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Der israelitische Lehrer · 1865-11-30 · 48 (30.11.1865) · p. Seite 200

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
5 (1865)
Issue
48 (30.11.1865)
Date
1865-11-30
Page
Seite 200 (sequence 2)
Language
German
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200 buifmü steigern und den inneren Werth der Waare heben; es wird dadurch dasselbe Ziel viel eher und durchgreifender erreicht werden. Ja, den inner» Werth, daran liegl's l Wo soll der jüdische Lehrer der Jetzizeit zu ein^x entsprechenden Bildung gelangend Sagen Sie nicht, .daß es so sehr viele tüchtige jüdische Zehrer unter uns gäbe, die auch nicht in den entsprechenden Anstalten -gebildet wurden, sondern ihr Lehrerwissen bald da, bald dort holten; es sind das therlweise " Männer reiferen Alters aus eiltet Periode, die ich dre wissenichaftliche Slarmperiove des deutschen Judenthums nennen mochte, Männer, welche ein massenweise aufgenommenes Wiffen aus den Jefchidoth erst. in sich zur Klärung und Reife brachten; die von dem lebendigen Hauche der V neuen Zeit ergriffen, eine Energie, eine Thattraft, hingebende Begeisterung äußerten, die zu glänzenden Erfolgen führte»; Resultate, die wir in unserer Zeit nicht mehr erwarten tonnen, nicht mehr hoffen dürfen. Wo aber sollen Jünglinge die sich heute dem Lehrerstande widmen wollen, sich ihre berufliche Ausbildung verschaffend . Gestehen wir uns doch zu, daß keine der bestehenden Lehrer- , . bilouugsanstalten, auch bei dem besten Willen, genügend ausgestatret ist, um eine vollständige und allseitig durchgreifende Lehrerbildung zu buten.- Ach, es gibt der Bedürfnisse im heutigen Israel so viele, oie em fördersames Zusammenwirken bedingen; aber doch wird es uns rür dke Dauer nicht erlaffen werden können, auch ein Zummmentreten der Gemeinden zum Zwecke der Schaffung einer allseitig genügenden Lehrerbildungsanstalt herbeizuführen.. Große Ereignisse müssen da vorausgebm. In der Gegenwart,ist die Parteispaltung j und der Jnvlfferenrismus zu hemmend, um etwas durchgrei- -! iendes, allseitig genügendes zu schaffen! j Was ist da mittlerweile die Folge? Man begnügt sich eben mit „Mittelgut.-' ^roer, auch wenn er kaum einen richtigen deutsche»-Satz zu schreiben vermag, jeder; z-J, auch wenn er vom Judrnlhum keine Kenntniß hat, (wenn er nur ein klein wenig ist), wenn er nur! eben sich Lehrer nennt, wird angestellt. Das sind eben Lehrer, weil es ihnen an Kraft gebricht, etwas anderes zu : werden; ohne alle Bildung, ohne Kenntniß der Menichenieele, ohne Begeist-.rung und Würdigung des heiligen Berufes, r».m sie angehören, banqurolte Glieder anderer i Stände; und es ist .wahrlich nicht das schlimmste, daß dieses! faule Gesindel, diese kranken Glieder am gesundheitsbedürf-; tigen Lehrerstamme, dem nalurgemäß eine energische Entwicklung Roth Ihut, nur mit der Absicht eintrcten in den Lehrersland, um je eher je lieber sich wieder zu salvircn,! ihre Wisseusbrocken Mrs einem anderen, bester lohnenden * -Markte anzubringen. Wo soll da die Liebe zur Kindheit, "^zur Gemeinde, zum Amte, und zu den Amtsgenosten. Herkommen? Wir lasten Ausnahmen gelten.; wir geben gerne zu, daß es Möglichkeiten gibt; die einem Manne zur Pflicht machen, aus dem leider zur Zeit noch so schlecht gelohnten Lehrerstande auszutreten; aber — bas können und dürfen eben nur