Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 6 (1866)
- Issue
- 2 (11.1.1866)
- Date
- 1866-01-11
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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VV/ * c-.Her Krselitiscne IHWr SL' Zeitschrift - " für die gesammten Interessen des israelitischen LehrerstandeS ' : und zugleich , i Organ für den Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer Lehrer, Lehrer- Wittwen und -Waisen in Deutschland. JSi 2 Mainz, den 11. Januar 1806.- (Sechster Jahrgang.) Wöchentlich 1 Nummer. Vierteljährlicher Abonnementspreis 27 lr. ---- 1/4 Thlr. Bei frankireer Zusendung unter Kreuzband jährlich 2 fl. 12 kr. Anzeigen zu 1 Egr. die Pxtitzeüe. Bestellungen nehmen alle Postämter und Buchhandlungen an. Gedanken Über Erziehung und Unterricht der Mädchen. (Fortsetzung.) Wir haben das kurze Wort über die Bedeutung, die die richtige Erkenntniß des werblichen Wesens fiir Erziehung und Unterricht derselben hat, bloS in der Absicht unseren Gedanken über diese vorangestellt, um daran die Behauptung zu knüpfen, daß, wie die Bestimmung des Weibes nur die ist, Gattin, Hausfrau und Mutter zu werden, auch die Erziehung hauptsächlich, ja einzig die Heranii'dung für diesen Beruf im Auge haben darf. Wir leugnen hierb-i den bedeutsamen Unterschied nicht, der zwischen der Erziehung der Töchter der verschiedenen Stände obwaltet und edenio wenig den Unterschied zwischen der Erziehung auf dem Lande und in den Städten. Ist dieser Unterschied naturgemäß? Das möchten wir wohl' bezweifeln. Insbesondere bei den Israeliten sollte der Grundsatz der Gleichheit in der Erzieziehung durchgängig maßgebend sein, weil weder dieser Ständennterschied durchgehends auf scsten und unverichiebbaren Berhältnisien beruht, noch her Unterschied zwischen Stadt und Land eine io weite Kluft i bilden kann, wo die Erwerbsvcrhältnisse doch rm Grunde fast die gleichen sind. Wir sehen daher von diesen'. Standesunterschied überhaupt ab. Uns schwebt-ein Urbild der Erziehung vor, ein Ideal des weiblichen Weienss, dos wohl allzu real >st, um den „Idealen" vieler unserer Frauen zu genügen. Uns schwebt als Ideal das Bild eines Wildes vor, das den Dann unterstützt, dadurch, daß sie ein Bersiendniß hat für seine Bestrebungen und dieselben würdigt, das als rechtes Weib mit Geist und Gemüth seinem Wollen und 'Thun für das Haus, für den. Beruf, für die Welt folgt — aber nie selbstlhätig in dieses Thhn eingreift, das außerhalb seines naturgcmäßkn Berusskreises liegt; eine Hausfrau, die die Pflichten kennt, die ihr für Körper und Geist der Ge noflen des Hauses zugewiesen sind und diese Pflichten, so schwer nnd prosaisch sie auch sein mögen, mit Elser und Hingebung übt; eine Mutter — o, eben eine heilige Mutter, j die den Säugling nährt, wie ihre heiligst/ Mutterpflicht gej bietet, das lallende Kind selbst bewack/ und nicht Mieth- : Händen übergibt, mit dem Kinde, besten Geist in erster Ent-; Wicklung degriffey ist, spricht, lacht und weint; eine Mutter, : die im Herzen des Kindes ewig lebt. Dazu müffen unsere! Mädchen erzogen und herangebildet werden. Es ist ein! heiliger, schwieriger Beruf, aber, gestehen wir uns, daß daS I Heil der Welt daraus beruht, daß er erfüllt werde; gestehen wir uns, daß eins durch das Andere bedingt ist. nnd daß eben ein Weib nur ein richtiges Weib, ein 7”n nsx, rin Biederweib, ein «Ideal" sein kann, wenn es diesen dreifachen Beruf erfüllt, ebenso eine bingebende Gattin, eine treffliche Hausfrau als eine treue Mutter ist, eins durch das Andere und mit dem Andern. Was gehört hierzu? welches Wiffen, welcher Unterricht? Zu den ersten Bildungsmitteln fiir das Mädchen gehört 0 der Unterricht in der Religion. Religion ist die Quelle des Haussegens. Nur wo ne. die Himmelgeborrne, maltet, gestalten sich die menschlichen Berhältniffe heilvoll. Und darum muß auch die Erziehung des Weibes auf öteligian gegründet sein. Das haben unsere Atten in ihrer Weste aufgejaßt und das Mädchen lernte von seiner Mutier die Hebungen, die als das religiöse Element das häuslich^ Leben regelten und die'Herzen und Gemüther fesselten- Ta war das Mädchen, von dem ersten Blicks, den es mif den Tuch des Hauses, in die Kückc und den Keller warf, vom Morgen bis zum Abend allüberall von Lbservanzen umgeben, die es an Gott mahnen sollten, und, wenn auch dieser Zweck ielten erfüllt weioen niochte, doch den Geist stets wach ekhielten. Das ist geschwunden; geschwunden selbst in den Krisen,- die als die orthodoxen geltelr und bezeichnet fein -"wollen, insbesondere in den ftädijscheii, einer höberen Bildungsstufe angehöreudcn Gesellschaftskreisen. Nickt mehr bewegt sich das Leben des Mädchens ausschließlich um und izo, milchtig und fleiichtig, pcn und „jomlostjg." Nickt mehr gelten die Wochentage gleichsam nur als die Bersorgringstage des Sabdaths, während gerade dieser dem Leben Fesieln anlegte, die einen freien heiteren Genuß un'iöglich machten. Nicht mehr sieht dar