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Der israelitische Lehrer · 1865-09-28 · 39 (28.9.1865) · p. Seite 165

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
5 (1865)
Issue
39 (28.9.1865)
Date
1865-09-28
Page
Seite 165 (sequence 3)
Language
German
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die Pflichten gegen ihre Eltern ans Herz legen; denn das ist wahr, die Pflicht gegen die Eltern führt zum Gehorsam gegen Gott. Dieses Ziel kann man bei den Kindern nur dadurch von Anfang erreichen, daß man ihnen das Verhältnis; zu den Eltern recht kar macht. Können wir sie dahin bringen, daß^sir durch daS ganze Schulleben, ja, daß sie auch da, wo die Schule es nicht fordert, ihre Pflicht erfüllen und daß jie vielleicht tut reiferen Alter Anhänglichkeit und Liebe zum Lehrer beweisen, dann haben wir viel gewonnen. Ich will durch ein Beispiel aus meinem Leben noch vollständiger zeigen, wie ich cs meine, um alsdann mit diesem wichtigen Punkte schließen zu können. Wenn wir in der Klasse darüber sprechen, daß wir auch Pflichten gegen den Geist des Rebcninenschen zu erfüllen haben, so ist mir das in früheren Zähren oft als eiit Thema erschienen, worüber ich in der That in der Schule nicht viel zu sagen wußte. Es hat sich aber geändert. Ich habe dem Kinde gezeigt, wie es auch bei den Gcschivistern und Gespielen etwas dafür thun könnte, und erlebte eben die Freude, daß ein Knabe, der meiner specielle» Aufsicht übergeben war, einem jüngern Bruder, der in allen Stücken sehr zurück war, so unterstützend, wiederholend, einübend und ermahnend zur Seite stand, daß ich mich wenigstens überzeugen konnte, daß ich hier verstanden worden war, und ich glaube, wir können so dem Kinde schon zeigen, daß die Religion auch in fein Leben cinziehen kann. Alle seine Pflichten inüsseu ihm im Lichte der Religion erscheinen; wir erreichen das nur durch klares Berständniß; wir sollten gar keinen Unterschied mehr zwischen Glaubens- und Pflichtenlchre machen; ja es muß nach meiner Ueberzeugung dahin kommen, daß'das Kind sagen lernt: „ich soll nicht Ehrfurcht gegen Gott haben, ich darf und kann nicht anders, ich muß Ehrfurcht gegen Gott haben. Wenn so alle Pflichten im Lichte der Religion erscheinen, wenn so Denken und Wollen mit einander verbunden werden, sollte dann nicht das Leben in Gott eine Folge solchen Unterrichts sein? ' Und das um so mehr, idenn auch has Gefühl nicht unberücksichtigt bleibt; darum soll 3) der Religionsunterricht das Gefühl läutern linb erheben. Es mag wohl wahr sein, daß zuweilen zu sehr auf den Verstand hingeivirkt wird, daß z. B. die Meinung herrscht, bei Knaben müsse man nicht das Gefühl anregen; aber das ist ein Jrrthum. Der Unterricht darf nie trivial werden, uitd darf über das Praktische nie das Erhebende verlieren. Um so mehr soll man dies bedenken, da ei» Gefühl für das Göttliche eben die Anlage des Menschen zur Religion ist, da ohne Zweifel das Unsichtbare und Höhere vielfach init dem Gefühl erfaßt werden muß, da es tief in unser Gemüth dringen soll. Das Gefühl ist also vorhanden; Jean Paul hat gewiß Recht, ivenn er sagt, daß das 6jährige Kind beim Eintritt in ein Gotteshatts (nicht während des Gottesdienstes), rin cigcnthümliches Gefühl haben werde; aber es muß geläutert und gehoben werden. Der Unterricht in der Religion darf es nicht darauf anlegen, öftere Rührung oder Gcmüthsbewegung zn erregen; er soll es besonders vermeiden, durch künstliche Mittel unklare Gefühle zu wecken, die keinen nachhaltigen Eindruck hinterlasscn; aber durch klare Vorstellungen muß das Gefühl