Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 5 (1865)
- Issue
- 39 (28.9.1865)
- Date
- 1865-09-28
- Page
- Seite 166 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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166 Die Schulzucht diene nicht bloS zur Erhaltung der äußeren Nutze und Ordnung, sie führe den sittlichen Ernst herbei; sie bringe die Kinder dahin, daß - ihnen die Pflichter- | füllung als das höchste Ideal der Schule erscheine. Es hat j vor zwei Jahren ein geachtetes Mitglied dieser Versammlung j einen Dortrag über Organisation der Volksschule gehalten; i ich habe diesen Vortrag nicht gehört, aber wohl davon ge-; hört und weiß, was der Grund deffelben war: so soll die , Schule organisirt sein, das Pflichttreue da» Hauptstreben > Aller sei; der Direktor^ die Lehrer, di« Schüler bis zum; Letzten herab muffen ihre Pflicht erfüllen. Da wird Schulzncht sein, da wird auch das Kind religiös, wenn das Bei-; spiel d«S Lehrers nicht fehlt.- Es macht einen traurigen Eindruck, wenn der Lehrer über Wohlthatigkeit gesprochen hat,; und in demselben Augenblicke oder unmittelbar nach der Re- ' ligionsstunde klopft ein Armer an die Thür und wird vom; Lehrer mit harten Worten zurückgewiesen! Nein, meine Herren, j in Allem, waS der Lehrer gepredigt, sei er ein Vorbild; seine Persönlichkeit trete hin, um dem Schüler zu zeigen, daß er eS sich angelegen sein laffe, die Forderungen der Religion zu verwirklichen. Und wenn wir daS Alles gethan, werden wir ein Geschlecht herangebildet haben, welches religiös ist? Ich weiß nicht ob wir dies schon erlangen weri den, und ich bin fast zu alt, um mich hierin Jllussionen hinzugeben. Aber ich will Ihnen Zweierlei nicht verhehlen: dieS ist einerseits ein Feld des Herzens,, welches oft unfern Augen verborgen bleibt: was das Kind an Religiosität für sein künftiges Leben gewonnen hat, wir erschauen es nicht immer. Andererseits: wir sollen auch die beglücke..de Erfahrung zu Hilfe nehmen. Ich habe einen ähnlichen Religionsunterricht genoffen und weiß, daß er bei mir unvergeßlich geblieben ist bis auf den heutigen Tag. Ich habe Ihnen hiermit gesagt, waS ich zu thun bis jetzt für meine Pflicht gehalten habe, und was ich auch ferner zu thun gedenke. ES wird indeß wohl Manches im Laufe der Debatte noch hinzukommen. Wir sollen auch in dieser Beziehung getreu unsere Pflicht erfüllen und dann auf den bauen, der auch in dieser Bdzirhung sein Ebenbild auf Erden nicht verläßt; er weiß auf ungeahnte Weise imMrnschenherzen den Gedanken zu erwecken, zu befestigen und -führt unS endlich doch alle-früher oder später zum Leben in ihm." (Bravo.) Wochenbericht. Bayern, im SsL. Dem Rechenschaftsbericht über unsere BereinSsach« sehen wir freudig e tge .en, um ibr reuen In pulS zu geben und die Angriffl>et G gner, d r n Leidenlcha'tlichkeit klar ,u Tage liegt, werden spurtevorüh r.»hrn. Reit schmerzlich ist die B ahrn hmnng. wie bei un- Jud n m ch dcS Gemeinnützigste a & p-rlönlichen Rücksichten Gegner findet, und zum mindesten doch Gleichgültige. Worum? weil der EgoiSmuS und die Grlbflü crh bung so groß find, N § man sib sagt: Wader Rabbiner oder Lehrer tl.ut oder schreibt, dakönnle rch ja gerade so, wenn ich nur wollte. D> SLa kSkneckt! wanm thnst und sareibst Du's denn nickt? Eil so rhue doch waS Du kannst ruoo jmn p nne< «O. — Noch sehnsüchtiger harren wir der »Achawa" entgegen, und der Herr Dr. Kronenberger wird eS erfahren, daß diese- »Büchlein" eine Verbreitung findet^ größer als alle Jahr- und Tagebücher, die wir sckon besitzen. lleber unser Schulwesen ist nicht- Neue» zu berichten. Die de-falstgen