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Der israelitische Lehrer · 1865-09-14 · 37 (14.9.1865) · p. Seite 152

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
5 (1865)
Issue
37 (14.9.1865)
Date
1865-09-14
Page
Seite 152 (sequence 2)
Language
German
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christliche Religionsgesellschast das Abendmahl, wird es die i Taufe, wird es die religiöse Sanktion des ehelichen Bundes j aufgeben? Wie Sie diese (Zeremonien innerlich auffassen, das thut nichts zur Sache; immer lind, es (Zeremonien! Wir wollen hier noch auf die Auffaffung der alten Kirchen, deren Bekenner wohl noch Jahrhunderte die Majorität bilven werden, aufmerksam machen, denen bteie (Zeremonien „S a cramente" und, zur Seligkeit unentbehrlich, ein Begriff, den wir im Judenthum. nie^ kannten. Daß Lessing Nathan nicht da» Wort des Tempelherrn „Kennt Jdr. auch das Bol! „Das diese Menschenmäkelei zuerst »Getrieben?? - abweisen läßt, darin findet Herr Play eine Anerkennung Lesüngs oder Nathans für.die oben ausgesprochene Behauptung? Wie naiv! Nun! auch im Judenthum war das (Zeremoniell nie die.vailzüsache; nie, auch im finstersten Mittelalter nicht. Selbst in den Zeiten, in welchen das Ceremonienwe'en alles gesunde'Geistesleben überwucherte — zu denselben Zeiten wo dogmatischer Schwulst, dumpfe. Scholastik, Fanatismus, Inquisition und. psäffiiches finsteres Kirchenthum auch jede freie Richtung im Ehi istenthum nicht aurkommen lies; und die verschiedenen christlichen Bekenntniffe in aufreibenden Kriegen aneinandertrieb — lebte doch der Geist edler Sittlichkeit, Sinn für Wohlthätigteit und edles Familienleben im Judenlhume, und konnte ich Herrn Play Aussprüche von Männern des Mittelalters, von Aben Esrc>, Maimonides u. A. ansühreni — er würde staunen über die Geisteshoheit, über die tiefe und lichtvolle Erkenntnis;, die stch in ihren Worten aussprichr. — Nein, kein Jude, und sicherlich nicht M ndelssohn amd Ritter, die Sie als GewäbrSmänner auffnhren, würde Ihnen zugeben, daß die Ethik des Ebriii'ntuuin.s-«ne reinere, zart're, tiefere »ei al§ die des JuSrnlonn's. M.t aller Eat'chiedenqeik muß jeder Israelis hiergegen prot^stireni Sonderbar!. Sie verwahren sich dagegen, Ehrjstus'alsSamaritaner a.'erkennen zu lassen, der den Jn^en einen., edlen'. Samaritaner als Beispiel zur Nachthmiina vorhielt da dt. ovch^geso.'.t-habe: „Fhr wiffet nicht, was Irr anbetet, das.Heil^iomint von den Juden Sie verwahren Leriwr-gegeu den Vorwu.f der Fanatiker, die in ilim einen JndeneunÄ Jtldenaenoffen entdeckt zu babe» glauben, und doch find Ihnen alle Inden, welche einer rieten Richtung huldigen, alle Diejenigen, welche fich durch edle Sittlichkeit tut. geistige.'hoh ul ausrichr.en, eigentlich Ehristen ir jüfilchen Kieldern! Wiss.n Sie nicht, daß Sie diesen Männern hiermit Falschheit uirö Henche'ei unterste! .n? Wie. weil Mendelssohn christliche (?) Philosovü.n, wie Locke und Leibmtz verehrt und hochstellt, ioll er da-s Resormatoriiche dem Ehristenthum entlehnt haben?! So wenig kennen Sie Mendelsohn, kennen Sie seine Lebensgeschichte, und-doch-diese unzarte Verunglimpfung > im Geiste Lavaters nach seinem 'Tode? Nein, bei Gott, nicht durch seine Philosophie', nicht durch seinen göttlichen „Phädon," auch nicht durchweine erhabene „Morgenstunden." - selbstnicht einmal durch sein s,Jerusalem, oder über