Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 5 (1865)
- Issue
- 38 (21.9.1865)
- Date
- 1865-09-21
- Page
- Seite 159 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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I 159 mäßig«« lieber« und Mißgriffe nicht über sich ergehen, durch weläie man Würde, Achtung und Selbstständigkeit de» Lehrer» schmählich schändet, indem man scheu und schamlo» den Lehrer noch unter den Taglöhner — zum gemeinen mpo herabzudrücken sucht: so hat er den, Vorstand beißend im Nacken. Und — in seiner ganzen Fülle fühlt er die gewichtige Bedeutung der Worte des Dichter-: SefShrlich ist'S, den Leu zu wecken, Verderblich ist deS Tigers Zahn; Doch der schrecklichste der Schrecke» Ist der Parneß in seluem Wahnl" — Feuer ist über Dach und ungesäumt geht es an da» Niedeweißen de- Easualgebäude» de» Lehrer-. — Wo da» „Mischeberachmachen noch in Gebrauch ist, wird e», de» — „ungehorsamen" Lehrerwegen — nicht aber der guten Sache des fortschreitenden Iudenthum» halber abgeschafft. Geht da» aber nicht^so, mir nicht-, dir nicht» bei-der ganzen Gemeinde, so sucht der Vorstand Manchen im Stillen zu beeinfluffen, durch Schmälerung der Mischeberach-Gelder dem Lehrer Emes ,u versehen! — die ntvrw, deren Erträgnisse nicht zum stritten Lehrergehalte gerechnet lind, verträgt sich jetzt auch nicht mehr-mit dem Lehrerbeiufe und man versucht'-, auch diese dem Lehrer zu entziehen und zwar oftmals durch Mittel, die den Zweck heiligen sollen!! — Ist der Lehrer vertragsmäßig pecuniär nach allen Seiten hin gesichert, und ihm ist hierin kein Hieb zu versetzen, so sucht man aas intrigante Weise bei kzl. Reg. um Auflösung der Schule; unbekümmert darüber, daß man dadurch schonung-los die Zukunft seiner eignen Kinder und dis Glück einer ganzen Gemeinte untergräbt*). — In unserer Pfalz, dem auSposaunten Lande, in welchem den isr. Lehrern — nicht aber dem „isr. Lehrer," unserm Organe — Milch und Honig fließen soll, wurden seit einigen Jahren drei solcher grausamen Opserbienste versucht. Ein Opfer wurde gehracht und ausgenommen. Die Schule zu H. wurde aufgelöst; aber der krankgkwordene Lebrer jener sich gleichsam selbst geistig zerfleischenden Gemeinde wurde nicht in die Ecke geschoben und alabgenutzte Waare behandelt, wie es undankbare Gemeinden durch Emfluß ihrer Vorstände zu thun pflegete». wenn sie bei ihrer Schulauflösung machen könnten. Mit Richten. Der Lehrer wurde durch kgl. Reg, pensionin! — . ©ott den Schleichwegen und Ränken so mancher Herren — jetzt besser unterrichtet, ließ die kgl. KreiSregierung das unbillige Ansuchen zur Schulaufiösung der andern Gemeinden 'scheitern. — Ein Passus des Regierung-erlaffeS an die Gemeinde die zuletzt um Schulauflöiuyz nachgesucht, lautet unter Anderm: Die Schule könne vur dann auigelöst werden, wenn der Lehrer vom Gehalt abstehe!! Schöne-Abfahrt einer kalte« herzlosen Gemeinde! der in der Gemeinde R. geopferte Lehrer R. wu'de, trotz vieler falscher Denuncationen nicht abgeseyt und brodlo» gemacht, wie rachsüchtige und undankbare Herzen wähnten, — gewiß nicht! Der müde Lehrer wurde mit noch mehr als vcllein Gebalte in den Ruhestand versetzt! — Dank einer so toleranten Regierung, die auch die isr. Lehrer ihre» Kreises schützt! Gut wäre es freilich noch, wenn dieselbe bei solchen erwähnten traurigen Vorkommniffcn auch den betreffenden Synagogenvorstand mit vollem Gehalte? pensioniren würde! Es wäre dann der auf vacant gewordene Schulstelle berufene Verweser nicht den Launen und Ranken eineso buntgefärblen Herrn X. aufgesetzt, der in seiner Gewiffenlofigkeit durch freche auf Unwahrheit beruhende Denuncation bei höherer und höchster ) Unmöglich! Solcher Selbstmord der Temetade ist doch unerhir. — Rid. Behörde den Verweser zu verdächti >en sucht, um ihm gleich von vorn herein in seinem Berufe den LodeSstoß zu versetzen. „Der Lehrer singt nicht nach den Brauns hweiger Gesängen und außerdem steht er mit dem penfionir en und einem Rachbarcolleaen in collegialischem Verkehr."