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Der israelitische Lehrer · 1865-11-16 · 46 (16.11.1865) · p. Seite 192

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
5 (1865)
Issue
46 (16.11.1865)
Date
1865-11-16
Page
Seite 192 (sequence 2)
Language
German
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8) Realien. Bei der fortschreitenden Bildung überhaupt und ganz besonders bei dem Umschwünge, welchen Handel und Gewerbe genommen, kann es keine Frage mehr sein, daß die Volksschule auch die Realien in ihren UnterrichtSkreis aufnehmen und ihnen die thunlichste Pflege angedeihen lassen müsse. Eb.'n so gewiß ist aber ägch, daß es sich hier nicht um eine eigentliche Berufsbildung oder um w.ssenschaftliche Behandlung.des Gegenstandes handeln kann. Es sollen vielmehr bloß die Elemente der künftigen Berufsbildung gelegt, der Gesichtskreis der Schüler erweitert und sie in den Stand gesetzt werden, über die sie umgebenden Dinge, so wie über die Ereignisse im Leben sich klarere Einsichten und richtigere Urtheile zu verschaffen. Dies setzt voraus, daß der realistische Unterricht sich einerseits den Einschränkungen, welche die Verhältnisse der Volksschule mit sich bringen, unterwerfen, andrerseits aber auch mit dem Organismus derselben derart verbinden müffe, daß dadurch dennoch dem Zwecke möglichst enNp rochen werde. In dem h. Erlasse des König!, württemb Ministeriums für das Kirchen und Schulwesen. — vom 24. Juni 1864 — ist nach diesen beiden Seien hin Rechnung getragen. Die dem realistischen Unterrichte zugewiesene Zeit wird auf mindestens 1 y2 dis 2 Stunden wöchentlich bestimmt und die Fibel und das Lesebuch als die Grundlage für diesen Unterricht bezeichnet. Wenn durch dieletztere Bestimmung zugleich die Anweisung und Möglichkeit gegeben ist, die alte, steife und dürre Art des realistischen Unterrichts zu verlassen und denselben dafür mehr in der Form von Charakterbildern zu ertheilen, so möchte bloß noch zu untersuchen sein, ob und in wie weit mit Rücksicht auf' die angegebene Zeit, — die, wie bereits bemerkt, jedAifaös nur als M.nimum gilt, — so wie auch der sonstigen Verhältnisse der Volksschule — namentlich der einkla'sigen — der Fibel- .und Lesebuchsioff eine Beschränkung oder Erweiterung zu erfahren habe; welche | Bertheiluug des Stoffes sich empfehlen und welche Ziele zu erreichen sein dürften? Da indessen für die Volksschulen Württembergs ein Normalschulplan in Aussicht fleht und auch sonst die besonderen Verhältnisse der Schulen in Betracht kommen, so» erlauben wir mns bloß folgende allgemeine Beiner-! kungen hier anzufügen: s In chehrklassigen Schulen dürste dann auch noch das engere Vaterland in Behandlung kommen; in einklafsigen Schulen aber höchstens eine Betheilignng der 10—11jährigen Schüler bei diesem der Oberklaffe zugewiesenen Unterrichtsstoffe zulässig erscheinen. Diese Vorbereitung vorausgesetzt, wird dann in der Obe>klaffe auch der einklafsigen Schule zuerst das engere Vaterland, nach seiner Oberfläche, Beschaffenheit und Größe, seinen wichtigsten Theilen, seinen klimatischen Verhältnissen, seinen Hauplprodukten, seinen Einwohnern, ihrer Abstammung, ihrer Eigenthümlichkeit, Zahl, Beschäftigung, Religion, ihren wichtigsten Wohnorten rc. rc., sodann Deutschland, nach seiner ehemaligen und jetzigen Beschaffenheit, seiner Lage und Begränzung, seinem Klima, seiner Fruchtbarkeit, seinen Bewohnern, ihrer Religion, Handel, Gewerbe, Kunst und Wissenschaft; Deutschlands Gebirgzüge und Hauptflußgebiete, an welche sich die Emtheilung des Landes, und Beschreibung der einzelnen Länder, ihrer Bodenverhältnisse, ihrer Völker, ihrer Religionen, ihrer Industrie, Verkehr, ihrer wichtigsten Wohnorte und .anderer Plätze mit den interessantesten Geschichten und Sagen anknüpfen. Hierauf folgt Euro p a, mit Beschreibung des Wichtigsten und wirklich Charakteristischen seiner einzelnen Länder und Völker. Bloße Namen und Zahlen sind hier wie bei Behandlung des Vaterlandes nicht dazu geeignet, Verstand, und Urtheil, Gefühl und Wille zu bilden. Ja nicht einmal das Gedächtniß trägt einen wahren Gewinn davon. Statt sich also in dürre unfruchtbare Einzelbeschreibungen zu ergehen, lasse man den geographischen Untericht da wie dort sich in guten, kurzen, lebendigen Bildern, in concreten Schilderungen von Ländern und Völkern sich bewegen. Daß diese Charakter- Bilder von dem Lehrer in seinen freien geographischen Unterricht liufgenommen werden und sich an dem Lesebuchstoff anschließm müssen, bedarf nach dem Bisherigen kaunl noch der Erwähnung. Bei den anderen Welttheilen genügen allgemeine Umrisse, jedoch verdienen Amerika und Palästina, letzteres soviel als möglich in Verbindung mit der biblischen Geschichte, eine eingehendere Behandlung. Den Schluß bildet eine möglichst e anschauliche Behandlung der im Lesebuche vorkommenden! lbschnitte über die mathematischeGeographie. b) Die Geschichte, a) Völker- und Länderkunde. Wie bereits oben schön angedeutet worden, ist in der Unterklasse der Anschauungsunterricht als elementarer Realunterricht zu behandeln. Nachdem nun in diesem der Wohnort und seine nächste Umgebung beschrieben worden, weiden in der Mittelklasse an der Hand der 2. Fibel unter Benützung der. geschehenen Vorbereitung die elenicntckrrschen Realbegriffe beigebracht z. B. Ebenen, Anhöhen, Hügel, Berge, Abdachung, Gipfel, Gebirge, Gebirgsarten; ^hal, Haupt- und Nebenthal; Bodenart; Acker, Wiese, Weinberg, Wald, Getraidearten, Futterkräuter, G ftpflanzen; fließende Gewässer, Quellen, Bäche, Flüsse, Haupt- und Nebenflüsse; stehende Gewässer, See, Teich, Weiher u. s w. ,! soll nach Einigen in Verbindung mit der Geographie, nach Andern ^getrennt behandelt werden. Es ist unstreitig, daß | zwischen! beiden eine innere Verbindung besteht und erhalten 1 werden!muß Ebenso gewiß ist aber auch, daß bei einer > völligen Verbindung ein Fach in dem andern aufgehen müßte. Wir glauben, daß im Wesentlichen jedes Fach für sich zu behandeln sein werde, aber so, daß die Geographie der Geschichte zur Stütze und diese jener wieder zur Illustration diene. Für einklasfige Schulen dürfte eine Auswahl des Lesebuchstoffts mit Beschränkung auf die wichtigsten Abschnitte aus der vaterländischen Geschichte, mit Hinzufügung derjenigen über die betreffende Relcgions- (Kirchen) Geschichte und die wichtigsten Erfindungen und Entdeckungen genügen,

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