Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 5 (1865)
- Issue
- 38 (21.9.1865)
- Date
- 1865-09-21
- Page
- Seite 156 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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ständniß, Du hörst gleichsam den PulSschlag ihres Herzens in Deinem Herzen, Du fühlst in Dir, wie ste wachsen innerlich, wie sie aufstreben zum Lichte und heiliger Empfindungen und Entschlüsse voll werden, bist Du da nicht beglückt und reichlich belohnt? Hast Du ja das Herrlichste vollbracht, Menschen ihrem göttlichen Berufe, ihrer Bestimmung näher geführt; und die Aufbietung Deiner geistigen und körperlichen Kräfte hat, einen schönen Erfolg I Wahrlich, daS Leben ist süß! Haben aber die Lehrer der Jetztzeit . diese erhabene, glückbringende Kraft dcS StrebeuS, die auch fein muß eine Kraft der Selbstentäußerung, der AufopfernS?! Wir wollen nicht anklagen, aber — daß Manches anders werden könnte, wenn wir anders wären, wer möchte es leugnen? Wohl habt Ihr Recht Ihr Lehrer, die Ihr klagt, ob der Zurücksetzung und Undankbarkeit, die Euch treffen; wohl habt Ihr Recht, zu behaupten: um streben zu können, müssen wir leben können; und wo die allernöthigsten Bedürfnisse zur Fristung des Lebens oft mangeln, da ist es schwer, den Geist zu erfüllen mit hohen Ideen und Entwürfen und daS Herz zu fortgesetztem, begeistertem Streben iiü'Berufe zu kräftigen; wenn die Sorge uns zu Bodeu drückt, wie können wir da die Schwingen des Geistes emporheben zum Lichte? Ja, uns hat das Wort irei O"7iv oft keine andere als die nüchterne Bedeutung: Herr, gedenke unser, daß wir zu leben haben! Das mag für Einzelne unter uns seine volle Berechtigung haben; Viele, pie große Mehrheit kann sich mit diesen Worten nicht entschuldigen; und diese insbesondere trifft der Vorwurf des Stillstehens,' des Mangels an Sinn für das Vorwärtsstreben mit vollem Rechte. Ja, es ist wahr; wenn in den letzten Jahren, seitdem dieses Blatt feinen Lauf begonnen hat, manches besser geworden ist in der deutsch-israelitischen Lehrerwclt, so dürfen wir uns doch nicht verhehlen, daß der größte Theil unserer Genossin dem Streben für die Gesammtheit heute noch so ferne steht, wie nur je; daß heute noch cm« große Zahl leerer Menschen „Lehrer" in Israel genannt werden, die diesen Ehrennamen nicht verdienen! Do zeigt sich mehr die Kraft und der Willen zum Weiter streben als in der Theilnahme für die Interessen der Gesammtheit? Wo kein Sinn waltet für das Allgemeine, wo die Bestrebungen der Genossen in der Presse und in den Versammlungen und Vereinen nur Gleichgültigkeit oder Hohn finden, da kann das rechte Streben nicht sein, da ist kein Sinn für Fortbildung, keine Energie " des Wollcns und d?s Handelns, und der Alleinstehende, der sich selbst genügt, ist cn dürrer Baum in der Wüste, sein Wirken in der Schule kankr nicht segenbringend sein; seine Aussaat, die nicht in der Gegenwart wurzelt, weil er nur von dem zebrt, was er als dürre Frucht in feiner Jugend eingehmmfnhat, ist ohne lebendige Triebkraft, ist nicht lebensvolle Saat für die Zukunft. Darum fordern wir von der gefammten isr. Lehrerwelt, von allen Lehren» cn ein Leben in Wahrheit, ein Leben im Streben.' Wir fordern, daß sie T h silnahm e beweisen für alles, was ihren Beruf angcht, nicht allein für die Reguiirung ihres