geweckt, geläutert und gehoben werden. — Das Kind kann wohl einen unmittelbaren Eindruck von Gott haben, den wir als Gefühl bezeichnen dürfen; es kann b«i> einem Gewitter zu dem Bewußtsein der Macht des Urhebers» gebracht werden; aber wird cs nicht das Gefühl der Furcht» sein und wird nicht dieses bei größerer Kcnntniß der Natur-! gesetzt schwinden? Wenn aber durch ernste Bettachtung dieser» Gesetze das Kind von Stufe zu Stufe weiter geführt und» immer auf den Gesetzgeber hingewiefen wird, so muß cs mit! immer steigender Pcwunderung für denselben erfüllt werden,! und ich bin überzeugt, daß so die religiösen Betrachtungen! den Schäler zu! dem Ausruf bringen können, wenn er ihm! auch nicht dieselben Worte zu verleihen weiß: Herr, wie sind» deine Werke so groß und so viel! Wenn wir cs verstehen,» die Zöglinge in ihr Herz blicken zu lassen, wie leer und I friedenlös die-Sünde cs läßt; wenn'wir im Gange der Ge-I schichte die Wahrheit Nachweisen: „Die Sünde ist der Lenke » Verderben", so werden sie die Erhabenheit Gottes auch in» seiner Heiligkeit fühlen, und wiederum in dem Frieden, der I nach der Besserung das Herz erfüllt, seine unendliche Vater-1 liebe. In der Betrachtung der Schöpfung, in dem Wechsel! der Jahreszeiten, in dem Schlage des Herzens können wir! ,ste die Allgegcnmart Gottes nicht begreifen, aber fühlen lassen.» Bor Allem dürfen wir auch nicht versäumen, das Er-1 lernte zu befestigen, und dazu dient uns besonders das Bibel-1 wort. Die Bibelsprüche müssen mitgegcben werden als Be-1 festigung des Religionsunterrichts, und ich bin überzeugt, I wenn auf Grund der biblischen Geschichte der Religionsunter- I richt ertheilt ist, und wenn die Bibelsprüche erklärt und aus I die rechte Weise cingepräzt werden, dann ist den Schülern! die Bibel ein liebes Bach geworden. Run könnte ich eigent-1 lich schließen: wenn wir aber in unseren Tagen aus dem I gesammten Unterrichte ein organisches Ganze machen wollen, I dann, glaube ich, wüßte ich auch jetzt nichts Wichtigeres hinzufügen, als: der Religionsunterricht muß durch den ganzen Unterricht, durch die Schulzucht und das Beispiel des Lehrers unterstützt werden. Doch diese Unterstützung durch den andern Untereicht meine ich nicht so, daß wir bei jeder Gelegenheit, in der Physik, Naturgeschichte rc., einen Bibelspruch anführen, gcwisscrinußen ihn an den haaren herbei ziehen; das Kind merkt wahrlich auch da die Absicht und tvird verstimmt oder vielmehr nicht gestimmt, aber wohl da, wo sich ungezwungen die Gelegenheit darbietet. Welchen Umfang bietet hierin;. B. die mathematische Geographie: man hat recht eindringlich über die zahllosen Welten gesprochen und nehme dann einmal in der ersten brsten Stunde den Klopstock'schen Psalm: „Um Erden wandeln Monvc": da werden die Kinder zu Gott geführt. Wie herrlich deutet unser Dicsterweg in seiner mathematischen Geographie an, wie man den Kindern die Allgegenwart Gottes gleichsam fühlbar machen kann, indem man sie erinnert, daß vor Gott alle die Welten, die uns in Tausenden von Zähren erst ihren Lichtstrahl spenden, offen und unoerhüllt immnr da liegen! Oder wenn wir reden wollen von dem Gehorsam gegen den Schöpfer, so werden wir bei der Lehre vom menschlichen Körper zeigen, wie kein Mensch ungestraft sich den Naturgesetzen entziehen kann: daß der Schöpfer es in seiue Hand gelegt hat, ein stilles, freudenvolles Dasein sich zu bereiten. So benutze der Lehrer jeden Unterricht und jede« Theil irgend eines Unterrichts, wo auf Gott und Religion eillgegangen werden kann.

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