Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 5 (1865)
- Issue
- 42 (19.10.1865)
- Date
- 1865-10-19
- Page
- Seite 176 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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176 P e » s i « u e ». Ln 2 Wrttwen, vom 1. April bis ,1. Ock je 48 fl. 25 kr. 96 fl. 50 kr. Einem alleinstehenden, dienstunfähigen Greise von 80 Jahren desql. ... . . -. . 48 ff 25 tt Einem desgl mit Frau....... 72 » 37 tf Einem momentan Dienstunfähigen aus dem Reservefonds.. 17 ff 30 ff - 235 fl. 22 kr. Alzey, 1. September 160!',. Das 'Hauptcomiüe: 1>r. Rothschild in Alzey, Vorsitzender. 0r Leop. Stein in Frankfurt a. M-, Hauptredacteur des Vereinsbuches. Louis Neuberge* in Alzey, Rechner. LoutS Lehmaun in Homburg v. d. H. Simon Levi in Landau, s. Marx in Alsheim, Schriftführer. I. Klingenstein in Odemheim, Geschäftsführer. Sausteine jn einer allgemeinen Ilnterrichtsletzre für israelitische Schulen. l. Der Geist in der israelitischen Schule*) lll. Der^Geift in der.isr. Volksschule sei ein volksthümlicher, inDeutfchland ein deutscher. Es *) Wir bähen untti obiger Aufschrift im zweiten Jahrgänge des »Israelitischen Lebrer" (1862 Rr. 10—18J einige Arbeiten gebracht, die sich damals die Anerkennung' unserer Coli gen erwarben. Wir wollten damit wen-ger neue Schulprinclpien aufstcllen, als dartbun, daß die Gruntlagen, auf welchen die isr. Schule aufgeoauk ist, denjenigen der »Schule der Gegenwart" , — wenn wir hierunter natürlich die im Geiste Pestaiozu's und Diesterwegs ausgebaute Schule verstehen — ganz analog sind. Im Laufe dieser Jahre, traten andere Aufgaben in den Vordergrund; wir suchten zumeist dit einzelnen Gebiet« des isr. Schullebens zu bebauen, ehe wir uns mit den.Grundprinripien beickäf tigten und über diese uns ausspracken. Wir werden jetzt, nackd.m so «anibes Detail eingehend besprochen worden, mehr und mehr auch auf das Allgemeine wieder zurückkommrn. Es ist diese Aufstellung von Grundprincixien ein Theil unserer Aufgabe. Wir haben mehrfach naä>- gewiesen, wie man chrifilicherstits — und zwar oft die angeblich oem äußersten Fortschritt huldigenden Männer — das Judenthum als anttauirt betrachtet, und die Jude« als den unbedeutenden Rest jene« längst überflügelte» LuUurvolkes, das keine Aufgabe mehr hat in der Gegenwart. Wie man alle Cul'ur als .christlich" bezeichnet, — und das ihun eben auck Strauß und Rsnan, die doch die Grundvesten des Ebristenthums erschüttern, — so wird auch die Schule der Gegenwart als .christlich" bezeichnet, der Geist in der Schule soll und muß .christlich" sei», und man will nicht anerkennen, daß nickt allein das Judenthum sei» Lbeil hat an dcr Cultnrbewegung der Gegenwart und von den reinsten sittlichen Ideen getragen, auf der Höhe der Zeit stebt, man leugnet sogar auch, daß di« jüdische Schule als solche gleich streben kann allen Schulen der Gegenwart; dieselben geistigen Grundlagen anerkennt, auf denselben Princivien den Unterricht auferbaut. Wir haben also das unsrerseits zu erweisen.. In unseren früheren Aussätzen haben wir — in der Einleitung — der jüdische» Schule ihr praktisches Recht kann hier unsere Absicht nicht sein, eingehend zu besprechen, was unter der Forderung — der Unterricht in der Volksschule sei volkSthümlich — zu verstehen sei, und die Art und Weise z« bestimmen, wie in der Volksschule das Nationalgefühl, die Vaterlandsliebe genährt und gekrästigt werden sollen. Besagt doch wohl schon der Name „Volksschule", daß hier erzogen und unterrichtet werden soll im Geiste und nach der Natur des Volkes und der das Nationalwesen bezeichnenden Tugenben und geschichtlich gewordener Eigenthümlichkeilen daß hier erzogen werden sollen die Kinder des Volkes zur Erfüllung ihrer Aufgabe als solche, mit Rücksicht auf das Wohl der Gesammtheit, und auf daß sie werden lebmdige Glieder einer großen Gemeinschaft. Es läßt sich wohl kaum der der Volksthümlichkeit der schule zu Grunde liegende Begriff in die beengende Feffel einer Worterklärung bringen; und liegt es uns hier nur ob, nachzuweisen, wie auch die isr. Schule den Geist der Volksthümlichkeit als einen Faktor ihres Bestehens und ihrer Wirksamkeit mit zu beachten habe. Der Mensch in seinem ganzen Wollen und. Thun, feinen Empfindungen und Anschauungen ist ein Kind der ihn umgebeuden Natur, des Bodens, aus dem er geworden, der Heimath. Heimatherde — heilige Erde! Welch erhebende heüigende Gefühle knüpfen sich an dies Haus, an den Ort, die ganze Umgebung, woselbst Du geworden, wo Du die ersten, seligsten, heitersten und reinsten Tage deine- Lebens zugebracht. Magst Du. die Gegend unter der glühenden, sengenden Sonne des Aequators, oder das kalte Nordlaud deine Heimath nennen, überall, wo Du in späteren Jahren hinkommen wirst, zieht eine warme unwiderstehliche Sehnsucht Dich nach jenem fernen Orte, wo Du zuerst das^ Licht der Sonne geschaut, hin und zurück. Es ist ein Naturgesetz — und Natur ist Macht. Diese Liebe zur Heimath, die mit der Liebe zur Mutter, zum Vater, zu dem nächsten Familienkreise beginnt, zieht von da ab simmer weitere Kreise. Aber das ist das ewige Gottesstegel! der Liebe, daß sie mit dieser Erweiterung nichts von ihrer ursprünglichen Kraft verliert, vielmehr durch die Erweiterung, wenn sie in naturgemäßem Wege fortschreitet, sich ergänzt und kräftiget, während die durch starre Gränzen abgeschloffene Liebe dem Egoismus nahe verwandt ist. Die Religion, als oberstes Princip des menschlichen Lebens, heiligt diese einfachen und naturgemäßen Gefühle und erhebt sie zur Sittlichkeit, zur liebenden Umfassung aller Menschen, zur Humanität: auf daß die ganze Menschheit werds ein heiliger Bruderbund; denn Raum genug ist im Herzen des Menschen für eine die ganze Menschheit umfaffende Liebe. Zwischen jenen ersten Regungen des Herzens, deren Objekt der kleinste Kreis — das Elternhaus, dann der Vaterort und die Heimath, und dieser weitesten sittlichen Forderung — der Humanität, der allgemeinen Menschengewahrt gegenüber der theorettsck wohlbezrünbeten Forderung der allgemeinen Mcnschenschule, die es beute teil er noch weniger als damals gibt. Wir batten dann gesagt: I. Der Geist in der isr. Schul« sei vor allem ei» religiös,»; und II. Der Geist in ter isr. Sckulf sei ein humaner. Wir fabren heute nun, nach dreijähriger Zwischenzeit, in Aufstellung dieser Grundprincipien fort, welchen wir praktische allgemein« Unteiri«btslebre« werden folgen lasten, sowett der Raum das erlaubt.