Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 5 (1865)
- Issue
- 38 (21.9.1865)
- Date
- 1865-09-21
- Page
- Seite 157 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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157 _ Es ist wahr, wir haben das Wort ergriffen auch zum ^Kampfe, zum Streite, denn a'y&ri> vito ien oivv i’x. Kein Friede, spricht Gott, mit den Bisen; wäre es ein rechter und dauerhafter oder ein fauler Friede, wenn wir auch diejenigen geduldig und stille gewähren ließen, die selbst den Unfrieden unter die Glieder unseres Standes säen, heilsame Anstalten untergraben, die friedliche Entwicklung stören, den Samen der Zwietracht unter uns auszustreuen suchen? Hätten wir auchdann die Pflicht und das Recht, stille zu schweigen um des lieben Friedens willen, wenn dadurch der Same des Bösen, der ausgestrcut wird mit vollen Händen, fortwuchern würde? Oder ist es Pflicht zu schweigen, wenn man unter dem Deckmantel edler Thaten und wohlthätiqer, lchrersrcundlicher Gesinnungen dem Eigennutz, der Selbstsucht fröhnt, die Lüge verbreitet, dem Fanatismus dient, und die Lehrcrwürde und den Lchrerberuf schändet? ' Würde ein Friede, der sich auch auf diese Genossen unseres Standes erstreckte, dauerhaft und segenbringend sein? Zn solchen Fällen, nein, da gibt es keinen Frieden um jeden Preis, da steht die Wahrheit über dsn Frieden, da gilt's die Wahrheit und das Rechte m pcrfcchftn mit aller Kraft, das ist rin heiliger Kamps, Vcrtheidigung gegen den Friedensbrccher um des Friedens willen: Gerade aus dem Kämpft mit dem Bösen, dem Falschen, deni Unrechten cnstrht erst der wahre Friede. Nur solche Kämpfe waren cs und werden cs auch für die Zukunft sein, die der „Jsr. Lehrer" aufnimmt, denn auch dadurch dienet er der Wahrheit, der redlich gewonnenen Ucbcrzeugung, dem rechten Frieden. Wir haben, seitdem wir diese Zeitschrift rcdigiren, vieles, ach sehr vieles lernen müssen. Aber, eines, was wohl viele lernen, was fast auch dazu, gehört, um nirgends anzustoßen, werden wir, so hoffen wir mit Gott, nie lernen: die Wahrheit verschweigen, das Schlechte und Niedrige geduldig hinnehmen. Offenheit, Klarheit, Wahrheit — und Frieden! Aber unseren Genossen im Lchrcrberufe möchten wir aus vollster Seele zurufcn: wahret den Frieden unter uns um unseres Standes willen! Wir haben auch in letzter Zeit viel, sehr viel, über uns ergehen lassen müssen. Wo der Angriff nur unsere Person galt, da haben wir zu schweigen gelernt; es ist uns ganz leicht geworden. Was wollen eigentlich diejenigen, die uns persönlich in der allgemeinen Achtung beruntcrzusetzen suchen? Wir haben mit Wissen absichtlich Niemanden ein Leid zugefügt! Diese Angriffe gelten der heiligsten Aufgabe unseres Lebens, gelten diesem der! Grsammtheit dienenden, sein Feld unter unausgesetzten Opfern und Kämpfen behauptenden Organe, gelten dem Unterst ützungsverein. Wer nachdrnkt, wer ein Lehrer ist, dem muß, auch wenn er mit einem oder dem andern in der Form, in den Statuten, in der Art der Leitung und Verwaltung dieses Percins nicht übereinstimmt, doch ein Angriff auf diese wichtigste und einzige Vereinigung des Lehrerstandes wie ein Verbrechen an die Hoheit des Standes selbst schienen. vHv vidv f'in, Dito. Doch nein, heute nicht anklagen! Zum Frieden wollen