Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 5 (1865)
- Issue
- 45 (9.11.1865)
- Date
- 1865-11-09
- Page
- Seite 188 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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1 — 188 — bietet, das religiös - sittliche Gefühl .anzuregen und zu bÄebeu. Was hier seine elementare Begründung gefunden, wird in der 2. Fibel — ergänzt und abgerundet. Der Anschauungsunterricht an der Hand der 2. Fibel erhält darum auch seine Fortsetzung bis ins 10. und 11. Jahr und hängt in der Mittelklasse ebenso sehr mit dem späteren Realunterricht, dessen Grundlage und Stütze er ist, »lS mit der Elementarklasse zusammen. Die Ausführung dieser Verbindung wird um jo eher möglich werden, als die für die Volksschulen Württembergs in Aussicht stehende Erweiterung der 2. Fibel die Anhaltspunkte nach beiden Setten bieten und dem Lehrer Veranlassung geben wird, den Stoff so zu vertheilen und zu beendigen, daß der ähnliche Inhalt aus der 2. Fibel und dem Lesebuche bei der Mittel- und Oberklaffe gleichzeitig, jedoch mit gebührender Rücksicht auf die Verschiedenheit der Verhältnisse behandelt «erden kann, wobei dann nicht bloß ein Zeitgewinn erzielt, sondern auch die Gelegenheit geboten wird, die so wünschenswerthe Abwechslung zwischen Lesen, Sprechen, Schön- und Rechtschreiben und schriftlichem Aufsatze eintreten zu lassen. Dieser Anschauungsunterrichtdürfte m der Unterklasse täglich 3U Stunden in Anspruch nehmen. Er wird bei geeigneten Gelegenheiten durch die biblische Geschichte, welche übrigens auch schon in der Unterklasse als selbstständiges Fach auftreten kann, ergänzt. 4) Der Sprachunterricht, mit Aufsatz, Lesen, Schön- und Rechtschreiben. Kein Lehrfach unserer Volksschulen hat in Absicht aus Zweck und Behandluugsweise nüch eine so große Verschiedmhett erfahren, wie dies beim Sprachunterricht der Fall ift. Wir wollen diese Verschiedenheiten von den ersten Eynlhctikern, wie Adelung, Heyse rc. rc. bis zu den Analytikern Grimm, Becker rc. rc. und von da bis zu den späteren Reformern, wie Otto, Kellner, Rieke rc. rc. hier nicht aufführen dürfen; aber vielleicht bemerken, daß der Zweck des in Rede stehenden Unterrichts in der gleichzeitigen Uebung der Denkkraft und Bildung des Eprachvermögens bestehen und eben darum auch ein guter Sprachunterricht seine Wurzel in zweckmäßigen Denkübungen, seinen Gipfel in dem Aussätze und seine wesentluhsten Anknüpfungspunkte in der Fibel (für die Unter- und Mittel-) und in dem Lesebuche (für die Oberklaffe) suchen und.finden müsse. Berichterstatter hat in manchen Schulen des Auslandes zu der interessanten Wahrnehmung 'Gelegenheit gehabt, daß auch da, wo der Sprachunterricht noch keineswegs den neueren Standpuntt eimummt, die Schüler doch ziemlich gute, zum Theil sogar recht befriedigende Aufsätze lieferten. Die Äsung dieser.anfangs auffallenden Erscheinung fand sich in der weiteren Wahrnehmung, daß die Schüler durch den ganzen Schulunterricht viel geistige Anregung erhalten Md überall zu einer guten Ausdrucksweise angehalten werden. Es darf dieses wohl zum weiteren Beweise dienen, daß es bei einem guten Sprachunterrichte neben Kemttniß der wichtigstm Sprachformen ganz besonders darauf ankommt, in dem Schüler Gedanken hervorzurusen, diese zu erwettern und zu berichtigen And so die Sprache zu bereichern und zu bilden. Dieses Ziel wttd um so sicherer erreicht werde», \t strenger der Lehrer schon vom Anfänge an auf richtige und vollständige Antworten hälts je mehr Veranlassung er zum Nachdenken über den Inhalt de« Gehörte» und Gelesenen gibt und je mehr und zweckmäßigere UebMge» er im Um- und Nachbilden von Sätzen und Sprachganze» er vornimmt. Was die einzelnen Stufen dieses Unterrichts betrifft, so möchte es besonders iu einklasfigen Schulen zweckmäßig erscheinen, die einzelnen Zweige desselben — deutsche Sprache, Aufsatz, Schön- und Rechtschreiden Md Lesen — so mit einander zu verbindm, daß ein Fach durch das andere beleuchtet, unterstützt und ergänzt, keines aber dadurch verwischt oder abgeschwächt werde. Die BertheilMg des Stoffes und die zu erreichenden Ziele möchten sich etwa in Folgendem skizzirm lassen: a) In der Unterklasse bilbet, wie bereits schon oben bemerkt worden, der Anschauungsunterricht in Verbindung mit dem Leseschreib- und Schreibleseunterricht die Grundlage des Sprachunterrichts. Die Kinder werden bei den mit ihnen angestellten Betrachtungen angehalten, sich in vollständigen Sätzen, laut, richtig und deutlich auszudrücken. Dazwischen hinein bringt der Fibelstoff UebMgen im Zerlegen der Wörter in ihre Sylben Md Laute mit der Kenntniß der Stamm-, Vor-, Md Nachsvlben, sodann der Haupt- EigenschaftS- und Zeitwörter, mit Uebungm in der Umwandlung der einen Wortart in die andere. Da in dm isr. Schulen das Lesen des Hebräischen jedmfalls auch noch in diese Zeit fällt, so wird die erste Fibel mit richttgem deullichem Lefm nicht wohl vor Ende des 2. Sommerhalbjahres absolvirt werdm können, zumal gleichzeitig auch ein pünktliches und dmtliches Abschreiber aus der Fibel unv ein freies Nachschveiben leichter Sätze damit zu erzielen ist. d) Die Mittelklasse wird sich zur Aufgabe stellm: Lesen mit Fertigkeit und Berständigkett in der 2. Fibel; schriftlicher und mündlicher Vortrag der gesprochmen Erzählungen und Beschreibungm; Umbilden und Nachbilden einzelner Sätze und kurzer leichtfaßlicher Sprachganzm; nähere Durcharbeitung der 3 Hauptwortarten, richtiger Gebrauch der Dehnungs- Md SchärfungSzeichm, ferner des Schlußpunkts, Frage- und AusrufungSzeichens und saubere» und regelmäßiges Schreibm von mustergiltigen Sätzen, anfangs auf vierfachm und später auf einfachm Linim. Die weitergehmden Ziele der Oberklasse möchten dann noch sein:^ Lesen mit Ausdruck und wo möglich auch mit Beachtung der wichtigstm sprachlichen Gliederung; fortgesetzte« Ausschreibm von Lesebuch- und Bibelabschnitten in geläufiger, regelmäßiger und gefälliger aber durchaus ungekünstelter Schrift; freiere Nachbildung von Sätzm und Sprachganzm, Uebung im Zusammenziehm Md Erweitem von gelesenen und erklärten Lesebuchabschnittm und im Verfertigen von leichten Briefm und anderen Gefchästsrufsätzm des täglichen Lebens und außerdem genauere Unterscheidung der Worte und Hauptsatzartm; richtiger Gebrauch der wichtigstm Bindewörter und der Unterscheidungszeichm und im Allgemeinen orthographisch richtiges Schreibm nach der amtlich aufge-