Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 5 (1865)
- Issue
- 38 (21.9.1865)
- Date
- 1865-09-21
- Page
- Seite 160 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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160 Hannover. Wie es noch hier und da in Bezug auf Toleranz anSfietzt, Mpd »us der, unS zugegangene Artikel der „Vorderer Obergerichts-eitung": ^Wenn unseres Zeit auf allen Gebieten deS Leben-, de- Wissens» große Erfahrungen gemacht, im raschen Fortschritt und Streben nach dem Noten und Edeln sich befindet, der wahrhaften Menschenliebe, der allgemeinen Woblfahtt, dem Weltfrieden ihren Snltus zu errichten Isucht und die Besten aller gesitteten Völker ihre ganze Kratt aufbieten, um Gesittung und Bildung in alle Schichten des Volkes zu tragen. mit einem Wotte, wenn heute jede wahre Bildung, Humanität und Toleranz auf ihre Fahne schreibt, in Wett und Schrift zu Felde zielet für Menschenwürde und Mcnschenadel und den schönsten. Kampf gegen gehässiges Vvruttheil kämpft, so muß es jeden Menschenfreund betrüben, wenn er ficht, wie' gerade die Stätten, die jene Fahne der Bildung und G.sittung hochta'tcn sollten, ihm das Gegentheil vor die Augen führen, Tiefe Stätten —,efind die Schulen, in ihnen muß vor Allem das kindliche Gemüts die edle Saat der Duldung, ja der Liehe zum Mitmenschen erhalt n, um zur reichen Ernte der wa rcn.Bildung sich entfalten zu können. Versäumen es aber die Pfleger und Träger der Jugend, — welche so sehr empfänglich ist für alles Gute und Sittliche, — den edlen Gotteskeim im Kinderherzsn zur herrschen Entfaltung zu bringen, so mögen sie reiche- Wissen crtheilt haben, allein den Menschyi haben sie zu erziehen vergessen und für die Menschheit haben sie nicht gesorgt, wie sie sollten und mußten, das Her; ihres Pfleglings haben sie nicht gebildet und dessen Gemüth brach liegen lassen Untren volles reiches Herz für die Mitneit gehört zum Leben unserer Zeit; wer das besitzt, trägt echte Bildung. Wer noch jetzt irgend einem religiösen Bekenntniß Achtung versagt und' sei er hochgelehrt, dessen Bildung ist Asterbildung. Wer ein religiöses Borurtheel hegt und zähle er zu den höchsten Schichten der Gesellschaft — gehört einfach zum höhenl Pöbel. Das sind ummstößliche Da rheiten geworden und Heil unfern Tagen, daß sich l ieselben immer mehr Bahn brechen. Ob diese Grundsätze in den hiesigen Säulen gelehrt werden? — ich weiß er nickt; so viel aber weiß icb, daß nach dem Gebahren und Treiben eines g°oßen Ttgilcs der Schuljugend unserer Stadt ein bescheidener Zweifel dem vorurtheilslosen Beobachter aussteigen muß. Bereits erwachsene Lnabcn, dem Gymnasium und der Bürgerschule angebcrcnd, finden ibr losbastes Vergnügen daran, den jüdischen Gottesdienst an den hoben Festtagen der Juten zu stören. Unterzeichneter,,der in Hildesheim unk Lüneburg gelebt und dott nie jenes ^H>p Hcp" und Judenschimpsen der alten Zeit gehört, bat bier von ruchlosen Buben, jenen Säulen angebörcnd, säst täglich ähnliche Jnvrctiren auf öffentlichen Straßen und Plätzen zu erjagen. Gewiß bedarf cs nur dieser Zeilen, daß von Seiten der betreffenden Lehrer diesem empörenden Treiben der jhnen anvertrautrn Jugend Einhalt getlan werde. Man predige Toleranz und Humanität, denn das sind die Fundamente alles Segens unter der M>niä>beit. Ehre und Achtung jeder religiösen Meinung! wll man sie bekämpscn, daun thue man es würdig in Mort und Schritt. Belehrt die Jugend in allem Wissen und bildet sie wahrtast an Herz und Gemüth."' L. H. Sommer. Eamberg, in Nassau. Gelegent ick der 25jährigen JubiläumSseier Sr. Hoh.it des Hrrzo s von Nassau v. IS. erging ein Aufruf an fämmtliche-Lei rer Nassaus. ES war-n meine« Wissenalle Lelr r höherer Säulen >owobl, wie Elementarlehrcr