Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 5 (1865)
- Issue
- 48 (30.11.1865)
- Date
- 1865-11-30
- Page
- Seite 201 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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201 Entwicklung hemmen und Unheil stiften als Lehrer durch verkehrten Unterricht und verfehlte Erziehungdaß Jünglingen , welche sich diesem schwierigen und bislang noch so schlecht gelohnten Stande — widmen, volle und ausreichende Unterstützung werde; daß die Anstalten vorhanden seien, die den Erwerb tüchtiger beruflicher Bildung ermöglichen, muß das Bestreben aller Derjenigen gerichtet sein, die Heil bewirken wollen in Israel. Sie sind Einer der Gesegneten, die dies wollen. Sie werden darum mein Wort heute wie früher freundlich aufnehmen.' In dieser Ueberzeugung bin ich jetzt wie-immer Ihr ergebenster 1. Wochenbericht. Aus Arad in Ungarn wird gemeldet, daß bei der Wahl eines Abgeordneten große Ruhestörungen ftattzcsuuden haben. Ein Wadlcanditat batte die Veranlassung dazu dadurch gegeben, daß er das Vermögen der Israeliten in einer Wahlrede gleichsam als vogeirrei e-klärte.' — Ebenso sind in Lemberg in Galizien Unruhen und Unordnungen bei der Wabl des Mm Abgeordneten erwählen Goluchowski vorgekommeii. Die Wabl wurd«r nur takurck kurchgesevt, daß an jüdisckcn Wählen! keine Wahlzelle! abgegeben wurden, weil sie gegen Goluchowski gestimmt barten, der als Stalthalter den Juden das Grundbesitzrecht abgebrochen batte. N e c e n s i o n. Motto: Erfahrung ist die beste Lcbemeisterin. Deutsches Lesebuch für isr. Schulen, herausgegeben von ur. L. Adler, Kurs. Hess. Landrabbiner. In 3 Abtheilungen. Kassel. I. C. Krieger'sche Buchhandlung (Th. Kay) 1804.*) Wenn irgendwo das rabbinisclid- Sprichwort: fdPdpv nanx mr.- r"'rp" nx:r: rrrrn (Sanbed. K») volle Anwendung nutet, so ist dies beut zu Tage am meisten auf dem Gebiete der Kritik der ,zall Gar vst ist dieselbe nur ein Ausfluß der gemeinsten Leidenschaften, wirb sielediglick vom Parteistandxunkte ausgeübt, um wobl weniger das Werk, als vielmebr die Person des Verrafstrs in den Staub.zu treten**), wie es wieder nicht selten vcrkommt, daß Andere, von Liebe und Freundickart geblendet, wenn nickt gar ans Lervilismus und Gewivnsuckt, die vrrrchltesten unk elendesten Mackwerke als vortrefflich ausposaunen. Das Gelangen zur Erkenntniß dieser Wabrbeit wird sckon Vielen, mit dem Sckreiber dieses, ein gutes Stück *) .Obwebl wir eine Recension res Gezeichneten Buches bereits brackuen, so wollen wir lock auf den Wniisä, mebrerer befreundeten 6/lleaen aus Lurhessen nicht ansteben, auch Nachstehendes zu vercsielkklichen. — Red. **> Leiber nur zu wahr! Unlängst brachte ein jütisches Blatt den Abbruch eines Artikels aus einem nichrjübischen Blatte. In diesem Artikel waren unsere „Ackawa* und 2 Mäii'er genannt, die der Richtung jenes Blattes nicht angebären. Wie vorsorglich waren da die terrejsenben Stellen auszemerzt! Unsere Fibel, in der Fränkischen Monatsschrift kürzlich sehr wohlwollend beurtheilt, konnte In diesen Zeitschriften keine Beurtheilüng finden, und sie enthält doch sicher nichts Anstößiges. — Rer. Lehrgeld gekostet haben, und die Wahl eines neu anzusckaffende» Buches, zumal eines Schulbuches, erschweren, weßhalb es mir gewiß viele Eolleaen und Schulfreunde Dank wissen werden, wenn ich sie auf das rubricirte, .