Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 5 (1865)
- Issue
- 49 (7.12.1865)
- Date
- 1865-12-07
- Page
- Seite 205 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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205 Warum fehlt also unseren, Gottesdienste Anstand, Ordnung, Andacht und Würde? Warum läßt er so viele seiner Theilnehmer kalt und unbefriedigt? Aus doppelten Ursachen: n) weil die zu große Masse von Gebeten in einer fremden Sprache gebetet und daher nicht verstanden werden; b) weil sie zum Theil, wenn auch verstanden, nicht gefühlt werden können, oder beffer, weil sie unsere Wünsche und Gefühle nicht ausdrücken. Der Unterricht in der hebräischen Sprache gehört wohl mit Recht zu den ersten Erfordernissen einer guten Religions- Schule; das Uebersetzen der wichtigsten Gebetstücke wird wohl in keinem Lehrpläne einer solchen Schule fehlen. Ja, der Unterricht in der hebräischen Sprache wird gerade von denjenigen Lehrern, die einem zeitgemäßen Fortschritte huldigen, am eingehendsten gepflegt. — Welcher College, und wäre er einer der tüchtigsten, wollte behaupten, es mit seinen Schülern (in der Schule), durch den Unterricht in beiden Fächern (Uebersetzen und Granimatik) dahin zu bringen: daß nur V3 unserer Festgebete dem Kinde verständlich gemacht werden könnten? Kann er es ja kaum mit allen unseren täglichen und gewöhnlichen Sabbathgebeten dahin bringen! Was aber nicht verstanden wird, das kann auch nicht gefühlt werden, das wird zum Lippenwerk, zur Bürde, zum Zwang. — Das soll aber unser Gebet nich^ sein, denn unsere Weisen sagten ja schon: E'j-.nni Drarn srtx ,yap gnb'sri tpyn hx bpsns nnxrai :nipon ■ - Wenn. Du betest, betrachte das Gebet nicht als ein auferlegtes! Geschäft, sondern als ein Flehen um Gnade und Barmherzigkeit vor Gott. Unser Gebet soll entweder der Ausdruck des Dankes und des Lobes für empfangene Wohlthaten oder die Bitte um Segen und Beistand für unsere ferneren Bedürfnisie und Unternehmungen sein Fraget nun an einem s. g. gu ten nar die Beter, ob sie bei dem Hersagen eines 3 -4 und noch mehr Seiten umfasienden Piut etwas derartiges empsinden? Ja, Dank etwa dafür I daß der -Piut zu Ende ist, daß er nicht noch größer warf oder, daß unser jüdisches Alphabet nur 22 Buchstaben hat, sonst würde er gewiß größer geworden sein. Ein anderer Theil der Beter suspensirt sich selbst davon, verläßt entweder auf kurze Zeit das Gotteshaus, bis dieses ihm langweilige Summen, zu Ende, oder unterhält sich mit seinem Nachbar über einen weniger langweiligen Gegenstand.! Was ich hier sage, wird mir Jeder, der nicht blind ist für die herrschenden Mißbräuche, bestätigen müffen. Dadurch aber bleiben die Eigenschaften, welche dem Gebete als Grundlage dienen müssen — Ehrfurcht und Vertrauen — dem Beter fremd, und Andachtlosigkeit, Unordnung und ihr Gefolge treten an deren Stelle. Soll diesem Uebel abgeholfen werden, soll der Gottesdienst in der.Synagoge der Ausdruck unserer Liebe, Dankbarkeit, unserer Hingebung und unseres Vertrauens zu Gott 'sein — soll er mit Anstand und Würde sich dem Gottesdienste jeder länderen Confession anreihen dürfen — dann muß die Masse der unverstandenen Gebete vermindert, das i Berständniß der verminderten mit einem Worte: „Unser Gittesdienst muß geläutert, muß reformrrt