Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 5 (1865)
- Issue
- 51 (21.12.1865)
- Date
- 1865-12-21
- Page
- Seite 212 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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212 Leviratsehe, Pop ,.iü’3r * *) und alle übrigen auf Palästina bezüglichen Gesetze aufgehoben werden? Zur Zeit des ersten Tempels betete jeder Jsraelite, .was ihm beliebte; zur Zeit des zweiten Tempels ordnete man gcwiffe Gebete an, aber nur eine kleine Zahl-; und selbst diese Gebete erscheinen gleichsam als Opposition gegen Tempel und Op f e rcultus. Der kurze-Gottesdienst in jener Zeit bestand nach der Erklärung Samuels im Trattat Berochoth aus nachbenannten Theilen: nsi ,3’sn pdk , mtry ,ycv n«’ip ,.~D' ronx r DV?tCr D’E'l 0H101 Mit Recht können wir diese Stücke als die ältesten Gebete betrachten, die wahrscheinlich von Esra, als dem Wiederhersteller des Tempels und des ganzen Gottesdienstes das. herrühren. Unsere Weisen hielten strenge darauf, wenig zu beten, aber mit Andacht :.12!PJ 502 »1U3 „Ul 3 XP3 iP’Bn Ein Gebet ohne Andacht ist wie ein Körper ohne Seele! Die Synagogen,, die sich in diesen Zeiten mben und vielleicht auch tm Widerspruch mit dem Tempel und seinem Dienste und Dienern zu gestalten begannen, kanien dem tief religiösen Bedürfaiffe des Menschen mit einigen Gebeten nach. Es war und konnte da nicht die Rede sein von p-ij? oipc3 npsn,3) nicht von min n^sn4) nicht von nznn5) nv'vp Das Bedürsniß erweckte das Gemüth und aus diesem Bedürsniß gestaltere sich der Ausdruck: Sollte das nicht eine Lehre sein auch für unsere Zeit? Rach und nach fixirtm sich die obigen Gebete, sie wurden Gesetz und Pflicht; sie stimmten mit dem Bedürfnisse überein und wären der Ausdruck der heiligsten religiösen Gefühle und Ueberzeugungen. In ihnen spiegelt sich das einsachfromve Gemüth und der kräftige Geist der damaligen Zeit. Rach und nach reihten sich diesen Hauptdestandtheilen manche andere Bestandtheile unser r6'Bn an. V „Erst in den späteren Jahrhunderten kamen die Piutimdichter auf; der und jener tüchtige Rabbi, der nnd jener gelehrte Chasan schrieb ein neues Gebet und unsere gebeidurstigen Väter nahmen es bereitwillig an:" unser Gebetbuch wuchs zu Folianten an. Es war vielleicht zu jenen Zeitm hier und da ein Bedürsniß für die Vermehrung der Gebete hervorgetreten; mehr Stoff zur Klage — mehr Muse sich mit deu' Phantasien eines' Andern zu beschäftigen; — dennoch wurde auch schon in jenen Zeiten Protest dagegen erholen! Die Geschichte unsere- Cultus gibt uns die Beweise hiefür. Der Unterschied dep portugiesischen Schule von der Uusrigeu, das Auslehnen derselben gegen die Vermehrung der Gebete; — alles dieses beweist, daß schon in der Vorzett das zuweilen geschah, was heute geschehen soll: — Ungeeignetes vom Gottesdienste zu entfernen — Geeignetean dessen Stelle tteten zu lassen. Auch die verschiedenen o’iuo i» verschiedenen Gemeinden könnten vielleicht als Beweis für das Ebengesagte angeführt werden. *) Es ist historisch nicht nachweisbar, daß dir Besetz« don Nllllv je durchgreifend ««geführt.worden, und dauernde Geltung in Palästina »dielten. Di« »achneesatschen biblischen Echriften thun mindest»»« nicht« dergleichen dar. — gted. *) Gebete an Stele der (reech bestehenden) Opfer. «) Psttchtgebete. ») «ebetpflicht. Man lese z. B. da- Urtheil degroßen Lehrer- Aden Esra über die ungeeigneten Piuttm (Commentar zu Koheleth, Kap. 4.): „Der Mensch ist verpflichtet an den Pforten seine- Mundes Wache zu halten und in seinem Herzen zu erwägen, er stehe vor einem Herrn, der über äebim und Tod entscheidet. Deßhalb ist es verboten (hon) in das Gebet Piutim aufznnehmm, deren Inhalt man nicht gründlich versteht." Er stützt diesen Ausspruch auf die Stelle im Prediger: : ll'vpv -ps-i iw p by ,psa by nrwi o’d»3 dvip« „Gott ist im Himmel und Du auf der Erde, deßhalb sollen-deine Worte nur wenige sein." Er schließt mtt deu Worten: „Ich kann Dir nicht den tausendsten Theil von den Jrrthümern der Piutimdichter aufführen. Mir scheint, dar Beste ist, man bediene sich ihrer nicht im Gebete, sondern halte sich an das ursprüngliche Ritual, damit unsere Worte wenig seien und wir nicht straffällig werden." Auch der große Maimonides hat schon gegen unsere gegenwärtige Gebetordnung gesprochen, vr. Oppenheim sagt in einer Abhandlung über das Alter der jüdischen Gebete in der Z d. I. 1845: „Alle die Benedeiungen, 18 an der Zahl, worin wir dem Schöpfer für all die Güte und Gnade die.uns auf jedem Schritte im Leben begleitet, danken, wurden ursprünglich einzeln, nach dem gerade paffenden Momente, gesagt: So z. Bbeim Erwachen: rvjtcr -vuyon Gepriesen sei der, der den Schlaf von meinen Augen wegführet; beim Ankleiden, C’onj? »’bVd (der die Natten kleidet) u. s. w. wie es auch im Talmud umständlich angegeben wird. Der Gedanke an Gott sollte stetdem Menschen vorschweben; jede Handlung , jeder Schritt soll durch diesen Aufschwung zur höchsten Idee geheiligt werden, daher auf jeden kleinsten Lebm-moment ein Segen und Lobspruch." Allein nur auf diese Weise konnten und mußten sie mächtig auf das Gemüth wirken; und mit Recht tadett Maimonides den jetzt herrschenden gar nicht zu rechtfertigenden Gebrauch, alle die 18 Segenssprüche ohne Rücksicht auf Zeit und Umstände nach einander zn sagen. Muß es nicht jedem einigermaßen denkenden Kinde auffallend erscheinen, nach dem üpiy in«, dem Preis des Herrn der Welten, das ct pP’üj, den Dank für das Gebot der Händewaschung, sowie dm Dank für ll'bis>n d*3J« c*3pj d’Si.Sn, für unsere körperliche Organisation unmittelbar folgen zu lassen? Die Geschichte4) zeigt unferner: „Als das Volk der hebräischen Sprache nicht mehr kundig war; als das Hebräische anfing durch dm Einfluß der fremdm Herrscher und des größerm Verkehrs mtt Ausländern allmählig auszusterben, traf man die Einrichtung, dm jedesmaligm wöchentlichen Thoraabschnitt durch einm hierzu angestelltm pinriv (Dolmetscher) in der chalbäischen, der damaligen Landessprache, vers- oder parascheweise dem Volke auswendig zu übersetzen, welche chaldäische Uebersetzung Targum genannt wird Als späterhin (wahrscheinlich in Anfang der dritten Jahrhundert-) schriftliche Targumim abgefaßt wurdm, gina damündliche und schriftliche Vorträgen derselbm um so eher ein, als die Kmntniß auch ") Smanuel Hecht.