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Der israelitische Lehrer · 1865-11-23 · 47 (23.11.1865) · p. Seite 196

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
5 (1865)
Issue
47 (23.11.1865)
Date
1865-11-23
Page
Seite 196 (sequence 2)
Language
German
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196 und vereinsamt, hier, in der Gemeinschaft unserer Collegen fühlen wir uns gehoben im Lehrerbewußtsein." Es liegt eine Fülle von Wahrheit in diesen Worten, wenn ne auch in anderer Form ausgesprochen werden konnte. Es ist ein eigenes Schicksal der jüvischen Lehrer insbesondere, daß man sie nie so eigentlich als Glieder der Gemeinde zu betrachten geneigt ist, sondern immer als Außenstehende, Fremde. Selbst bei der höchstmöglichen Ächtung und Anerkennung sind die Glieder der Gemeinde geneigt,, die Lehrer gleichsam als Gegner zu betrachten. Die Vereinsamung ist ebenso die Quelle als die natürliche Folge dieses sonderbaren, aber gewiß von allen Lehren zugestandenen.Vorkommens. In den Conserenzen, wo der Lehrerstanü als solcher zur Geltung kommt, ist das Mittel geboten, die äußere Besserstellung durch einheitliches Wirken anzustreben. Nicht gering schlagen wir auch den gemüthlichen Einfluß der Lehreroersammlungen an. Jetzt, wo wir in voller Lehrerarbeit begriffen find, wo wir nur selten uns des erheiternden Anblicks und Wortes collegialischer Freunde zu erfteuen haben, erwachen umsomehr die. Gedanken und Erinnerungen in uns von den Freuden, die mir dort gesunden, wo wir im Kreise Derjenigen waren, mit denen wir durch gleichen Beruf und gleiche Ziele uns geeinigt fühlen. Wir wollten hier die Bedeutung dieser Versammlungen, die sie für den wahren Lehrer zum Herzens- und Geistesbedürfniß rnacht, nicht erschöpfend besprechen *) Ein Auftrag der rheinhessischen Lehrerversammlung vom 14. Juni d. I. hat uns veranlaßt, Allbekanntes hier zu wiederholen, weil es im Zusammenhangs steht mit-dem, was wir hier andeuten wollen. Wir verkennen nicht, daß die Genoffen eines Bezirks, einer Provinz beiondere Veranlassungen haben können, sich inniger zu einigen, fester aneinanderzuschließen. Dennoch werden uns unsere Collegen und Freunde zugestehen müssen, daß den provinziellen Versammlungen für die Dauer ein von außen, von fremd herkommendes, belebendes und erfrischendes Element zuweilen Roth thun dürste. Die zur Verhandlung kommenden Gegenstände werden oft in solchen Versammlungen nicht allseitig beleuchtet, Wiederholungen treten naturgemäß auf, während eine Nachbarversammluna, die andere Kräfte hat, verneint, was die eine bejaht. Dabei haben'wir oft in mehreren Versammlungen, die zu gleicher Zeit stattfinden, Freunde, in beiden werden wichtige, uns in Anspruch nehmende Fragen besprochen und doch können wir nur an einem Qrke sein. . Es sind dieselben geistigen Fragen, die uns alle beschäftigen; es sint> dieselben Ziele, die wir alle verfolgen; warum sollen die Gränzpflöcke die Lehrer des einigen und einzigen Israel trennen? Diese und andere Erwägungen waren es, welche einig? Herren in der Versammlung zu Mainz zu dem mit Begeisterung aufgenommenen Anträge veranlaßten: »Es solle das Büreau dieser Versammlung eine Zusammenwerfung der jüdischen Lehrerconferenzen in der Art anbahnen, daß alljährlich eine große Versammlung in einer der größeren Städte des Kreises,, den man etwa den „mfttelrheinischen* nennt, stattfinde." *) Wir würden indeß einer Liese erscherftneen Beirawinnz gerne die Sv>rllen unseres Blattes öffnen. Namen thun nichts zur Lache. Nenne man unsere so projektirte Lehreroersammlung: mittelrheinische, südwestdeutsche oder wie man will; die Sache ist <s. die wir wollen, sie anzubahnen ist der Zweck dieses Aufsatzes. Wir haben immer gefunden, daß bei solchen Angelegenheiten dar Wort: »wer viel fragt, geht viel irr" eine hohe Wahrheit enthält. Wollten wir erst abwarten, im Geheimen conferrren, anfragen, so wüßten wir nicht, ob wir zum Ziele kämen. Wir wollen daher, jetzt wie immer, sagen: Das wollen wir; das ist unser Bestreben, unsere Aufgabe. lieber das Wie, nicht über das Ob wollen wir verhandeln; denn daß die Sache gut und schön ist, weL könnte das leugnen? Einen Vorwurf, den man uns vielleicht machen könnte, müssen wir auch hier von uns gleich voll vornherein abweiien; es ist der des Separatismus, der Exclusioität — als Juden. Wir können das mit denselben Worten, mit welchen wir alle ähnliche Vorwürfe abzuweisen berechtigt sind. So lange die jüdischen Lehrer eben nur „jüdische" Volkslehrer werden können, haben sie eine besondere Aufgabe, neben der gemeinsamen als Volkslehrer auch noch die als jüdische Lehrer. Daß sie zur Erfüllung dieser Aufgabe anders geleitete Conserenzen und Versammlungen halten müssen, als die unter Leitung christlicher Geistlichen, kann nicht angezweifelt werden. Will man dann unsere Versammlung als solche jüdischer „Religionslehrer" stempeln, so lassen wir auch dies uns gefallen. Wir glauben, alle unsere Collegen legen sich auch diesen Namen gerne bei. Die Zeit, wo derselbe einer niedrigeren Klasse von Lehrern angehörte, liegt weil hinter uns. Wir find alle auch Lehrer der Religion. Der Unterricht iy der Religion, die Erziehung zur Religion ist Hauptaufgabe und Blüthe des Schulunterrichts. Schlechter gestellt mögen vielleicht die sogenannten Religions- Lehrer sein, geistig uns gleich sollen und müssen sie sein; nnd so sind wir's auch ihnen. Und nun zum eigentlichen Zwecke unserer heutigen Besprechung. Wer soll Mitglied unserer pssojektirten israel. Lehrerversammlung werden? Antwort: Mer will, wen das Herz dazu treibt; Rabbiner, Vorstände, Schulfreunde, Lehrer ohne Unterschied des Landes, aus der oben bezeichneten Gegend. Der Ort der Versammlung wird selbstverständlich durch die Versammlung selbst bestimmt. Doch wollen wir die Städte im Umkreis von Frankfurt als die geeigneten nennen. Dorthin können Lehrer aus Nassau, beiden Hessen, Bayern, Pfalz, Baden und so fort. Als Zeit finden wir die gewöhnlich beliebte um Pfingsten nicht ganz geeignet, well d»s oft vor und am mjrar selbst ist, und weil die allgemeine deutsche Lehrerversammlung da stattfindet, deren Besuch durch keine andere Versammlung behindert werden sollte. Wir finden dagegen die Woche nach '.ru rar besser, weil da gewöhnlich die meisten Lehrer, wenn auch nur einige Tage, Ferien haben. Eine solche Versammlung müßte aber zwei Tage (Montag und Dienstag) andauern und durch eine Vorversammlung am Abend vor der ersten Hauptversammlung eingeleitet werden.

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