religiöse Macht und Judenthum", hat Mendelssohn irgendwie ti: feingreifend auf Juden und Judenthum gewirkt. Durch diese Schriften wäre er eben so wenig bedeutungsvoll für die Juden geworden, als es der jüdische Philosoph Spinoza ward. Nurdurch seine Uebersetzung des Pentateuch und die hebräische Erklärung zu demselben (Biur) ward er uns das, was erunsgewordenist, der Reformator, wirkte er auf Geist und Leben seiner Glaubensgenoffen. Ich glaube, von seinen übrigen Schriften hat auch bis heute noch mehr als der hundertste Theil der Inden keine Kenntniß. — Und darum hat er gewirkt und gelebt als Jade, in der heiligen Ueberzeugung, daß dar Judenthum als Religion ebensowohl zu der höchsten Stufe sittlicher als geistiger Erhebung führen kann und d.e höchste, religiösen Ideen verkörpert, durch welche die Menschheit stch sortpflanzt. Und wie Mendelssohn, so denken und fühlen alle die gebildeten Israeliten der Jetztzeit die mit Geist und Herz angehören ihrem Vaterlande. die theilnehmen an alle, Geisteskämpfen der Gegenwart, auf der Höhe der Zeit stehen, das Fortschreiten in der Wissenschaft in der Kunst, im sittlichen und staatlichen Loben wie in der Schule än- Itreben und doch auch wiederum mit ganzer Seele und ganzer Kraft treu anhängen dem Bekenntnisse, in dem sie geboren find. In dieser Ueberzeugung leben und sterbe, die vielen deutsch - israelitischen Rabbiner und Lehrer, unt« welchen Männer von sittlicher Kraft und Be zeisterung für alles Hohe und Edle. — Fühlt Herr Platz de», nicht, das; er trotz allem Aufwand an schönen Worte, denn doch allen diesen Männern' Halbheit, Jnconsequenz. Ueberzeugungslofigkeit oorwirft? Rem, wir kennen bas Ehristenthum, in seiner Schale und in seinem Kerne. Umgeben von seinen Bekennern, getragen von den A»- schauungen einer Gesellschaft, die aus dem Christenthum ihre Lebensanschauungen schöpft, müsien wir es studiren im Wesen und in der Firm. Oie Abirrungen Henzstmberst wie der Syllabus Pabst P us IX. können uns nicht irre machen, Wmn wir die Ueberzeugung gevonnen hätte», daß cs wirklich sittlich höher steht als das .judenthum, daß w.r in ihm der Wahrheit näher kommen könnten, da», würde keine Sophistik uns vor dem Vorwurfe der Heuchelei schützen können, wenn wir noch länger im Judenthum beharrten - und es lehrten. Wir haben als einfacher Volkslehrer, ohne den gelehrten Apparat, der zu 'olcher Polemik nöthig erscheint, du Feder ergriffen, um das Heitigthum unserer Seele vor Verunglimpfung zu wahren. Wir müssen unsere Leser um Verzeihung bitten wenn unsere Darstellung nicht die ganz« Krait und die Vollendung im Geiste ujtd m der Form zei,l, die wir ihr gerne geben möchten. Wirl fühlen unser« Schwäche. Wir haben nicht die Absicht, als Gegner d.- Herrn Platz zu erscheinen. Nur unser Heiligthßm wolle, wir erahreir! Die Verehrung, die wir vor dem erste» deutschenLehrer, vor dem „Meister an der Spree' hegen, hat uns die Feoer in die Hand gedrückt. Wir möchte« weder unS noch unser Judenthum von diesem Manne und überhaupt von Männern, welche auf der Höhe der Zeit stehen, verkannt wiffen Wir müssen constatiren: Da? Judenthum ist sicher ebensowohl als da« Ehristenthum eine Religion, die sich mit de» höchsten und erhabensten Ideen der neuen Zeil und aller Zeiten identificirt. Wenn man uns aber endlich nach iinserer schlichten unif

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