— bereits in Nr. 31 d. Bl. belobend beurtheilte, seit 9 Monaten mit dem besten Erfolg in meiner Sckule und in denen vieler benachbarten College» eingeführte Lesebuch aufmerksam mache. Der Verfasser geht von dem richtigen Grundsatz aus, daß bei der großen Anzahl von Lehrobjecten, die der jüdische Lehrer, meistens Elementar- und Religionslebrer zugleich, zu unterrichten bat, das Lesebuch, ohne ein Lehrbuch zu sein, den Gesammtun» terricht unterstützen, ein belebrendes, anregendes, veredelnde- und interessantes, die Gesammtbildung der Jugend förderndes Werk sein müsse; und dieses Ziel hat derselbe trefflich erreicht. Schlagen wir, um dicß nachzuweisen, das in 3 Abtheilungen einzetbeilte Buch selbst auf. In der 1. Adtheilung: „Religion und Gesittung* bietet uns Herr Dr. Adler in 89 Lesestücken aus 16" Seiten, mit einigen gediegenen Ueberselrunqcn aus der ,T?cn beginnend, Erzählungen, Sprüche, Geschichten, Parabeln- Gedickte und Betrachtungen k. ic., die dem Kinde die erbabensten. allgemein sittlichen, humanistischen und spccifisck jüdischen Pflichten und Lehren eindringlich vorfübren und dasselbe nebenbei mit vielen bervorragenden Personen aus der jüdijckcn Geschichte bekannt machen. Eine jedenfalls jedem Lcbrer willkommene Gabe ist Nr. 32, die 15 Seiten aussüllende Bib lkunde, und betrachten wir gerade — gegen die Ansicht des Recensentcn in Nr. 31 d. Bl. — die größeren Lesestücke, als: Der Segen der Armuth; die Parabel von den Fischen, oder der Martnrcrtod des sronnnen R. Akiba; der jüdische Eincinatus, Rabbi Ehänania und seine Frau ic. rc. als einen Vorzug des Buches, indem die Scküler durch Verfolgung des Gedankengangcs — wozu dieselben vom Lebrer anzu» ballen sind — befähigt werden, auck größere A 'bandluugen und Vorträge :c. zu verstehen; zumal das Buch Stoff genug zur Auswahl vom Leichtern zum Schweren bietet, und diese dem Lehrer überlassen ist. In der 2. Abtbeilung: Geograpdie und Geschichte, von Seite 193 bis 312, wechseln in 93 Lesestücken verschiedene Schilderungen, Gedickte, Mittheilungen über Erfindungen mit dem Wisseuswertbetteii aus der Erd- und Himmelskuude und viele Biograpbien •erühmter Personen ans der Welt- und jüdischen Geschickte ab. Hier ist wieder, wie in der 1. Abtbeilung, die jüdiscke Literatur treiflick ausgcdeutet. Aus der Letzteren beben wir nackstehende Lesestücke besonders hervor: Rachels Grab. Rabbi Iochanan ben Saccai, wie ein isr. Soldat lebt und stirbt, Vertreibung der Juden aus Spanien, die palästinäiscken Schulen, Hilsback,. die gerettete Fäbnc Israels, Israels Stellung in der Gegenwart. Moses Mendclsobn, Naphtali Hartwig Wcsselv. Moses ben Maimon, Moses ben Nachman, Abarbanel und Salomen ben Isaak. Die 3. Abthcilung: „lliatur- und Geiperbekunde" bilden von Seite 31s pis 4>ln in mannigfacher Abwecklelung 130 Lesestücke, die die Jugend in resstlndcr Weist, mit dem Wissenwcrthesten aus allen Zweigen der Naturnnd Gewerbekunde bekannt macken. Auck diesen Dbcil'wußte Herr Dr. Adler dem Rcligionsunterrickt treiflick dienstbar zu macken, indem er demselben specistsch jüdiscke Stücke als: lieber den jütischen Kalender, der Feststrauß am Hüttcnfeste, der Baum der Mcuota ic. rc. cinvcrleibte und in Anmerkungen zu den Leiestücken über die Naturerscheinungen, die Getraidcarten, Erd- und Baumrrüchte, Gewürze rc. die betreffenden nma und über den Flacks und über die versckiedenen Thierarten die einschlägigen, religiösen Vorschriften in Kürze binzufügte. >