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Der israelitische Lehrer · 1865-11-02 · 44 (2.11.1865) · p. Seite 184

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
5 (1865)
Issue
44 (2.11.1865)
Date
1865-11-02
Page
Seite 184 (sequence 2)
Language
German
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184 . aber nothwendiger Weise wieder auf einen bestimmten Plan zuruckgreifen, so möchte es sich 'weiter fragen, wer soll, wenn die Lehrbücher beseitigt find, die Feststellung deffelben übernehmen? Etwa jeder einzelne Lehrer? Ferner: in welche Verbindung sollen sich hiebei die einzelnen Religionswahrheiten mit dem Gang in der Bibel setzen, wo bald auf einer Stelle Lehren ganz verschiedenen Inhalts, bald die zusammengehörigen in verschiedenen Kapiteln und Büchern zerstreut sich finden? Und wie würde es sich endlich mit denjenigen Stellen aus den Propheten, 'Psalmen u. s. w. verhallen, welchefür die Lehre von entschiedener Wichtigkeit find, aber vielleicht gar nie übersetzt werden? Das alles dürfte zur Genüge beweisen, daß die hedr. Bibel wenigstens nicht das ausschließliche Centralfach für die genannten Unterrichtsgegenstände bilden dürfe, wohl aber in die Peripherie derselben treten könne und müsse. Da indesien die Bibel — als das Buch aller Bücher — stets die Quelle für alle Religiogsbildung ist und bleiben muß, da ferner ohne genaue Kenntniß derselben die religiöse Ueberzeugung des Schülers eine mehr in der Luit schwebende sein würde, und er selbst der Aufgabe seiner Religio» nie Nachkommen könnte, so bezeichnen wir die Bibel — im Urtexte, so weit dieser übersetzt ist — und wo dies noch nicht geschehen, die Bibel in deutscher Sprache 'als den Mittelpunkt , an welchem sich! Religionsunterricht Bibelkunde, Memoriren*) anzuschließen haben. (St möchte fich hierbei folgendes Verfahren, namentlich mit Rücksicht auf die Vertheilung des Stoffes, empfehlen. Für Schüler vom B. bis y., beziehungsweise auch vom 9. bis 11. und 12. Jahre, ist die biblische Geschichte der Mittelpuntt des Religionsunterrichts. Durch den Inhalt ihrer Erzählungen sollen die ersten religiösen Gefühle geweckt, durch die Einfachheit und Natürlichkeit ibrer Sprache der Eingang, zum Herzen gewonnen und durch ihre Bilder die religiös-moralische Ueberzeugung belebt und gestärkt, der Wille zum Guten hingelenkt und vom Böien abgeschreckt merderk. In der untersten Klaffe dgschränkl sich der Unterricht jedoch auf eine paffende Auswahl von etwa 29 bis 25 Erzählungen ohne Rücksicht auf den chronologischen Zusammenhang. Die Geschichten werden von dem Lehrer zuerst frei, kindllch und mit '.möglichem Anichluffe an die Sprache der Bibel vorerzähll. Nutzanwendungen unterbleiben hier so lange, bis zuerst einmal das Geschichtllche im Bewußtsein der Kinder feststeht. Es bedarf auch nur der hervorstechendsten einfachsten Lehren und diese sollen wie von selbst und gleichsam als Geiammteindrück aus der Erzählung hervorgehen und sodann mit dem zum Memoriren bestimmte« Bibelspruch, welcher hiedurch seine hauptsächlichste Erklärung bereits gefunden, in Verbindung gesetzt «erden. Die Mittelklasse hat die Erweiterung und Be- •) Daß bann der Unterricht tm Hebräischen besonders nebenbei gehen müsse, leuchtet eben so sehr von selbst »in, wie baß dadurch dieses P«rfmn selbst, so wie auch der eigentlich« Religionsunterricht nur gewinuen können. | festigung des Unterrichts der Unterllaffe und die Vorbereij