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Der israelitische Lehrer · 1865-10-12 · 41 (12.10.1865) · p. Seite 172

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
5 (1865)
Issue
41 (12.10.1865)
Date
1865-10-12
Page
Seite 172 (sequence 2)
Language
German
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172 von der höchsten Behörde. Sein Ruf als vorzüglicher Lehrer verbreitete sich im ganzen Lande. Wie er in der Schule ein eifriger und pflichtgetreuer Lehrer war, so war er in Allem ein Mann der Wahrheit, ein treuer Mensch. In religiöser Beziehung huldigte er dem gemäßigten Fortschritt und hatte in seiner Gemeind?, die mehr zur Orthodoxie hinneigt, hierin keine leichte Aufgabe; dennoch gab er durch seinen Wandel kein Aergerniß. Lehre und Leben standen bei ihm im vollsten Einklang. Im Jahre 1855 verheiratheke er sich; die Ehe blieb kinderlos. Eine Erkältung, die er sich verflossenen Winter zuzog und die in eine chronische. Krankheit überging, in welcher derselbe zu spät erst ärztliche Hilfe in Anspruch nahm, führte schnell wrd unerwartet sein Lebensende herbei. Er brachte sein Alter nur auf 53 Jahre. Der Schmer; bei dem Hingang dieses Edlen war allgemein. Dies zeigte sich besonders otn irv'ru 2-2, den '24. September, bei der Beerdigung.- Aus weiter Ferne waren die Freunde derbeigeeilt. Alle umwohnenden jüdischen Lehrer, mehr als 40 nichtjüdlsche Eollegen aus dem Kreise, selbst üus einer Entfernung vün mehr als 2 Stunden, die Geistlichkeit des Ortes, (evangelische und katholische) waren zugegen. Der größte Theil 'der daflgen Biirger aller Konfessionen begleitete den Heimgegangenen uruf den jüdischen Friedhof. Dort angekommen, trug der Gesangverein von Guntersblum zwei tiesergreisende Lieoer vor. Nachdem College Marx das c'2.1 -vs“ auf Hebräisch, College Stettenheimer dasselbe Deutsch vorgetragen, hielt Herr Rabbiner Dr. Aub aus Mainz eine tiefergreifende' Rede. Er schilderte die Tugenden des Heimgegangenen, welchen er persönlich kannte, als Mensch, Sohn, Bruder und Freund; seine Wirksamkeit und die großen Erfolge als Lehrer. Tiefergriffen standen die Freunde an dem offenen Grabe, das den zu friihe Entschlafenen aufnehmen sollte. Laut schluchzend umstanden die liebenden Schüler den Sarg, der die.theure Hülle des innigstgeliebten Lehrers barg. Ties Weinen, der Schüler war erschütternd, aber auch erhebend für den College». Es hat uns gezeigt, wie wir wirken nlüffen; es lehrte uns, -daß,. wenn auch der Lehrer keine Schütze binterläßt, keine eigenen Kinder an feinen; Grabe stehen, doch heiliger Erinnerungen voll sind die Herzen der Kinder, denen wir Lehrer sind, deren Geist wir bilden,, die für alles Gute und Erhabene 'zu begeistern wir uns bestreben. Kein Blutsverwandter stand am Grabe, keine trostlose Wittme oder Waise war in Schmerz aufgelöst wegen des Heimgegangenen - Ber-orgers und Ernährers und doch mag die Tdeilnahme in dieser Begräbnißstätte nie inniger, wahrer und allgemeiner gewesen sein, denn die ganze Gemeinde mußte wissen und fühlen — vielleicht jetzt mehr als früher — was sie verloren. l-rcrr:? ■ jo- 53n «ie haben einen guten Mann begraben, uns war er mehr. Im Nakncn des.rheinhessischen isr. Lehrerslandes insbesondere, im Namen unserer.Conferenz darf ich es aussprechcn: es ist eines der edelsten Glieder aus unserm herrlichen Freundeskreise gebrochen, das schwer zu vergessen, noch schwerer zu ersetzen sein wird. Sein Edelmuth, seine Hingebung 'für die Collegen. für das Allgemeine war gränzenlos. An allen den Bestrebungen für die Hebung und Förderung des Lehrerstandes nahm er den lebhaftesten Antheil; und so sparsam er war für sich selbst, so sehr er sich auch fast alle Genüsse entzog, die das Leben sonst verschönern, so wohlthätig war er, wenn es einem nothleideaden College» galt; da gab er mit vollen Händen, da chm dies seine Mittel erlaubten; so theilnehmend und opferbereit zeigte er sich bei allen gemeinsamen Interessen. Ja, werden wir ihn ersetzen können? In Freundeskreisen, die wirken wollen, da müssen der Naturen verschiedene sein; Hirsch war eine eigengeartete Natur. Er vertrat dar maßhaltende, cpnseroatioe, ruhigdenkende und urtheil.nde Princip unter uns und sprach, ohne je unwillig zu werden, seine Meinung nsit entschiedenem Ernste aus. Ach, die rechten und ganzen Lehrer sind so selten, wie die rechten und ganzen Meuchen! Wir werdest sein nie vergessen. Er sei uns ein stets mahnendes Borvilo, uneigennützig und selbstaufopfernd für das Ganze zu! wirken, zu streben, so lange es Tag ist. Sanft ruhe seihe Asche; sein Andenken aber bleibe zum Segen unter uns. ijn c’33ii2 D'2in ’pnsai h'pi.1 inra n»nr 2'8'32'L.I, Bechtheim, 26. September 1865(p'e"di'3'i"ri 2"'"p). S. Sonnenberger. Aus der Lchulpraxis. Eine Pentateuch-Stunde mit der Oberklasse einer ungetbeilten jüdischen Volksschule über 2 B. M. K. 5. -7 Lehrer:! Moscheh und Ahron hatten eine zweisache Aufgabe in Aegypten: Sie sollten zunächst den Israeliten ihre baldige Erlösung durch den Gott ihrer Väter verkünden und sie zitm Auszuge geneigt machen, was sie auch, wie wir im vorigen Kapitel gesehen haben, mit Erfolg erreichten. - Das Volk glaubte und zeigte sich zu Allem bereit; sie sollten aber auch das ungleich Schwierigere ansführen — bei Pharcoh die Erlanbniß zum Auszuge erwirken. Die Art und Weise nun, wie sie es thatcn, und welche Folgen ihr an Pharcoh gerichtetes Begehren hatte, zeigt das vorliegende Kapitel,. welches wir übersehen wollen. Ä. beginne mit dem ersten Verse! Schülir: V. I. Darnach kamen Mosckeh und Ahron und sprachen 1 zu Phareoh:. Also spricht der Ewige, der Gott Israels: entlasse mein Volk, damit eS mir ein Fest feiere in der Wüstt. Lebre^: In wessen Namen verlangten sie also die Entlassung Israels? Schüler: Im Namen des Ewigen, deS Gottes Israels. Lehrer: Ihr habt das zum Verständniß der folgenden Verse festzuhalten. Wir wollen nun die Antwort Pb's. vernehmen. Schüler: V. 2. Und PH. sprach: Wer ist der Ewige, auf dessen Stimme ich hören soll, Israel zu entlassen? Ich kenne den Ewigen nicht und lasse auch Israel nicht ziehen. Lehrer: PH. kennt also keinen 'n und läßt darum Israel nicht ziehen; allein Moscheh und Ahron lassen sich

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