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Der israelitische Lehrer · 1866-01-11 · 2 (11.1.1866) · p. Seite 6

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
6 (1866)
Issue
2 (11.1.1866)
Date
1866-01-11
Page
Seite 6 (sequence 2)
Language
German
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6 Mädr jen in dem Thun und Treiben des Vaters und der Mutier eine stete, lebmdige^anschauliche Mahnung an Gatt. DaS ist geschwunden; Niemand führts zurück. Ist darum das Bedürfniß,.daS Leben des Hauses, die gute Sitte und den ^Frieden" auf Religion zu gründen , auch geschwunden? Und wie gestaltet sich jetzt die religiöse Erziehung der Mädchen? ~ Wir wollen nicht von den ersten Kinderjahren sprechen, wo das .Mädchen wieder Knabe stch selbst oder einer indolenten Wärterin überlasten sind und kaunl mehr den Namen GotleS vernehmen. Wir gehen in die Schule, in die Volksschule. — Da tritt uns sogleich ein trauriger Umstand entgegen. Die Töchter der sogenannten „höheren Stände^ finden Sie hier nicht. In diesen Schulen, deren Grundlagen die naturgemäßen sind, die von pädagogisch gebildeten Männern geleitet werden und die darum das Wort „aller Unterricht in der Volksschule sei religiös" als Princip gelten lasten, fehlen die Töchter höherer Stände von Anfang an. Wie, soll auch die Tochter des. Vornehmen neben dem armen Mädchen, auf einer Bank mit demselben, manchmal sogar unter demselben sitze«? von demselben Lehrer ernst gezüchtigt. an Ordnung, Bescheidenheit, Freundlichkeit und Gefälligkeit gema. nt werden? Wie? soll die Tochter des Reichen wegen ihrer Dummheit und Faulheit gescholten werden, während die Tochter der Wäscherin und Schneiderin ihres Fleißes willen zur selben Zeit von demselben Lehrer und Meister gelobt wird? Nein, das geht nicht; unsere Tochter muß in eine andere, eine „höhere" Anstalt. . Was find das für Anstalten? Wie werden sie geleitet? Auf welchen Grundsätzen find sie auferbaut? Genügen diese Anstalten den Anforderungen, dre man an chnen als Pädagoge zu machen berechtigt ist? Wird hier „naturgemäß" unterrichtet? Ist dem» Unterrichte allüberall das rechte r e l i g i ö s e Bildungselement zu Grunde gelegt? Sind die Lehrer frei und selbstständig -genug, um so zu wirken, wie ihre pävagogriche Ueberzcugung verlangt, ihr Gewisten es chnen gebieten sollte? - . (Fortsetzung folgt.) Licht sei die Loosüng in Haus nnd Lchule. (2. B. -M. 10, 23. 3fi. 2,-5. 42,- 6.) ^Liu. Lhanukkah - Hruß. (Schluß.) . Dem Lichte re r.cn Glaubens und Ertemiens, r.chtcn W stens und Wollene muß sich akr 2.- der Glanz des ihm entsprechenden Thuns und Lebens mnig veischwistern. So hoch immer die Weiten Israels tiefes Wisten und Durchdringen der Gotteslehre stellten und es sogar den höchsten sittlichen Pflichten nicht nur-dersondern auch uberordneten, io geschah dies doch, stets nur in der Erwartung und Vor aUmsetzung, daß die Gelehrsamkeit ferne 'tobte bleibe, wildern einerseits bei Jung und Alt weiter verbreitet, andrerseits und ganz besonders in Thaten lebendig ausgeprägt werde, und sind Jedermann chre Sprüche und Gleichnisse ui Betreff des Ueberwiegens der Weisheit überSündcnicheu und Tugendliebe und gegentheilS (Spr. d. V. 3, 11. 12. 