tung auf die Oberklasse zur Aufgabe. Auch die biblische Geschichte muß darum nach diesen zwei Hauptgesichtspunkteu behandelt werden. Bei der erstmaligen Behandlung wird das Gebiet der Unterklasse nochmals durchwandert; aber mit mchr Ausführlichkeit und Zusammenhang. Es werden hier die noch fehlenden Begebenheiten bei den betreffenden Abschnitten eingereiht und > die biblische Geschichte als eine Bereinigung von GeschichtSi gruppen nach ihrem chronologischen Zusammenhang br-! handelt; sodann wird durch das Lesen der biblischen G«! schichtsbücher, welche die Schüler nun in Händen haben, auch der neu hinzukommende Inhalt mehr befestigt,'endlich auch durch die nun beginnende schriftliche Darstellung der Erzählungen die Zeit mit der Unterklasse gehörig ausgeglichen und gleichzeitig durch die besondere Rücksichtnahme aus die hervorragenden Persönlichkeiten der Unterricht in der Oberklasse noch mehr vorbereitet. Im Uebrigen müssen die abzuleitenden Lehren und | Wahrheiten auch hier sich auf die wichtigsten beschränken, so einfach als Mötzlich gegeben und durch Belegstellen auS dem 1. und 2. Theile des isr. Spruchbuches, sowie auch durch einzelne Liederverse, oder kurze leichtfaßliche ganze Lieder befestigt werden. Nachdem die biblische Geschichte bisher als Selbstzweck behandelt wurde, tritt sie in der 2. Abtheilung der Mittek- und in der Oberklaffe als Mittel zur Veranschaulichung und Befestigung des höheren Religionsunterrichts auf. Unter* Zugrundelegung des einqeführten Lehrbuchs der Religion, welchem sich auch der 2. und;t. Theil des Spruchbuchs anschließen und mit genauer Einhallung des Stufenganges, der in beiden derselbe ist, werden die zu dem jeweilig zur Behandlung vorliegenden Paragraphen paffenden Bibelabschnitte ausgewcchlt, und, wenn sie schon übersetzt worden — I in hebräischer, im andern Falle in deutscher Sprache gelesen, > ins rechte Licht gesetzt und sofort an denselben und durch die-! selben die betreffenden Wahrheiten und Lehren*) katechetisch i entwickelt, festgestellt und mit den gleichzeitig dadurch erklärten Belegstellen dem Gedächtnisse eingeprägt. (Forts, folgt.) *) Ale Beispiel mag Folgen beb gelten: lVflicht ber Nächstenliebe. 2. v. W. 2, 11—22). Mcscs lebte am königl. Hofe unb konnte sich b!er eine» sehr schönen Loose« erfreuen Aber mitten im Stanze und Glück« gedachte er and, keiner bedrängten Brüder und ibrt traurige Lage lag ihm am He ien. „Er ging hinaus" (aus dem Glanz« und der Freud«) — juchte das Elend auf und „sah wie ein egvptischer Mann ,«. re." (Lalltest Du nicht sehen re. re.)" Das Elend seiner Brüder kränkte ihn tief. Ader bei der bloßen Theilnah'me ließ er es nicht bewenden, sondern half seinem Bruder. Seine Nächstenliebe tsarcint thätige. Diese Hilfeleistung war für ihn mit vielen Opfern und großen Gefahren verbunden. Gr hatte dabei den Verlust seiner glänzenden Stellung und die Verfolgungen und Strafen Pharao'« and der Egypter zu befürchten. Das Alle« hielt ihn aber nicht ab zu helfen. Seine Nächstenliebe war Uneigennützig. Als er später zwei Hebräer streiten sah, trat er auch hier dem Unrecht entgegen, und verwies dem Ungerechten in krä'ttger und entschiedener Wese sein Unrecht. Darauf sah er in der Wüste di« Tächter Jechros von den Hirten »erfolgt. Auch diesen half er mit allen Kräften. Unser« Nächsten lieb« muß eine allgemeine sein, ohne Rücksicht auf Glaubens»

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