Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 5 (1865)
- Issue
- 31 (3.8.1865)
- Date
- 1865-08-03
- Page
- Seite 128 (sequence 2)
- Language
- German
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nen nicht in dem innigsten Zusammenhänge, ja findet diese in jener nicht erst ihre rechte Deutung und Bedeutung? Und wir sollten unsere Schüler über dieselbe ganz im Unklaren lassen? Nein, es soll und muß die nachbibllsche Geschichte in jüdischen Schulen gelehrt werpen: 1) weil beide Geichichtsperioden im innigsten Zusammenhänge stehen, und, 2) weil der providentielle Berus Israels erst in der nachbibliichen Zeit zu seiner Entfaltung gelaugte und seinen höchsten Triumps feierte. II. Eine weitere Frage isr-nun die: Was soll aus der nachbiblischen Geschichte in jüdische» Volksschulen gelehrt werden? Es hieße.die Bedeutung und 'Ausgabe d-r Volksschule voll:» verkennen. woürr man'an >ie die Forderung stellen, daß ibre Schüler eine ins Einzelne gehende Kennrniß der Geschichte haben i'oll.n. Alles bat seine Zeit, auch die Geschichte hat Ihre'Zeit. Gründliche Geschichtskenntniß setzt schon aine bedenkende Reite d.s Geistes, ein Verstand' n:ß für generische Entwicklung voraus. Beides ist ab-r von 18jährigen Schülern nicht'.zu erwarten. Wollte man sie aber dennoch'mit vielsn Details abplagen, io würde man ichioerlich den Zweck" Streichens den wir durch die Gesch.chte erreichen wollen. Wir würden ihnen grade den Geschmack daran gründlich verderben. sEs würde uns mit dem Unterriäite in der Geschichte, grade -so 'ergehen, wie mit -''nein Religionsunterrichte, der nur in Gedächtmßkram besteht. Zu denn der Ge'ckiichtsunlerricht Selbstzweck in unfern Schulen, das heißt: lehren wirr Geschichte bloß beschall',-damit unsere Schüler die Geschichte kennen? Nein, das isr mit Nichten der Fall- Der Unterricht, .in-, der jüdi'chen Geschichte will mehr thuu. er will.dgs Nationahgetiihl, wenn Sie wollen den Nationalstolz. die. