Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 5 (1865)
- Issue
- 41 (12.10.1865)
- Date
- 1865-10-12
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Zeitschrift für die gelammten Jntereffen des israelitischen Lehrerstandes und zugleich Organ für dm Vemn }itr Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer Lehrer, . Lehrer- Wittwen und ^jMaisen in Deutschland. __;____^ N°. -RI. Mainz, den 12. Lctobcr 186'-. (Fünfter Jahrgang.) jxvck'mtlich 1 Rümmer. Viertekjäbrliider Abonnem«nt?prets 27 kr. 1/4 Thlr. Bei frankirter Zusendung unter Kreuzband jäbrlich 2 ft. 12 kr. Anzeigen zu 1 Sgr. di? Petitzeile. Bestellungen nehmen alle Postämter und Buckkiandlungen an. N elirolog-. Unsere deutsche Sprache besitzt einen großen Reichthum von Ausdrücken; beute aber ist dieselbe fast zu arm für mich; denn ich finde nicht die passenden Worte, um meinen tiefen Schmerz und die Gefühle der Trauer äussprechen zu können, welche in mir rege sind. Unser wackerer College Jacob Hirsch zu Guntersblum ist hcimgegaugen am 22. September ‘2 z-z. Seiner Wirksamkeit ist von Allln die ihn kannten die vollste Anerkennung zu Theil geworden und der Heimgegangene hat sich durch sein Leben das Recht erworben, daß mir sein Anblicken in 'dufern Blatte ehren. .Ich habe, als der älteste unter seinen isr. College« in Rheinhesscn und seit vielen ' Jahren mit ihm in sreundschastlichen Beziehungen, die traurige Pflickt übernommen, Einiges aus seinem Leben hier mitzu rhcilcn. Jacob Hirsch wurde 1812 in Hillesheim bei Alzey geloren. Schon in früher Jugend zeigte er viele Wißbcgierde, und bereitete sich später bei einem christlichen Lehrer in Riiderwiksen für den heiligen Lehrerbnus, den er gewählt Halle, vor.. .Tie Mittel zu seiner Vorbereitung mußte er sick, durch Unterricht im Hebräischen, den er rn Riederwiescn crtbcilte, erwerben, da seine Eltern unbemittelt waren. Er besuchte unter solchen sehr drückenden Verhältnisicn zivei Jabre lang (von 1832—1854) des Seminar zu Friedberg. Tie mit ihm zu gleicher Zeit dort sich vorbereiteten rühmen noch jetzt feinen eisernen Fleiß und seinen edlen Charakter. Seinen edlen Sinn will ich an einer Thotsache beurkunden. Er hatte in Folge Neckereien eines Zöglings beim Baden ein Bein gebrochen; die dadurch verursachten Schmerzen ertrug er geduldig. Alle seine Kameraden erwiesen ihnr die hingehendste Theilnahme und Aufmerksamkeit. Rur ein Einziger besuchte ihm nie. — der Urheber seiner Leiden. Und doch verrieth ihn Hirsch nicht, obwohl er von den Lehrern mehrmals darüber befragt und zt einer bestimmten Aussage gedrängt werden sollte. Rach der Entlassungsprüfung wurde er von der isr. Gemeinde in Friedberg als Lehrer ausgenommen und wirkte daselbst sechs Jahre, zur größten Zufriedenheit jener Gemeinde. Er legte sich die größten , Entbehrungen auf, verzichtete auf jedes Vergnügen und auf jeden irgendwie entbehrlichen Genuß, um jeden ersparten , Kreuzer seinen armen Ellern und Geschwistern, die er überaus liebte, zuwenden zu können. Und was wohl noch nie vorgekommen, und Bielen unbegreiflich sein wird, das hat! der Verewigte vollbracht. Mit den Ersparnissen aus dem! geringen Lchrergehalte legte er den Grund zu einen, gewisien Wohlstand der Eltern, deren Alter ein gesegnetes I ward. Durch die, unvergleichliche Aufopferung des edlen * Sohnes. Er rastetnicht, bis er alle seine Schwester aus- 1 gesteuert und anständig versorgt sah. — Und doch Halle l er nie mehr als 30o fl. Gehalt! — Wer kann ermessen,! wie viel Schweiß, wie viele Entbehrungen nöthig sind, um j ein solches Resultat zu erzielen? Hirsch hielt sich nie für j einen seitigen Lehrer; er arbeitete vielmehr beständig an seiner weitern Ausbildung und sein Drang nach Vervollkommnung war so groß, daß er als Lchrcr in Friedberg 1 in seinen freien Stunden das Progymnasium daselbst besuchte und sich neben 10 und 12jährige Schüler setzte, die ihn zuweilen höhnend angasften. Er beherzigte den! weisen Spruch Hillels: ic1, itr’zn 8— „Ter Blöde lernt nichts/' Hier erwarb er sich durch anhaltenden Fleiß und; große Anstrengung viele Kenntyisie in der .lateinischen und französischen Sprache, in welchen Fächern er später nüt Erfolg Privatunterricht crlhcilte. Wegen seiner vielseitigen Kenntnisse, Bildung und Strebsamkeit schätzte z. B. Herr Professor Tieffenbach unfern Hirsch so sehr, daß dieser seinen Kindern Privatunterricht ertheilen mußte. Im Jahre 1839 wurde derselbe von der Oberichulbehörde zum Lehrer der neu errichteten Elementarschule und zum Vorbeter zu Guntersblum ernannt, wo er 26 Jahre lang — bis zu seinem Tode — im Amte blieb. Hier verwerthete er in der Schule seine erworbenen Kenntnisse in vollem Maaße. Sein Fleiß und sein Eifer, seine Talente uitd Mittheilungsgabe brachten die Schule daselbst auf eine solche Höhe, daß sie den besten des Landes zur Seite gestellt!, werden kann. Alle! seine Behörden erkannten dies an. Er! erhielt die schönsten! Zeugnisie und Belobungsschreiben, und sehr oft Gratifikationen 1