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Der israelitische Lehrer · 1866-01-04 · 1 (4.1.1866) · p. Seite 3

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
6 (1866)
Issue
1 (4.1.1866)
Date
1866-01-04
Page
Seite 3 (sequence 7)
Language
German
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3 W och e n b e r i ch t. nd Liebe > Overnheim. R-chfolgender Brief ist nns zum Abdruck zugekommen. Obwohl es uns zuwider ist und wir eS bisher mit Erfolg vermieden haben, in unserer Zeitschrift unS selbst Weihrauch zu «reuen, 's» müssen wir wohl hier ein« Ausnahme machen, da verselb«, nickt sowohl .>ns, .als dem Principe gilt, das wir vertreten. Die Redaktion. Werthester Freund und College! Wir haben in Erfahrung gedrackt, daß Sie am^jüngst verflossenen 1. December wegen einer Aeußerung in Nr. 14 deS .„I,r. Lehrers (ltz65) gegen Lebrer Ottensoser in Büdingen - 'Dom Großh. Bezirksgericht in Mainz zu rl Tagen Gekänzniß, . 15 fl. Geldbuße und «in die Kosten yerurtheilt wurden. Wir haben weder das Reckt noch die Absicht, über den Urtheissspruch selbst Etwas zu sagen. Wir würden auch unser Bedauern üser den sür Sie ungngenehmcn AuSzang dieser Sache nickt öffentlich ausgesprochenhaben, wenn nicht bei der Verhandlung dieses Preßprocesses Etwas zu Tage getreten wäre, das uns zeigt, wozu die Anklage eigentlich benutzt werden sollte. — Es wurdeunsvon bei-der Verhandlung anwesenden glaubwürdigen Zeugen mitzekheilt. daß Lehrer Ottensoser, (der, beiläufig gesagt, den Prediger, der isr. Retlgionszestllschaft und Redakteur deS .Israelit" Dr. Lehmann älS Zeuge hatte laden kaffen,) als der Präsident des Gerichtes ihn mehrmals ersuchte, ja sogar dringend! ermahnte, die. Anklage fallen zu laffen. ganz naiv erklärte: er. sei hierzu -nur bereit: wenn Sre vor Allem die Redaction I des „Jsr. Lehrer" niederlcgen. Sie wiesen den Antrag.| mit Entrüstung zurück und wollten lieber die über Sie verhängte 1 Strafe tragen, als solchen Handel eingehen. Das ifi's, verehrter Freund, was uns die Feder in die Hand drückt und uns zwingt zu reden, wo wir lieber geschwiegen hätten. Sehen wir ja deutlich, daß dieser Preßproceß nur dazu benutzt w-rden sollte, um -das Organ, das einer gewissen Parthei schon längst ein Dorn im Auge ist, zu ruiniren. Wir können uns darum nicht versagen, Ihnen einerseits unser Bedauern über die Sie getroffene Strafe, aber auch andrerseits unfern tiefgefühltest:n Dank für da? männliche Auftreten und Festhalten an unsrer Sache. daS Sie noch achtungswerther in unfern Augen erscheinen läßt, hierdurch auszudrücken. Wer da weiß, wie wir eS wissen, wie viele Opfer an Zeit, Mühe und Geld Sie sckon dem deutsch»israel. Lehrerstandc gebracht haben, welche Kämpfe Sic seit dem Bestehen Ihre- — unseres — Blattes schon in jeder Weise bestanden, der muß Ihren Schritt, den Sie in dieser Sacke gethan, doppelt hochschätzen. Sie haben sich insbesondere durch die Gründung und Förderung des „Vereins zur Unterstützung hilfsbedürftiger israel. Lebrer, Lehrer-Wittwen und -Waisen" ein hohes Verdienst um den gesummten deutsch-isr. Lehrerftand erworben, das Ihnen im Herzen aller redlich gesinnten Lehrer ein unvergängliches An- ' denken sichert, ein Andenken, welches den Machinationen Ihrer Feinde sicher widerstehen wird. An uns ist es aber auch nun, für Sie einzustehen, wenn. ' eS gilt, Sie zu sckätzen, an uns und an allen Denen, die mit Ihren Bestrebungen einverstanden sind, ist es, öffentlich zu erklären, daß wir fernerhin, wie seither^ treulich zu Ihnen halten und Sie in Ihrer Arbeit uid Ihrem mühevollen Wirken unterstützen wollen. „Einer für Alle und Alle für Einen." Sie werden, ja Sie dürfen darum unser kleines Anerbieten, <- das darin besteht, die Geldstrafe und Kosten dieses ProceffeS zu tragen, nicht