wir sprechen. Was um Gotteswillen könnte uns, die wenigen Lehrer einer kleinen Genossenschaft, die obwohl zerstreut in so und so vielen Gemeinden, doch im Allgemeinen unter gleichen Verhältnissen leben und nach einem Ziele streben, veranlassen auf Streit $u sinnen? Fordert uns nicht Mes auf, .Einigkeit und Frieden unter uns walten zu lassen, die Anstalten, die wir geschaffen haben, gemeinsam zu fördern und zu stützen? Noch heute stehen wir in vielen Beziehungen im. Gegensatz zu den leitenden Mächten; noch heute werden die Meisten von uns sich über Mangel an Achtung,, an Einkommen zu beklagen haben! Leidet nicht der Stand mit dem Einzelnen, der Einzelne mit dem Stande? Werden wir nicht an Achtung verlieren, wenn man sicht, wie wir uns gegenseitig angrcifen und in öffentlichen Organen schmähen und vcrläumden? Was werden die Einsichtigen über solches Gebühren denken und sagen? Werden wir nicht wieder viel von dem mühsam errungenen Boden aufgeben müssen? Nein, Freunde und Genossen! Zn Frieden und Einigkeit wollen wir das, was wir zu gründen und zu bauen so glücklich waren, fort rmd fort gemeinsam fördern! Wir haben schon in der ersten und fünften Nummer dieses Blattes die Gründung eines isr. Lchrcrbundcs über ganz Deutschland hin als rmser Ziel, als die Aufgabe des Organs hingestellt. Noch heute streben wir dasselbe an. DicUcbcrzeugung, das eilte Pcreinigung aller Glieder unseres Standes über ganz Deutschland hin die segensreichsten Folgen haben muß, ist uns eine unerschütterliche; und wir thcilcn diese Utbcrzcugung mit den ehelstcn Männern; sic wird von den bereits errungenen Erfolgen unterstützt und getragen. Warum also durch Zwietracht erschüttern wollen, was unter, der Sonne des Friedens herrlich gedeihen muß, zum Segen für uns, für alle Genossen unseres Standes, für unsere Religionsgesellschaft, für unser gemeinsames Vaterland?! „Zn jeder Genossenschaft ist der Gemeingeist, das Zusammenwachsen in Eins, die Hauvtsache. Ein Hauptfeind ihres Gedeihens ist der Ucberfluß a» faulen Gliedern und der Mangel an energischem Griukmgcist." (Riehl, die menschliche Arbeit.) So bieten, wir denn, nach attcr gute Sitte, über die heiligen Festtage hin allen Berufsge nassen die Freundeshand. Laßt uns in einigem friedlichem Wi ken aufbauen segensv/ölle Anstalten; laßt insbesondere uns v reinigen in dem heiligen Bunde,^.dcn wir gegründet haben fi r die im heiligen Dienste ermüdeten hilfsbedürftigen Genossen unseres Standes, für — unsere Wittwen, unsere Waisen. Laßt uns im friedlichen Verkehre in diesem unser« m Stande geweihten Organe austauschrn die Zdcen und 1 Erfahrungen, die wir in unserm Berufe verwcrthcn können, »amit die Wohlfarth, das Glück, die Ehre, die Berufstüchtig eit und Berussfreudigkeit mehr und mehr gefördert werde unter uns. Niemand fehle, kein Einziger bleibe zurück! Dann wird, dann muß wenn wir uns Alle einmüthig schaaren u n unser Panier, die Zeit bald kommen, wo man die Bedeut mg unseres Standes anerkennt und unsere Lage in enffpr ehender Weise sich regelt. Di'?»! D"N Leben und Frieden! Möge das neue Jahr uns und allen Genossen unseres Standes ein lrbenbringendes sein, damit durch unser einmüthigrs Zusammenstreben gefördert werde der Frileden, das Heil der Gemeinden Jftaels und der ganzen Menschheit.