Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 5 (1865)
- Issue
- 42 (19.10.1865)
- Date
- 1865-10-19
- Page
- Seite 177 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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177 J liebe, — liegt die durch Bewußtsein, Gefühl und Religiosität gleichmäßig geheiligte Vaterlandsliebe, die eiueStheilS den zu enge gezogenen Egoismus des Vaterhauses und der Heimath bannt, andrentheilS dem leicht zur Sentimentalität und Verflachung ausartenden Kosmopolitismus zum Gegensatz dient. Es ist dies die im Innersten wohnende, durch Nachdenken und Bewußtsein, geförderte Hochachtung alles besten, waS national und volksthümlich ist, die liebende Verehrung aller das Wesen der Nation ausmachenden, ihr Heil fördernden Institutionen, Sitten und Gebräuche, insbesondere hervorgerufen und getragen durch gemeinsame Sprache, dem Gewände der gesammten geistigen Cultur. Diese Vaterlandsliebe, die als Wurzel und Zweck der Volksthümlichkeit! des Unterrichts erscheint, bildet eines der stärksten und erhabensten Gefühle m der Brust eines dem Höheren zugewandten Menschen; begeistert zu den glorreichsten und aufopferusten Handlungen, von welchen die Geschichte aller Zeiten spricht. Sie heroorzurufen und zu kräftigen ist eines der vorzüglichsten Aufgavcn der Volksschule. Das Vaterland fordert von der Schule die Heranbildung guter Bürger, eine Aufgabe, die sie freilich nur nach einzelnen! Seiten hin zu erfüllen vermag. Die Einheit einer Nation,! die Freiheit eines Volkes hängt weit weniger ab von den Formen der Verfastung als von Einheit der Gesinnung, hervorgerufen und gekräftigt durch eine einheitliche Nationalerziehung — ein Gedanke, besten Beachtung und Reali-; sirnng in Deutschland noch in nebelgrauen Fernen liegt. j Indem wir dus niederschrriben, überkommt uns ein! ernstes, fast «»hmüthiges Gefühl. Eine beinahe sündhafte, aber Angesichts so mancher Thatsachen nothgrdrungene Frage ergibt sich hier; sie h>.ißt: „hat der Jude Vaterlandsliebe — deutsche Vaterlandsliebe — und hat die israel. Schule die Verpflichtung den Geist deutscher Volksthümlichkeit zu pflegen?" Wohl hat die neueste Zeit die Juden als gleich-; berechtigte Söhne des Vaterlandes fast überall' anerkannt;! doch ist auch heute noch diese Anerkennung nicht vollkommen > durchgedrungen, und in der Praxis werden uns so manche! Rechte entzogen, über die'die Theorie längst entschieden hat.! Angesichts besten, daß man uns vor Kurzem noch selbst das I erhebende und beglückende Gefühl der Liebe zum deutschen j Vaterlande streitig machen wollte, trotz der sprechendsten > Beweise vom Gegentheil; Angesichts besten, daß wir. Männer | der Jetztzeit, sprechen könnten: Ihr habt uns nicht erzogen! als Vaterlandskinder, in unserer Jugend galten wir noch nicht als Euch gleichberechtigt; wir riefen noch: gebt uns ein Vaterland, auf daß wir es lieben können. Angesichts alles dessen und noch mehr Anderem, wozu hier der Ort nicht ist, müsten wir cs dennoch aussprechen, aussprechen nut aller Kraft heiligster Ueberzeugung: trotz alledem und alledem liebt der Jude sein Vaterland, in dem er geboren, und daß ihn schützt, dessen Luft er athmet, besten Boden ihn nährt, in dem seine Väter schlummern, in besten Schulen seine Kinder Theil nehmen an der Cultur der Gegenwart, besten Sprache, Sitte und Gesetz, auch die Seinigen; er liebt es, und hängt daran mit allen Fasern seiner Seele; und, wir erkennen