Verhältnisse werden mit dem, in Au-fichtstehende» Schulgesetz eine Verbesserung erfahren. Rur wird dem jüdischen Schulwesen, daan andern Uebeln krankt, nicht durchgreifend damit geholfen sein. Dagegen ist aus der Rabbinerwelt Manche» zu berichten. Der zum Rabbiner und Lehrer in Dittenheim gewählte Kellermann hat die Bestätigung k. Regierung in erster Eigenschaft nicht erhalten, -weil er vcrauSsichtlich mit dem kleinen Gehalt nicht leben kann. Nun fragt sich'» nur, welche Verschiedenheit der Magen eine- Rabbiners und der eine- Lehrerhat? Diese F age wird jedoch wahrscheinlich zur praktischen Lösung nicht gelangen, da gegen jene Entscheidung Reku s an die allerh. Stelle ergriffen ist, bei der schon alle Heiligen thätig sei« werden, um uns und die ganze Gegend '2:2 nnr“1 li:'2lpli zu bringen. Zu der mit so vielem Sauce ausgeschriebnen Rabbinerprüsvng in Würzburg hatte sich sonst Niemand als der durch seine Wahl in Kiffmgen bekannte Kandidat Herr Dr. Eckwab einrefnnden, und der beig-zogene Rabbiner, ein Satellit des Rabbi, ncrs Bamberger wollte ihm durchaus nur die Note IV geben, mußte aber zuletzt doch, weil er der Entrüstung der andern Eraminatoren, darüber nicht widerstehen konnte, wider Willen eine beffere, wie man hört, die erste geben. Trier, 13. Sept. Ueber die theilwcise schauderhaften» theilweise aber auch ergötzlichen Ansichten der Ultramontanru febe folgender Inhalt einer in Trier bei der Sitzung der katholischen Vereine am 13. September von Dr. v. Moy über den Schulzwang gehaltenen Rede Aufschluß: Der Redner vergleicht die Eitern, welche ihre Kinder in die S:aatsschulen schickten, mit Mortara, jedoch mit dem Unterschiede, daß dieser um sein Kind kämpite, diese jedoch Alles geduldig ertrügen. In unseren deutschen Schule« würden die Kinder zu Gottesverächtern erzogen; dagegen erbeb« sich keine Stimme, während wegen des Juden-, buben Mortara großes Geschrei c«wesen sei, und zwar deßhalb nickt, weil erstlich die Christen keine Juden seien, ferner die Katholiken nickt gegen den Papst, sondern gegen die Bureaukratie, nicht für die Freiheit des religionslosen Gewiffens, sondern für das religiöse Gcwiffen stritten. Der Schulzwang führe die Jugend einem Zustande oberflächlicher Asterweisheit entgegen, entfremde die Kinder ihren Eltern, entferne sie von den Traditionen der Famile, reiße die Gegenwart von der Bergan cnheit los, führe in dem Volke den Zwiespalt zwischen Gebildeten und Ungebildeten herbei; dasdürfe nickt so lleiben. Redner protestirt unter dem Beifcll der Versammlung im Namen des Rechtes gegen den Schulzwang; der Staat Hab« sich in die Erziehung nicht zu mischen, er gründe sich nickt auf die Lehre, sondern auf die Gewalt. Im Schulzwang' l egt die Erklärung ausgesprochen, deß die deutschen Eltern ibre Kinder v rk,mmcn laffen würden, wenn er it'cht bestünde. So etwawürde sich kein andere- Volk bieten laffen; so viel Liebe hät'en die Engländer und Franzosen auch zu ihren Kindern, dies Iben freiwillig etwa» lernen zu laffen. Mit der Bikdu-g in Frankreich und England sehe e» nicht fchlechter auS, als '« Deutschland. Der Sckulzwang unterhalte künstlich den religiös,n Zwiespalt!!! Die Eiziebung müffe confesfionel sein; um ti s zu erreichen, sollten die Eltern ibre Kinder nickt mehr in die kckule schicken, sich nur strafen laffen, aber auSharren, kenn large da ere die» nicht, so w.rde man damit aufhören." — Verantwortlich« UtOactcm: Kltngengetn tat Cberuhe-» n> «berndefse»; Beldßuerlader Redaktion. Kür den Buchhandel: in Commission bei OSkar tteiuer t» Sechzig. — Dampf-SchueHpreffendruck »»* I. VottSlebe» in Main,.