Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 5 (1865)
- Issue
- 37 (14.9.1865)
- Date
- 1865-09-14
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/4896751-5428734-5431531--1162-4897703- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Zeitschrift für die gesammten Interessen des israelitischen Lehrerstandcs Kr Amelitiürlie Keiner und zuglrick Organ für den Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer Lehrer, Lehrer- Wittwm und -Waisen in Deutschland. _:_2_ N°. 87. Mainz, den 14. September 1865. (Fünftel? Jahrgang.) LLchevkNlb 1 Rümmer. Vierteljährlicher Abonnementspreis 27 kr. 1/4 Lhlr. Bet frankirter Zusendung unter Kreuzband jäbrlich 2 il. 12 kr. Anzeigen zu 1 Egr. die Petitzeile. Bestellungen nehmen alle Postämter und Buchhandlungen an. Lesfmgs Nathan. (Schluß) Als letztin religiös-sittlichen Grundsatz hatte Herr Platz im Nathan den erkannt, daß „ächteHumanität, wahre Menschlichkeit d. h. die gesunde Entfaltung alles dessen, was von Gott in der Natur des Menschen angelegt ist, uns als das Höchste zu erstreben bleibt, daß sie allein die ächte Frucht und das vollgültige Zeugniß wahrer Religiosität bilde und zu ehren sei. wo man sie findet." — Jnd>m Herr Platz den „erhabenen sittlichen Gehakt des Mosaisnus,- anerkennt vnd dcß Mo'cs mit Recht sagen körnte: „Do ist ein so herrliches Volk, das so gerechte Sitten und Geböte habe, als dies Gesetz?" fährt er fort: „EinLebtnsodem „„beginnender"" (!) Humanität durchzi.ht das ganze Gesetz. Aber es ist auch r och mangelhaft. Tie Schätzung des Menschen wird vielfach noch von zufälligen und äußeren Ilnterschirdcn abhängig gemacht. In der Ehe, bei Ehescheidungen kommt die Würde der Frau, als der ebenbürtigen Gehilfin des Mannes, keineswegs zur Anerkennung und Geltung." Mo steht das? Ter „Mosaismus ist ein Gesetz des Alterttums und für den Ori,ut be- ' rechnet." Wo aber ist im ganzen Alterthum die Stellung der Frau in so würdiger, wenn auch unseren heutigen europäischen Anschauungen nicht ^onz analoger Weise ausgesaßt? Zeigt nicht das Schöpsungsv ort ,>'ch w.ll ihm eine Gehilfin macken, die um ihn sei," was der Mosaismus. im Gegensatz zu den Gebräuchen und Anschauungen» wie sie die ganze damalige Welt hatte, vom Manne und vom Weibe verlangt? Sehen wir nicht in der Art, wie die Patnarchen ihre Frauen behandeln, im Einfluß Sara's aus Abraham u. s. f-, daß schon sie die Frau Hetzer hielten, als cs damals Sitte war? find die Ehegesetze, die Gesetze der Reinheit und Reinigung, die Rechte der Frau zur Wahrung ihres Rufes, selbst der Chalizoakt und so vieles Andere, zeigt das nicht wie das Werb dem Religionsgesetz gegenüber als gleichberechtigt galt, wie dessen Sittlichkeit, Reinheit und < Würde hochgeachtet war? Wir wüßten nichts, was im MosarsmuS dem Weibe einen geringeren Werth als Mensch beimesie, als dem Manne; und sonstige Unterschiede sind vollständig errrlevant; fie gründen fich auf die Natur der Verhältnisse; gesetzliche Unterschiede bestehen theilweise übrigens selbst heute noch und werden in aller Ewigfiit bcstehen. „So hat nach den Gesetzen über den Mord der Eclaoe, und wenn er noch so trefflich wäre, dcm schlechtesten Freien gegenüber einen fast verschwindenden Werth." — Dir führen hiergegen das Wort der Schrift als selbstredend auf: (2. B. M. 21, 20) Wenn Jemand seinen Sklaven oder seine Sklavin schlägt, und er stirbt unter seiner Hand, so soll cs miedervergolten werden! — „Das Ceremonialgesrtz gibt ein Zeugniß von diesem niedrigen sittlichen Standpunkt." — Wie wenig kennt doch Herr Platz das, was er zu beurtheilen! unternimmt. Ter Mosaismi s bat als'Ceimonicn sc.st nur j Bestimmungen über Feste, Sabbathe uno Gottesdienst- — und hat diese ^dos Christenthum weniger als das Judenthum, und gibt >s wohl Menschen, nuch der sortgcschrit- [ teuften Richtungen aller Consessioncn selbst unserer Zeit, die diese ernstlich entbehrlich finden? Sind die Feste nicht > ein Bedürfniß sür die arbciteude Menschheit, müßte man sie nicht aus Sanitäts- und anderen staatlichen Gründen erfinden, wenn sie nickt schon da wären? Wahrlich, wenn der Mosaismus der Menschheit nichts gebracht bätte, als nur den Eabbath, man müßte ihn den Woblthäter der Menschheit nennen. Tie Cercmonien, wie sie sich aus den Grundlagen des gesammten religiösen Lebens, die der Mosaismus enthält, entwickelten, mögen rm Lause der späteren i Zeit sich angeheust und dadurch den edlen Kern vielfach > entstellt haben; sie mögen zur Verknöcherung des Juden- , thams im Mittelalter beigetrogen haben, — das Judenthum therlte dies Schicksal mit dem Christenthum deS Mittelalters. Tas Judenthum hat Ceremonien, Gebräuche; sie sind für uns die Verkörperung religiöser Jdecn, man wird sie zu ollen Zeiten brauchen. Die Zahl der Menschen, die dieser Vcrkörperungen, des; äußerlichen Gottesdienstes, entbehren können, wird sür alle Zeiten nur eine sehr geringe sein. Dieser äußerliche Gottesdienst und die Anbetung im „Geiste und in der Wahrheit" müssen sür alle Ewigkeiten nebeneinander gehen. Wird ein«