es als heilrge Pflicht des isr. Lehrers, den Geist der Volksthümlichkeit in der Schule zu pflegen, und die Heranwachsende Jugend ihr Vaterland lieben zu lernen, auf dm Genius des Vaterlands und der Mmschheit, auf dm Gott Israels vertraumd, daß bald die Zeit kommen wird, wo Deutschland nur noch freigebome Söhne hat. Beweism wir, daß daS Judenthum als solches kosmopolitisch ist seinem erhabenen messianischen Berufe nach, daß es aber auch dem Vaterlande sein Recht wiederfahren läßt, als eines der bedeutsamsten Faktoren im sittlichen Leben des Menschen, daß darum der Jude ein Kind ist des Vaterlandes, eiir treue- Kind; und der deutsche Jude ein Deutscher ist. Der Jude kann dem Judenthume nicht dienen, wmn sein Strebm und Wollen nicht über das Gebiet i»er Religion hinausgeht. Die Erziehung als deutscher Mann für den deutschen Juden ist religiöses Gebot (siehe Jeremias an die Exilirten), und widerstreitet keinen: religiösen oder nationalm Gefühle, wie man hier und dort gerne behauptm möchte. Wir wollen und können uns nicht in die Details des oben Ausgesprochenen einlasten. Haben wir doch angedeutet, was Noth thut: daß in der jüdischen Schule neben dem humanm und religiösen Geiste auch der der deutschm Volksthümlichkeit herrschen muß. Es bleibt die Aufgabe deS Lehrers, die Momente zu erkunden , wodurch dieser Geist gepflegt werde, damit das jüdische Kind, der jüdische Jüngling, sein Vaterland in sein Herz schließt als Deutscher: Soweit dic deutsche Zunge klingt, Und Sott im Himmel Lieber singt. Ans Vaterland, ans theure schließ Dick an, Das halte fest mit Deinem ganzen Herzen. Wochenbericht. Oderuhe im, den 18. Oct. Unsere heutige Nummer enthält einen Auszug aus unserem „ersten Rechenschaftsberichte des Unterstützun .svcreins für Lehrer rc. in Deutschland." Jndesten sind auck die dctailli.ten Berichte in den Händen unserer Mitglieder, und ebenso werden / so hoffen wir, in wenigen Tagen die „Achawas" an den Onen ihr r Bestimmung sein. Abermals haben wir dem Publikum ein Buch geliefert, das, wäbrend es eincstheils berufen ist, unfern Verein zu kräftigen und zu fördern, zugleich den aedie cnsten >üdischen Volkssckristen zugezählt werde» darf. Wir sehen dem Uriheile der Presse und des Publikums über das „Büchlein" mit Rübe ent egen. Ebenso ist das Eraebniß unserer Vereinstbätigkeit sicher allen Erwartungen entsprechend und sebr befriedigend. Angesichts dieser Erfolge und unsrer bedeutungsvollen Aufgabe wird man wohl von uns nickt erwarten können, daß wir uns in unfruchtbare Poleinik einlassen Ein Inserat in der „alla. Zeitung des Jutentbums" scheint andeuten zu wollen, daß abermals eine Libcll gegen uns und unseren Verein geschrieben worden, daS 18 kr.- ö Sgr. kostet. Man wird es begreiflich finden,,daß wir für solche Schriftchen weder Geld noch Zeit haben, werden es wohl also nie zu Gesicht bekommen. Sollte das aber dennoch der Fall sein, sollte es uns zufällig in die Hand kommen, so werden uns unsere Leser entschuldigen, wenn wir eS doch nicht berücksichtigen und ihnen das Pikante, das eine Polemik für Manche bat, nickt bieten. Wir wiederholen: Es ist uns eine schwere, heilige, aber glückbringende Aufgabe geworden, die unsere Zeit und Kraft ganz in Anspruch nimmt. Angesichts des sichtbaren Segens, der auf unserem Werke ruht, wollen wir auch die Wespenstiche geduldig hinnehmen, die wir — da sie zu däufig kommen. — gar nickt mehr fühlen. Unserem Versprechen zur