Mannheim
Compact Memory

Der israelitische Lehrer · 1865-09-07 · 36 (7.9.1865) · p. Seite 148

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
5 (1865)
Issue
36 (7.9.1865)
Date
1865-09-07
Page
Seite 148 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/4896751-5428734-5431529--1158-4897700
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

148 und einem weiteren ständigen jährlichen Beitrag. — Der Dank der Versammlung wird dem' gen. Herrn durch Deputation hinterbracht. Nachdem hierauf Gießen als nächster Conferenzort bestimmt worden, spricht der Vorsitzende in kurzen aber herzlichen Worten den Erschienenen für ihre Betheiligung seinen Dank aus, wünscht Gottes Segen zum Gedeihen deS begonnenen Werkes und daß wir uns im nächsten Jahre gesund und froh und zahlreicher wieder, zusammenfinden möchten und erklärt sodann die 1. Conferenz isr. Lehrer Oberhessens für geschlossen. Jsaac auS Alsfeld hält es für Pflicht, den Herren Morgenstern, Wertheimev und Nathan im Namen der Versammlung besonderen Dank auszusprechen, indem He die Anregung zu der heutigen Versammlung in der so wichtigen und heiligen Sache gegeben, und es wird ihm hierin allseitig beigestimmt. - Nachdem man nun beim Glase Bier noch ein Stündchen in geselliger Unterhaltung zugebracht, schlägt die Stunde der Trennung nach einem frohen und genußreich verlebten Tag, und die College» und Freunde werden wieder nach ihren verschiedenen Richtungey zerstreut. Auf glückliches Wiedersehen denn im nächsten Jahr! : nrjrap nnHvr rc-o rV'n’pn Alsfeld, am 15. August 1865.. H. Jsaac, Schriftführer. LesfkngS Nathan. (Fortsetzung statt Schluß.) Herr Platz stellt ferner als Grundsatz Lessings auf, „daß des Menschen Werth nicht von seinem Bekenntniß abhängt und darum auch nichtnachdiesem gemessen werden darf,' und er schließt, daß auch in diesem Punkte „Lessing sich mit Jesu Christi Wort und Leben genährt, in. seiner Schule zum Manne herangewachsen ist." — Im Laufe der Darstellung fragt er: „Diese Wahrheit, die Lessing im Nathan uns so warm ans Herz legt, ist sie wirklich im Mosaismns schon zur Anerkennung uiü> Geltung gekommen? Ich wüßte nichts davon dort anzuführen und bitte Aitdere wenn sie es vermögen, mir den Nachweis zu geben." Bevor wir diesen Nachweis geben, möchten wir doch Herrn Platz tragen, ob er selbst uns nicht den Nachweis schuldig geblieben ist. daß diese Idee Lessings sich deutlich in Christi Wort und Leben ausspricht? Uns ist auch im neuem Testamente aus dem Leben Jesu keine zutreffende Stelle bekannt. Sagen ja selbst die Evangelisten, die Apostel, die im Leben Jesu so nahe standen, daß „das Wort Gottes nicht vor die Säue geworfen werden sollte;" sie haben Jesu das Verbot: „das Wort Gottes soll nicht den Heiden und Samaritanern gepredigt werden", in den Mund gelegt. Sie mußten alsoder Ueberzeugung leben, daß nur im Juden - Christenthum der damaligen Zeit das wahre Heil, „das Gesetz," zu erhalten sei. „Ich bin nicht gekommen, das Gesetz zu zerstören, sondern es zu erhalten." Und wir finden das ganz naturgemäß. Wenn Männer sich zur Stiftung, Gründung und Verbreitung eines Glaubens berufen fühlen, so müssen sie in diesem Glauben, in diesem Bekenntniß, die Quelle alles Heils, die Wurzel der Sittlichkeit, die Basis der fortschreitenden Erkenntniß erblicken. Ist das nicht ihre Ueberzeuguag, leben und sterben sie nicht für die von ihnen vertretene Idee, so können sie nicht die Propheten und Apostel einer neuen Zeit werden. Wozu wäre es sonst gut gewesen, die neue Lehre zu verbreiten; wie hätte Jesus zu oen Aposteln flogen können: „Geht hin und taufet alle Welt" wenn er nicht in dieser Taufe der Menschheit Heil erkannt hätte? Aber damit haben sie die Anerkenntniß des freien Menschenwerthes bei den Genossen eines anderen Glaubeus nicht gerade ausgeschlossen; aber auch Moses und die Propheten, der Talmud und die späteren Gesetzeslehrer enthalten genügend Stellen, die diese Wahrheit predigen; Wir wollen nur an den herrlichen 15. Psalm erinnem, wo es heißt: „Wer darf, »Herr, in deinem Zelte wellen; wer auf deinem heiligen Berge ruhen? Wer redlich wandelt, Recht ausübt. in seinem Herzen Wahrheit redet; falsch Wort nicht über die Zunge bringt, seinem Nächsten nichts Uebles thut, und Schmach nicht ladet, auf die ihm nahe stehen. Wer Nichtswürdige verachtet, Gottesfürchtige ehrt, wer zu seinem Nachtheil schwört und hält; sein Gelv nicht auf Wucher gibt, und nicht Bestechung gegen Unschuldige nimmt; wer dieses thut, wird in Ewigkeit nicht wanken." Kann es ein deutlicheres Zeuzniß geben, daß das Bewußtsein, daß wahrer Menschenwerth nicht vom Bekenntniß abhängt, auch im Judenthume und im Mosaismus lebte? So spricht Jesaias: Dann wird man sprechen: Gesegnet sei mein Volk, Aegypten, meiner Hände Werk; Assur, mein Erbtheil. Aber auch die vielgeschmähten Rabbinen haben diese Wahrheit deutlich genug ausgesprochen. Im Talmud heißt es: wer dem Götzendienste entsagt, der ist zu betrachten, als hätte er sich zu der ganzen Thora bekannt, — uns dann wieder: die Frommen aus allen Nationen der Welt haben Antheil an der zukünftigen Welt. Kann es im neuen Testamente deutlich sprechendere Stellen geben? Wir wissen keine und Herr Platz ist uns den Nachweis schuldig geblieben. Zu dem dritten Grundsatz Lessings: „Die Confession, wie sie ergriffen und besessen wird, zerstört vielfach das ächte Wesen der Religin* soll ebenfalls nicht Moses, wohl aber Christus die Augen geöffnet haben. Herr Platz giebt hier wohl zu, daß sich diese Wahrheit im Mosaismus deshalb nicht Nachweisen lasse, „weil jene schlimme Krankheit, zu der sie imGegewap steht, sich damals noch nicht ausgebildet hatte." „Christus dagegen hat im Pharisäerthum den vollen CoasessionalismuS vor sich." „Dies Pharisäerthum lebt in dem Wahne, in der Confession, in den Aufsätzen der Aeltesten, das Höchste, Heiligste, Vollkommenste zu besitzen, hält sich daher für b'rechtigt-Haß und Verachtung gegen Alles zu hegen." u s. f. Es gehört zu den widerwärtigsten und traurigsten Erscheinungen der neuesten Zeit, daß gerade die freisinnigsten Forscher, daß selbst die Kritiker des Christenthums, über Pharisüerthum und Judenthum nach alten Schablonen aburtheilen, ohne sich auch nur die Mühe zu nehmen, diese Gestaltungen einer längst vergangenen Zeit einmal aus ihren Geistesarbeiten oder aus den Arbeiten der Männer kennen zu lemen, die in der neuesten Zeit über jene Epoche in einer Weise

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.