obhold, ja in manchen Echtsten fe üblich. Mit seiner Exlusimtät, mit seiner specifischen Christlichkeit muß dieser Geist das Gemüth der heranreifenden Mädchen verwirren. Sind die Fälle, in welchen diese Abirrung oes Gemüthes zum Abfall führte, so selten? Die Volksschule, der die Richtschnur ihres Wirkens von den Gesetzen und von der alleinigen Rücksicht auf das allgemeine Wohl, und nicht von dem oft aller vernünftigen •) Wir begreifen hierunter auch die gutgelcitete öffentliche Gemeinde« Religionsschule.