Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 5 (1865)
- Issue
- 38 (21.9.1865)
- Date
- 1865-09-21
- Page
- Seite 158 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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158 nrD“oi_ ruar ^nn /iro^pi nw rtfon Hin -fei bat Jahr mit seinen Leide». DaS Reu« komm' und bringe Freuden. Allen strebenden Genossen, allen wackern Lehrern, Allen die im Dienste Gottes und der Menschheit Gutes wirken, Allen, die das Gute stützen mit Kraft und mit Muth und mit hingebender Begeisterung, Allen, die das Streben und den Frieden lieben, wünschen wir herzlichst ianan -naio nj»i> ein frohes und glückliches Jahr. Klingenstein. Wie muH der Religionsunterricht beschaffen sein, wenn er die Schüler wahr- __ hast religiös machen soll? cSht Forlrag. gehalten am 8. Znni in der XV. allgemeinen deutschen Lehreroersammlung zu Leipzig. Bon Tiedemann auS Hamburg.*) „Neben den Forderungen, welche an die Schule der Gegenwart gerichtet werden, oder besser, über ihnen steht voran und klingt immer wieder durch diejenige, daß die Schule für das Leben wirken solle, und das gewiß mit vollem Recht. Ich habe mich nun gefragt, meine Herren, ob wir nicht oft in dem Fall gewesen sind, diese Forderung fast nur auf die Kenntnisse und Fertigkeiten ^u beziehen, die dem Berufsleben dienen sollen, ob wir uns auch immer ernsthaft die Mahnung vorgehalten haben, daß auch Religion für das Leben gelehrt werden und für das Lrben. bilden soll. Sie steht nicht selten so isolirt, sie wird so wenig mit dem Schulleben verwebt, die Schüler werden mit ihr und ihrer Urkunde, der Bibel, so wenig betraut, daß wohl, wenn sie der Schule entwachsen sind, der Eine sich für (beschichte, der Andere für Gesang, der Dritte für Naturwissenschaften, kurz Jeder für irgend etwas interessirt, aber die Religion beiseite legt! So kommen, wir zu der trostlosesten aller Erscheinungen, zu der tief verletzenden Aeußerung: „für den Intelligenten gibt es keine Religion, für ihn ist keine nöthig," oder auch zu der nicht minder trostlosen Erscheinung, daß bei Vorschlägen zu Reformen im Schulwesen, zu Schulgesetzentwürfen gesagt wird: „der Unterricht wird an 5 Wochentagen ertheilt, Religions-, Turn- und Wastenünterricht am Sonnabend.**) Daß ich nicht übertreibe, werden Sie mir wohl zugeben, mir auch glauben, daß ich tzie Schuld nicht in der Schule allein suche; sie liegt vielmehr häufig in dem Haschen nach *) Wir erlauben uns. diese bedeutungsvolle Rede, der wir später auch die einschlägliche des Herrn Rabbiner t>r. Goldsckrnidt von Leipzig folgen lassen werden, hier «bzudrucken: natürlich unter Hinweglafsung aller rein christlichen Stellen. — Red. **) Das ist ganz besonders das sehr traurige Berhältniß bei den isr. Schülern in den Städtenwo dieselben gar keine jüdische Lehranstalt^ besuchen, und nur in einigen für jede geistige und gemütliche Erhebung vollständigst unbrauchbaren Stunden in „Religion" unterrichtet werden, — wenn sie überhaupt Religionsunterricht erhalten. Wie Biele aber er^alren nie etwas von Religion in der Schulzeit! — Red. l dem Aeußern, nach Glanz und Sinnlichkeit, das wir unserer Zeit nicht ganz absprechen können. Wir aber haben die Verpflichtung, die Schuld immer zuerst in uns selbst zu suchen, und ich glaube, wir müssen, wenn wir ehrlich sein wollen, einen 'Theil der Schuld dem Religionsunterrichte beimessen, so wie er oft ertheilt worden ist und noch wird. Cr wird, kurz gesagt, gewiß viel zu selten nach pädagogischen Grundsätzen ertheilt, kann daher auch nicht in das Leben dringen, die Schüler nicht religiös machen, und darum habe ich geglaubt, nicht unrecht zu thun, wenn ich auf einer solchen Versammlung dieses Thema bespreche. Religiosität ist ein schönes und vielumfassendes Wort — wir sollen die Schüler, um es mit einem Worte auszudrücken, zum Leben in Gott führen. Wenn ich es etwas weiter auseinanderlegen soll, so denke ich mir unter einem religiösen Menschen einen solchen, der alle seine Pflichten treu erfüllt, aber auf Grund des Glaubens an Gott. Gesetzmäßige, pflichtgetreue, berufsgetreue Menschen finden wir allerdings noch viele, aber sie habe« oft andere Gründe, als den Hinblick auf Gott, und dann müfien wir ihnen das Prädikat der Religiosität absprechen. -j (Schluß folgt.) Wochenbericht. AuS der Nachbarschaft. Herr Redakteur! eS ist befremdend, daß in diesem Blatte noch keiner Erwähnung geschah von einem, wie es scheint, in Ihrer Nähe, in dem von Bürgern dreierlei Bekenntnisses bewohnten Orte M.m neu aufgegangenem historischen Litte. Der in diesem Orte locirend« jüngste evangelische Lehrer, der wahrscheinlich nur darum diesin untergeordneten Stand gewählt, weil er als Leib- Schuster nicht verstanden, die Schuhe anzupassen, daß man nicht weiß, wo sie drücken. — Duser Herr wußte, während er auf siinem Dreilein da» Leder zur cht klopfte, aus der Geschichte herauszuklopscu, daß die Juden von Zigeunern abstammen. Nu«, warum hält cr denn an dem durch dieses Zigeunervolk in die Welt gekommene Grundgesetz: die „Zehngebote" und welche Abstammung vindicirt er dadurch dem Stifter seiner Religion? Sollte er nicht daran gedacht haben, daß er damit dem Evangelium Hohn spricht? — Und so geistreich wie dieser Geschichtsforscher rm Aussinken ganz neuer geschichtlicher Merkwürdigküten ist. eben so fern ist er in der Akt und Wnse seinem Vertrags, wenn er seinen Eleven die Ursachen angibt, aus welchen ine Juden Matze „fressen." Wahrlich, ein solche- Grnie de- 19. Jahrhunderts verdient aus der Dunkelheit, wohin ihn sein Pech versetzt, hervor- und möglichst hoch hinaufgezogcn zu werden, dam.t ihm der seinem Versiertste gleichkommende Orden: zwei Ohren in grauem Felde, zu Theil werde. 'Vom hintern Donnersberge (bahr. Pia!;), im Aug. Unsere Pfäczer Vorstände, die die Grenzen lhrer Funktion nicht kennen, machen oft hier und da die sonderbarsten Eingriff« in de« Lehrerveruf. Solche von Verkehrtheit durchdrungene Anmaßungen sind der Zankapfel, der dem Wirken keS Lehrers hemmend in den Weg tritt, und darum gehört es nicht zu den Seltenbeiten, daß Lehrer mit den ShnazozenvorstLndc« in heftige Kämpfe gerathcn. Läßt der gewissenhafte Lehrer diese unrecht-