!Do8 soll zum Vorwände und', Deckmantel solcher racheschnaubent m Auftritte dienen. — 3%« sagt: „Der „Bär" — ist schon f ut, »der die Treiber tauge« nicht. — In einem ränkevollei Vorstandskram freilich nicht! ES wäre übel gesagt', wem der Lehrer nach der Pseise eine» anmaßenden Parneß tanzen müßte (zumal die Parneßmustk keine so klang- und taktvolle ist); übel gesagt, wenn dir Syuagogeuvorstand auch des Lehrers Vorstand wäre. Der Vorstand ist Eynagogenvorstdnd- Als solcher hat er: 1) Die Eröffnung-zeit des Gottesdienstevoraus zu bestimmen; 2) die polizeiliche Ord rung während te- Gottesdienste» aufrecht zu erhalten, sich iber nicht zu kümmern, w»» und wie der Lehrer als Borb ter zu singen habe. — Alle gottesdienstlichen Anordnungen,! Verfügungen und Abänderungen sind Sacke des betreffenden Rab nner», nach denen sich der Lehrer als Vorbeter zu richten hat, Versucht eaber ein Vorstand, gottesdienstliche Abänderungen rc. zu tteffen, muß der Rabbiner energisch einschreiten und den zu weit gegangene« Vorstand auf sein ibm angewiesene- Bemfsfeld verweisen. E» kommt aber gar oft vor, daß selbst der Rabbiner nicht weiß, auf welchem Wege er den ve: irrten Vorstand zurückzuführe« habe, da auch ihm die volle kennt n iß pon der Vorstanosbe» ruf-weite abgeht, — 3) ist ter Vorstand auch CultuS-Borstand und hat in dieser Eigenst fall für die Beschaffung der Cul» tuSumlagen zu sorgen. — Diele drei Faktoren bilden also die Funktion eine» pfälzische« Syn< gogenvorstandes, wa» au» „Ehr. Eheliu»" Sammlung von Gese hen, Verordnungen und Direktiven in Bezug auf Religion-- und Schulsachen zu entnhmen ist. Demzufolge nun — eS is dieser Fall zwar ein Curiosum — ist ein gewisser Vorstaid nicht ermächtigt und berufen, an Festtagen In der Synagog: als Prediger aufzutreten. (!) der Parneß predigt, der Lehrer — dem zu predigen es strenge unterlagt ist (!) und die Gerne nde hören zu! Ist solche» schon dagewesen? Gerecht zu bleiben, dürfet wir nicht von Einzelheiten auf da» Ganze schließen. Verkennet wir darum nickt, daß es auch edle AuSnahm'n gibt, Vorflänte, die eS treu mit dem Lehrerstande treu und offen meinen t nd da» durch die That bekunden, waS sie gegen den Lehrer und deffen Stande Rechtliche» und Ehrliche» empfinden. — Haben wir doch feit jüngerer Zeit rühmliche Beweise für unsere Sehaoptung und Hit der Schreiber selbst nicht zu klagen, o eristiren derlei Männer von Eharakter doch nur in winzige: Zahl. Den meisten Lehrern geht daher da» Glück ab, ungekeänkt durch einen Parneß ihrem Beruke obliegen zu können. Da» dauert sicher so lange fort, bijeder Vorstand auf administrativem Wege in ferne (!) Rechte einzewiesen ist. — Di ’ Bestimmungen über die Vorstands-Funktion find nicht klar genug, sie liegen in.den Regie» rungsowfügungen, wie in oben genannter Sammlung zu rer« l streut und das die Ursache, warum die Herrn Vorstände mit! dem Umfange ihres Berufenicht vertraut genug sind. Etwa» . Bestimmtes und Festes tmß da sein, den Lehrern zur! Richtschnur dienend, denn e» kenn der Fall sich zeigen, daß der , angegriffene Lehrer (besonders in noch junger Mann) zu ver-, kehrten Richtungen feine Zuflui st nimmt und somit der Zorn- und Ehrgeizwuth des pochend n Parneß neue Nahrung gibt, die ihm dann gar oft seinen je üitischen Zweck erreichen hilft. Unserer Ächtung und Selbständigkeit dürfen wir dar polternde Parneßwesen i t seiner gewohnten Weise nicht länger schalten'lassen. Wir möchten dieses unseren pfälzischen College« i« bedenken geben, dumit diese auf Abhilfe sinne«!