Gehaltes, sondern auch für - die Fortschritte auf geistigem Gebiete; Theilnahme für das Streben in dm Conserenzeu und Lehrerversammlungen, in der pädagogischen 'Presse. Die Coaferenzen mögen noch selbst sehr der Ausbildung und Vervollkommnung bedürfen; Immerhin find sie ein unschätzbares Mittel der Anregung, der Fortbildung und Erhebung de» Einzelnen und der Gesammtheit. Wer da zurückbleibt aus Gleichgültigkeit, oder weil er sich hoch erhaben dünkt über seine College» und ihre Wirksamkeit; über das, was dort gesprochen und geleistet wird, der verdient, daß man seinen Namen brandmarke, weil er sich des vorzüglichsten Mittels zum Befferwerdm beraubt. — Und ebenso ist's mit der pädagogischen Presse, ist's mit den Schriften, die die Fortbildung des Lehrerstandes zum Zwecke haben. Nur verkommene und verlorme Menschm können lächeln und geringschätzig herabschauen auf das, was die Genossm im Lehramts mit aller Hingebung z» fördern strebm. Laßt uns schäum das Licht des wahrm LebmS, laßt uns streben, so lange die Sonne des Geistes uns erleuchtet, für uns, für unsere Kinder, für Israel, für die Menschheit! Wir wollen darnach trachtm, in unserem Berufe das Beste zu leisten, und um vaS zu können, streben nach Fortbildung, wo uns die Mittel hierzu geboten werden. Wir wollm ausbauen helfm das Feld der Pädagogik und insbesondere die jüdische Schule mehr und mehr vervollkommnen, daß sie dem Ideale, das wir vom Judenthume und von der Schule in uns tragm, entspreche. Die Volksschule kann nicht immer Alles leisten, was zuweilen auf dem einm oder anderen Gebiete ihr zugemuthet wird. Aber, indem wir uns zusammenthun, um wissenschaftlich unfern Blick zu klären mid festzustcllen, was sie in Wirklichkeit zu leisten vermag und also auch zu leisten verpflichtet ist, hal»n wir das beste Mittel, überspannte und unklare Forderungen abzuweism, zu welchen man insbesondere in jüdischen Kreisen oft allzusehr geneigt ist. Indem mir uns jedoch bemühen, das rechte D"n, das wahrhaft edle Leben und Streben in unsere Kreise einzuführm, bedürfen wir noch eines Mittels, das eigentlich Selbstzweck ist, — wir bedürfen cV?» des Friede»-. — 2öj» ist das Leben ohne Frieden? Wo gibt cs ein Glück ohne Frieden? Nur wo der Frieden weilt, ist der Segen, das ist ein bekanntes und bewährtes Wort, wbo schwebt dem Jsraelitm fast stets auf der Zunge. Mit diesem Worte begrüßt er dm Freund und den Sabdalh, mit ihm schließt er sein Gebet, mit ihm erhebt er sich vom Tische. Nur durch und im Frieden läßt sich Großes schaffen. Wenn der jüdische Lehrerstand seine erhabenene Aufgabe erfüllen will, so muß Frieden herrschen unter feinen Gliedern. Wir wollen heute nur dies eine beachten, was wir über das große Wort sagen'könnten; wir wollen nicht sprechen vom Frieden, den der Lehrer stiften muß in seiner Gemeinde, in dem er selbst mit den Gliedern derselben leben soll und muß, wenn fein Wirken ein gesegnetes sein soll; nur vom Frieden unter den Gliedern des Lehrerstander soll hier die Rede sein; es ist ein Gegmstand, der unS sehr nahe geht, der unS auf's Tiefste bewegt. Warum aber, werden die Leser fragen, haben wir von so vielmKämpfen und Streitsachen gelesen im letzten Jahrg. dieser Zeitschrift, da sie doch — nur stimmen darin überein, — berufe» ist, dm Frieden und die Einigkeit unter den Lehrern Herzusteller!