Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 5 (1865)
- Issue
- 38 (21.9.1865)
- Date
- 1865-09-21
- Page
- Seite 161 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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I / 161 > geschlossen sein und bleiben von den Stgnungc» der Aeuzeit, wo man einsehen gelernt hat, daß der Lehrer, wenn er Etwa» leisten Ifott, nicht am Hungertuche nagen, nicht täglich mit den quälendsten Nahrunzssorgen zu kämpsen haben darf?! Während die geringsten Arbeiter, vom Taglöhner aufwärts, in ihrem Arbeiterlohn gestiegen, nst das bei dem isr. Religion», lehrer. ganz besonders im Herzogthum Nassau, der umgekehrte Fall.*) Sind denn aber die Bedürfnisse des Religionslebrers nicht eben s» gut, wie die aller Andere gestiegen? Und soll dem Religionslehrer die Möglichkeit abgeschnitten sein, sich durch Selbststudium weiter auszubilden? Wenn er als Familienvater — und nur als solcher füllt er nach dem Geiste des Judenthums seine Stelle auS — wenn er also als Familienvater genöthigt ist. um nicht zu darben, seinen heißesten Durst nach Wissen gleichsam z,l morden, und alle von seinen Berufspflichten erübrigten Stunden anderen, nicht selten seinem Wesen zu widerlaufendcn Arbeiten'zu widmen; woher soll ihm da Nahrung für den Geist Werden? O, man könnte hier noch viel fragen, noch mehr klagen; allein man will nickt bitter werden, will überhaupt Niemanden einen Vorwurf macken; man will nur in allgemeinen Umrissen die Sckchlaze vor die Au cn führen, um zu zeigen, daß wir nock viel zu viel Sorge für die Gegenwart haben, um unser ganzes Augenmerk der Zukunft zuzuwendcn. Erst eine Anerkennung des Standes errungen, eine Stellung, die an und für sich uns berechtigt, Mitglieder wohlthätiger Institutionen zu sein, dann wird es dessen nicht bedürfen, daß ein außergewöhnlicher Gnadenact an uns bewiesen wird. Es ist hier nicht der Ort zu erörtern, in welcher Weise und durch welche Mittel diesem noch schwer seufzenden Stande auizuhctfen sei; cS kami füglich aus die Vorschläge in den Nummern l l — I.ll des „Isr. Lehrers" l. Jahrgangs hingewiesen werden, weiche auch von anerkannt tüchtigen Leuten als zweckentsprechend brzeichnet worden sind. Obni-die humaney Gesinnungen der meisten dem fraglichen Vereine ungehörigen und der denselben leitenden Mitglieder bezweifeln zu wollen, zumal da der sehr verehrte Herr Redact. ur tss. Bl. („'Nass. Schulblatt") ein so gewichtiges Wott in die Wasichaalc gelegt — ohne ferner verkennen zu wollen, welche Gottseligkeit es sei, für seine lieben Angehörige» zu sorgen: möchte Schreiber dieses, schon des PrincipS halber nicht anrathcn, die von Herrn Rosenbcrg beantra te Sache vorläufig weiter zu verfolgen, ohne in Anich.ag zu bringen, daß man möglicher Weise mit dem Antrag dennoch dürchfiele.**) Wozu aber auch etwas Halbes? Für die Waisen wollt Jbr sorgen! und der im Dienste grau und schwach gewordene Lehrer tirag darben? und die treue Gattin, die seine Freuden und Leiden und oft auch seine Noth standhaft mit ihm getra;cn. soll die betteln oder sich lebendig mit ihm begraben lassen, wenn er vor ihr beimgehet zu seinen Vätern? *) Ein erläuterndes Beispiel wird di« Richtigkeit dieser Behauptung verreisen: per 25 Jahren und noch frübrr bekam der, nicht selten von einem Haiidwcrk wezgeiaufenc, ohne eigentliche Lehrerbil'unz von einer Gemeinde „gedungene" Lehrer 50, 60 bis 70 fl. jährlichen Lobn, dazu frei« Station — allerdings Wandertisch — hatte den mehr oder minder einträglichqn Cchäcktcrdienst, in einer'mittelmäßig starken rSemeinde immerhin puf 65 bis 70 jl. jährlich anzuschlagcn, dazu