und sogar dir Inhaber von Privalleh'anstallen eingeladen zu einer Versammlung nach Limlurg a d. L. Diese zahlreiche Versammlung gründete unter demNoMcn.Adolp'sstistung," einen Verein zur Unterstützung rcsp. Heranbildung armer Lchrerwaisen. An di« isr. ReligiönSlehrer hat man nicht gedacht oder, vielwehr man wollte an sie nicht denken. Nicktdestoweniger führte sich der damals in Limburz fuugirende Glaubens- und AmtSgenoffe Emmel unberufen i, die Versammlung ein und stellte die Ansrag«: ob nicht auch ist. ReligiönSlehrer diesem Verein beitrtten könnten? Es geschah ihm etwas Menschliches, waS man ihm hätte voraus sagen können, und weßhalb auch ganz gewiß die wenigste» seiner Amtsgenossen zu diesem unberufenen Einmischen würden gerathen haben: er wurde abgewiesen, denn „ungebetene Gäste setzt man hinter die Thürr." Nun hätte man glauben sollen, an der einen Blamlwe (?) wäre eS genug gewesen; nichts destoweniger richtet in vcr. 25 dct „Rtff. EchulblatteS," Religionslehrer Rosenberg inRodcunbergeine Anfrage und Bitte an tcä Euratorium jenes Vereins um Aufnahme der isr. ReligiönSlehrer als Mitglieder des Vereins. Der Redacteur jenes Blattes, Geheimer Negierungsrath Herr Dr. Seebode, ist human genug, diese Anfrage nicht mw zu befürworten, sondern sogar dem Verein das gewiß sehr ehrcnwerthe Anerbieten mit einem Geschenk von 200 fl. zu machen, falls diesem Gesuche Rechnung getragen wurde. Trotz alledem ist bei einer im vorigen Monat stattgehabten Versammlung der VcrcinSmitglieder in Dietz die Ausnahme der isr. Religionslehrer in den Verein verweigert worden. Nun könnte man aber in weiteren Kreisen versucht sein, zu glauben, es hätten alle isr. ReligiönSlehrer des Herzogthums mit jene» Anttägen übereingestimmt. Es sei mir daher vergönnt, in diesen Blättern meine Meinung über jene Anträge zur öffentlichen Kennlniß zu tringen; der Artikel war für das „Raff. Schulblatt" geschrieben; der Herr Redacteur desselben hatte ihn jedoch nicht abdruckcn lassen, wahrscheinlich in der wohlmeinenden Absicht, der Aufnahme isr. Relißionslchrcr» die er ja tatsächlich unterstützt hatte, nicht entgegen zu wirken. Folgendes ist der Wortlaut des fraglichen Artikels: Ansichten und Vergleichungen. Wenn man beim Lesen der gelegentlich der „Anfrage und Bitte" des Reltgionslehrers Roscnbcrg in Nr. 26 d. Bl. (d. h. des „Nasi. Echulblattcs") angefügtcn Bemerkung des hochherzigen Redactcurs das Herz sich erweitern fühlt, wenn man dankerfüllt ausschauct zu dem, der über den Wolken thronet, daß Er mit Seiner unendlichen Gnade Seine Menschenkinder mehr und »ehr dem Lickte der wahren Erkenntniß zujühret, in welchem sie, der ersten Grundbedingung aller ächten Religiosität entsprechend, sich brüderlich die Hände reichen und, der confessionellen Scheidewände unbeachtet, sich liebend einander unterstützen; wenn man ganz diesen beseligenden Gefühlen sich hingebcnd in der mit jedem Tag zunehmenden Intelligenz eine heitere Morgcnröthe begrüßet, die aufgestiegen ist zum Glücke der Menschen: so sollte man nicht glauben, daß daun der Verstand, bei reiflicherem Nachdenken, dieses Wonnegefühl herab, und durch Gedanken und Erfahrungen ganz entgegengesetzter Art das Herz traurig sollte stimmen können Und doch ist dem also. Warum, fragt der gesuude Menschenverstand, warum die Zukunft in'S Auge fasicn, ohne den Bedürfuiffen der Gegenwart Rechnung zu tragen? warum immer und ewig an die Humanität appeliren, von den Brosame» der Grade leben, statt Berechtigung anzuflreben? Ja, warum soll der Stand der isr. ReligiönSlehrer, dem man nickt minder wie allen andern in daS Lehrfach einfchlagrndrn Ständen größere wissenschaftliche Bildung und mehrLeiilungsfähigkeit als früher abverlangt, warum soll der ganz allein auS- %