Ausnahme« sein, durch zwingende Verhältnisse bedingt. Bon vornherein-darf in den Lehrerstand nur cintreten, wer Kraft und Mnth hat zur Ausdauer in Roth, in Kämpfen, und unter Entbehrungen;, wer Liebe zum Berufe, zur Kindheit, zur Menschheit hat; wer im Beruf seinen Lebenszweck sieht/ und mit seinen Berufsgenossen stehen und fallen will. Diese Liebe zum Berufe kann aber nur gedeihen auf dem Boden gediegener Lehrerbildung und insbesondere pädagogischer psychologischer, und tüchtiger religionswisscnschaftlicher Erkenntniß. Bei den bei-, den ersten ist eine allgemein-menschliche, elementare und reale Durchbildung Voraussetzung; und daß ohne hinlängliche Kenntniß des Judenthums, ohne Quellenstudien — ohne Kenntniß der Bibel und der Religionsgeschichte — ein jüdischer Lehrer nie und nimmer bestehen kann, wer möchte das bezw ifeln? Die rechte Liebe zum Berufe kann sich nur auferbauen aus den ewigen Grundvesten der Religion, sie kann nur gepflegt werden im Herzen und Dauer und. Bestand gewinnen durch Religion und mit derselben. Ich mache einen großen Unterschied zwischen den echten naturwüchsigen Bachurim der alten Zeit, die nichts warm und auch nichts fein wollten als eben „Kinderlerner", um ihre Lebenszeit todtzuschlagen und während destelbm Schnapps und Tabak zu habm, — es waren eben verkommme Menschen, die kein Lebensziel hattm und den Bachurim der Gegenwart. JetzH wo man mit Recht große Anforderungm an uns macht, da sind diese gedrilltm, eingebildeten innerlich hohlen Gestalten ein Unheil für das Ganze, für den Lehrerstand, wie für die Gemeinden. Sagen Sie nicht: wir haben ja Lehrerbildungsanstaltm in Hülle und Fülle, und es hängt nur von diesen jungm Leuten ab, die betreffenden Anstalten zu frequentiren. Wohl gibt es Seminarieff; aber, so viel wir wissen, fehlt es in den christlichen zumeist an der Möglichkeit, etwas für das erforderliche jüdische Wissen zu thun, abgesehen davon, daß die Zeit hierzu z^i kurz ist, und insbesondere der ganze Geist in Idiesen Anstalten zur Zeit nicht der Art ist, wie wir ihn für die Ausbildung unserer, jüdischen Lehrer wünschen müssen; die jüdischen Anstalten aber leiden an Einseitigkeit, es wird zumeist mehr Zeit auf rabbini'ches u. a. Wissen als auf tüchtige. praktische und theoretische Durchbildung zum speciellen Berufe verwendet, und die Mittel sind bei dem besten Willen nicht hinreißend, Genügmdes zu leisten. Nirgends aber schadet Halbheit und Einseitigkeit mehr als bei der Astsbildung von Lehrern, gerade weil diese Halbheit in der Ausbildung die Einbildung fördert und die Fortbildung hemmt. Sind solche Männer geeignet, an der Hebung des Lehrerstandes ihr Thcil mitzuwirken? Sind sie bereit und ge- - eignet, mitzutragen und milzukämpfm? Drücken sie nicht vielmehr wie ein Alp auf den gelammten Stand und hemmen die Bessergestaltung? Der Lehrerstand als solcher hat das größte Interesse daran, daß es eine hinreichende Zahl verständiger, durchgebildeter, berufstreuer und berufseifriger Lehrer gebe, isp'i; rnx m;x c?3, damit durch das Zusammenwirken der geeigneten Kräfte ein gesunder, natürwüchsiger, strebsamer Lehrerstamm sich entwickle, dessen Früchte das Wachsen des Heils in Israel und in der Menschheit sind. Dahin zu wirken, daß es solche Lehrer in Israel gebe, daß anmaßende und scheinheilige Hohlköpse nicht die gesunde

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