eine Maste von Acciden^eit: Neumonds- und andere Gelder, mindestens zu 30 bis 40 fl. jährlich anzuschlogen. Hält man dagegen den jetzigen nackten Gehalt »ins Religionslehrer« mit 200 bis 2,0 fl., wenn auch hie und da «twaS drüber, dagegen, so leuchtet die oben aufgestellte Behauptung wohl ein. **J Die Befürchtung hat sich bewährt. Der- „Vater der Waisen" ist auch '„Richter der Wittwen." Entweder-«ine ganze, dem Stande angemessene Dersorgungsanstalt oder gar nicht. I Es liegt hier gewißlich die Absickt nicht zu Grunde, Intoleranz zu predigen, oder dttjeden Mcwchenfrcund schmerAch berührende eonsesstonelle Scheidung sanctioniren zu wollt»; time lasset Euch nur das Eine noch sagen, Jbr Standes- und Leiden», gcnoffen: zersplittert Eure wenigen Kräften nicht! E» ist Euch Gelegenheit geboten durch de» „Verein zur Unterstützung arbeitsunfähiger isr. Lehrer, deren! Wittwcn und Waisen in Deutschland" für Euch und die Eurigen zu sorgen, dahin wendet Eure Kräfte, in dieses Feld säet Euer» Samen, die Früchte, die da auswachsen, sind für Euch, für Euere Frauen und Kinder. Und weun dann-die Sonne unserer Erlösung ganz ansgegangen sa», und unser Stand nicht mehr als Stiefkind behandelt werde» wird dann wird eS uqf foT besser sein, wenn wir..»eben der Bersorgungsanstalt von: außen auch noch einer solcheu iw Lande angehören. „Befiehl dem Herrn deine Wege, Er wird dich leiten." J M. S. Nachbemerkung der Redaction: Wir sind mit dem Herrn. Correspondenten wohl in der Schlußfolgerung, „die Kräfte unserem Untersiützuagsvereine zuzuwenden," ganz einverstanden. Aber — mit Ec|r ganzen Auffassung der betreffenden Angelegenheit dur Lau» inicht. Wie, die Lehrerschaft eine- LändchenS im Herzen Deutschland» gründet einen wohlthätigea Verein — und schließt die um Ausnahme bittenden isr. Lehrer au»; und diese sollten schw igrn? Ist da nicht Pflicht, der cras» s-sten Intoleranz entgegenzutretcn? Wie will man da» Verfahre» gegen die isr. Restgio,S lehrer beschönigen? Ihre Stellung ist rn Nassau eine gesickerte; jüdische Volksschulen gibt'- dort nicht; und man w ist sie ab, während mau die Lehrer an Privatanstalten ausnimmt? Die RegierungSbr» Hörde in Nassau unterstützt die Aufnahme; die Lehrer der naisauischen Volksschule die sich „Communalshule" nennen läßt, weist die Juden ah? Wir möchten um gell. Aufklärung darüber bitten, welche Gzünde man sür ein solche- Verfahre» hat. U AuS dem nassauischen Mainthal. Von Seiten d.'S isr, Cultu? Vorstandes zu Hachenburg, ist nach Nr. 163 der „Miltelrh. Zeitung" eiste Eingabe um Gleichstellung der isr. Cultusgcm inven in Unterstützungen aus Staatsmitteln sür dwen Reli sionsunterricht an Vas Präsidium der zweiten Kammer eingelaufen. Aehnliche Petitionen liegen der Regierung var; ob si: Berücksichtigung findbn, läßt sich vorerst noch nicht bestimmen. — In Wiesbaben findef für d e Armen Palästina'- ein Eencert statt; dasselbe »st vom vcrtizen Synazogenverein veranstaltet und wird in Betracht dezzr erreichenden edlen Zweckes eine jedenfalls allgemeine Theilurhmr finden. — Die „Mittclrbeirüsche Z itnng," daS Organ her liberalen Partei in Nassau, beschäftigt sich seit längerer Zeit und zwar in der löblichsten Weise unt den Interessen de» Bere ns sür hilssbedürstiz: isr. Lehrer, sowie dieselbe überhaupt auf di: noch zu e w'rbend: Emanc pation der isr. Schule h nzuweis. n sacht. Wir können iyr sür diese- Bor» gehr» nur danken und die Gemeinden Israels zu treuem Festh iltcn an der Sacke drS Fortschritts ermuntern; oer schnurrbä tige Liberalismus will unS immer "besser, alS der glatte Urtraw.ontan SmuS. Flörsheim. Heß.