22) wohlbekannt. Mag eS deshalb auch hingeheu, wenn Väter und Mütter, selbst zu wenig unterrichtet, ihren Kinder» nur dürftige Brosamen religiöser Einsicht und Aufklärung mitzutheilen vermögen, im Betracht religiös-sittlicher Gesinnung und Handluugsweise könnte solche Nachsicht nimmer Statt haben. Das Vorbild der Eltern ist den Kindern Richtschnur und Gesetz, nicht nur für die Jugendzeit, sondern großentheils noch für das reifere Aller; je nachdem sich daher in Jener Worten und Thaten gottesfürchtiger und gottergebener, gerechter und meuscheufreundlicher, oder gott-, treu- und liebloser Sinn ausspricht, wird auch mindestens die Grundsttmmung im Gemüth Dieser und das Grundprincip ihrer Belhätigung nach Augen trefflich oder tadelnswerth sein.*) Das elterliche Haus sei darum ein Tempel, m dem der siedenarmige Leuchter der Wahrheit, Gerechtigkeit und Menschenliebeder Gottesfurcht und des Gottoertrauens, der Tugend und Slttenreinbeit so hell strahle, wie die Lampen, genährt vom reinsten Olivenöl, die aus dem Leuchter im Nationalheüigthum brannten; aller unlautere Beisatz, durch Eitelkeit, Sinnenlust, Selbstsucht und. andere Seelenmakel erzeugt, sei daraus gebannt, damit ein gottgesegnetes Geschlecht in den Sprößlingen des gotterwählten Stammes emporwachse. — Was aber auch hier im Beispiel und in Gewöhnung der Kinder verabsäumt wird, der heilige Eifer des Lehrers wird wiederum dar Mangelhafte zu ergänzen bemüht sein müssen; in seinem Wesen leuchte der heranzubildenden-Jugend beständig die Feuersäule tief innerlicher Religiosität, reinster Tugendhaftigkeit und edelsten Aufwärtsstrebens hell voran, und was er im Namen Gottes und zum Helle der Menschheit lehrt, — in seinem Lebenswandel sehe es die junge, von ihm geleitete Schaar verkörpert vor Augen, und werde so von edlem Wetteifer beseelt, dies ihr gegebene Muster der Ueberemstimmung von Lehre und Leben, Wort und Thal in allen Lebens-Phasen und -Lagen nachzubilden, zu erreichen und womöglich zu übertreffen. Sicherheit in trefflichen, auf Gotteswort und wahrer Lebensweisheit beruhenden Grundsätzen, und unerschütterliche Characterjesiigkeit in deren thatsächlicher Ausführung, das sei darob das andere Endziel der Lebensaufgabe, welche der Jugendlehrer in Israel sich stelle, und gewiß: das innere Bewußtsein seiner vollen Würdigkeit wird ihm für alle äußeren Mängel, die sein edler Stand in Fülle mit sich zu führen pflegt, die reichste Schadloshaltung bieten. Möchte doch d.e Zahl derer, die m beiden Rücksichten ihrem hohen Berufe Genüge thun, immer höher anwacpsin, und dadurch auch die vorzügliche Achtung und Anerkennung von Außen, die ihm gebührt, immer unzweideutiger und allgemeiner ihm gezollt weiden! Der Anlauf dazu ist rüstig gemacht, denn die mannigfachsten Fäden, mit welchen die Lehrerwelt auch in Israel jept an einander geknöpft ist: Vereine, Versammlungen und Preffe, bieten einen mächtigen Sporn zum Aufschwung *) Diese», in einer Anzahl alsbek nntcr Sprüchwörter f^ung gewohnt rc., der Äpsel rc.l volksthümiich auszenückie» Erfahrungssatz will h. in de» Mainworten (G. B. M. 20, 5. G): Ich ahnde bit Lunden der Väter u. f. w. erzeuge aber Hutes u. f. >v./ nachdrücklich einschärfcn, den Eltern damit zurufxn: euer grner und böser Wandel vererbt sich (zumeist) auf eure Kinde) nnd Enkel, und so das Sündenmaaß voll geworden, büßen sie eine und ihre Schuld zumal. . A.

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