zurückweisen. Wir halten dies für unsere Pflicht und bringen gern dieses kleine Opfer, das denjenigen, die Sie schon gebracht haben, nicht im Entferntesten an die Seite gestellt zu werden verdient/ Nehmen.Sie es an als ein Zeichen der Anerkennung Ihres Streben-, das ja stets nur der Schule und fernerhin unbeirrt i. d. W. ihre» Lehrern gilt, «IS ei« Zeichen der Hochachtung Ihrer Amtsgenoffen. Wir verbinden hiermit gleickzeitig die Bitte, auch nicht zu wanken und zu weichen in Ihrem Streben, den graben Weg zu wandeln, ohne jener feindlichen P wthei die von derselben so sehr erwünschte Gelegenheit zu geben/ gegen Sie und Ihre Bestrebungen aufzutreten, und nicht zu ermüden in dem Kamps für die» edle Sache, für die Sie nun einmal eingestanden. « Wir versprechen Ihnen, treulich und männlich zu. Zhnen zu halten und werde« stetsein Ihre ergebenen Amtsgenoffen: K. Marr, - Lehrer in Alsheim. A. Bender, „ „ Osthofen. E. Sonnenberger, „ „ Beckthcim E. Nathan, „ „ Gernsheinz. S. Morgenstern, „ „ Friedbcrg L. Friedberg, „ „ Niederwiesjen. PS. Jude« wir Sie ersuchen , dieses Schreiben nn „Jsr. Lehrer" zu veröffentlichen, geht zugleich an alle Gesinnungsgenoffen, insbesondere an alle Freunde des „Jzr. Lebrer" daS Ersuchen, sich unsrer Erklärung anzujckließen, um zu zeigen, daß es noch einen ifr. Lehrerftand in Deutschlanv gibt, der zusammenhält, wenn eS gilt, ein kleines Opfer zu bringen, wenn es hauptsächlich gilt, darzuthun, daß wir wiffen, was wir «ollen, was wir sollen. Es «ollen also alle Diejenigen, die mit vvrstel-ender Erklärung einverstanden sind, dies gefl. dem unterzeickneie» X. Marx oder Einem der übrigen Unterzeichneten mitt heilen. Die Obengenannten. Folgendes ist meine Antwort hierauf: Verehrte Freunde und Amtsgenossen! Wer möckte nicht so gestraft sein, um so belohnt zu werden! Dank Euch. Freunde und Gcnosien, Ihr habt meinem Herzen wohlgethan. Erlaubt mir jedoch, noch einiges Erläuternde hinzuzusügen. Was rch gethan hatle, geschah im guten Glauben, daS Recht und die Wahrheit zu vertreten. Ich konnte nicht wiffen, daß jene Waisen, um die es sich handelte, unehelich waren und da durch der Wohlthat der Waisenanstalt nicht theilhaftig werden konnten. Ich ging von dem jüdischen Grundsätze aus, daß in Npllt Mildthätigkeit mit Grechtigkeit gepaart sein muß, und daß es ungerecht ist, heute für jniei Waisen ein Vermögen zu sammeln, während Morgen dieselbe wohlthätige Quelle sür .die arme Wittw: eines Handwerkers oder Lehrers mit vielen unversorgten Kindern verstopft ist. Meine andern guten Gründe muß ich verschweigen. Ich konnte nickt glauben, ja ich hätte es für unmöglich gehalten daß man sich bestrebte, mich vor Gericht zu bringen, um das einzige Organ der jüdischen Schule zu vernichten. Es ist selbstverständlich, daß ich das Geldopfer, das Siemir bringen wollen, nicht anzunehmen vermag.*) Ich nzuß das Andenken an diese Strafe als eine mahnende Erinnerung betrachten, die Interessen deS Standes ferner nur mit/der nöthize» Ruhe und Leidenschaftslosigkeit zu wahren. . Nur einnoch, theure Freunde! Bis zum 20. des kommenden Jjarmond.S bin ich 25 Jahre Lehrer. Ich könnte in Bezug auf den Lehrerberuf ein Jubiläen, eine silberne Hochzeit feiern, denn die Mühen und SorgeiB^dir auS meinem Berufe mir erwuchsen, sangen an, meinHckar silbern durchscheinen zu'laffen. Tretet heran, Ihr AmtSgenossen Alle, mit welchen ich im Lause dieser langen Periode zusammengckommen bin und zeuget wider mich: mit wem habe ich noch in persönlichen Dingen •1 Wenn auch neuere Briefe, die als obiges schon gesetzt waren, cintrafen, die Snnabm« meinerseits fordern, alS ein Zeugnißi dafür, daß di« Lehrer verstehen, in geschloffener Reibe zu kämpfen. Ich stimme damit nicht überein.

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