werden. Dazu gehört aber auch, daß: b) Diejenigen Gebete, werden sollen, der wirkliche Ausdruck unserer Gefühle — (Dankbarkeit, Hingebung und Bitte) enthalten; daß sie mit Andacht'ausgesprochen mit Wärme empfunden werden können, Gebete muß erleichtert welche fernerhin beibehalten daß sie mit einem Worte w a l Rahe ist der Herr denen, die (Fortsetzung folgt.) r seien; denn: pap anp , ihn in Wahrheit anrufen. Wochen!» ericht. Friedberz, im Ju'i. (Auch ein Gotteskasten). Als der König Joas roit Java zur : iegierung gekommen war und durch die Uitterweijung seines Lebr.rs und Erziehers, des Priesters Jojada, einsehen gelernt hatte , in welch "zerrüttetem Zustande sich durch die Schuld seiner Vorgänger der irdische Gottesstaat bekand, da machte er es sich zur Aufgabe, diese Uebelstände zu beseitigen und Juda wieder zu Dem zu m rchen, was es war und sein sollte. Sein Hauptaugenmerk richtete er ans den Schwerpunkt des jüdischen Staates, aus das Band, welches das ganze Volk in Eintracht und Liebe zusammen hielt, und von dessen Festigkeit oder Lockerheit das Wohl oder Wehe des StaatskörprrS abhängig war, auf den Ort, von dem aus die Lehre ging., in welchem das Wort des Herrn gelehrt wa d, — sein Hauptaugenmerk richtet er auf den Tempel. Auch er war nicht verschont geblieben von dem allzemeiincn Verfall, in welche» das Rech gerathen war; auck er war in scin?m Inneren und Aeußeren vo>i dem Jahn der Stiles mit sich fortreißenden, nichts ver choncnden Zeit benagt worden. Die Abschassung der inneren Mißstände des Tempels, das Opiern und Rauchern des Volkes auf den Höhen, wollte dem König nicht gelingen; hatte sich dock auch dieser Schaden zu sehr ein gefressen. a s daß er mit einem Male wieder hätte aus ge! aerzt werden können. Desto eifr ger da gegen strebte er nach ver Wiederherstellung des Tempels in s einem Aeußeren. Es waren > ämlich an ihm im Laufe der Zeii viele Ausbesserungen nöthig geworden, obndaß denselben vis jetzt auch nur die geringste ' lufmerksamkeit geschenkt worden wäre, und diese Ausbesser mgen mußten vorgenommeu wer)en, wenn das heilige Gebäude nicht nach und nach-verfallen und endlich ganz verschwinden solle. Jöas b.auitragte daher die Priester, als die Bedienst iten im Tempel, für die Res auration desselben zu sorgen und die m ibn fließenden Gelder zu diesem Zw cke zu verw nden.. Eine large Zeit verstreicht, — und dein gegebenen Beiehlv wird keine Folge geleistet. Da stellt Joas die Ungehorsamen wegen dieser '.Nichtachtung deS königlichen'Gebotes strengszu Relc und verbietet ibneu, ferner Gelier für den Tempel in Emp'alg zu nehmen, sie müßten sie dem. gleich nach Empfang zur A> sbesierung des Tempels verweil >eu. Aber der Priester'Jojad i nahm eine Lade, machte ein Loch in deren Deckel und stellte sie neben den Altar, zur rechten Sei e des Eingangs in den T mpel. Diejenigen -Priester, well ge die Thürwache hatten, muf ten nun alles in den Tempel gebrachte Geld in diese Lade werfen. Und als sie voll war, kam n der Secretär des Königs rnd der Oberpriester, leerten sie cuS, und übergaben das vorg:fundene Geld den Geschäitsvern aller», welche alsdann mit d mielben die Materialien zur Aus aesserung des Tqnpels, sowie die daran arbeitenden Handwerl er bezahlten. _ In welch nahe Verbindung kajnn diese einfache Begebenheit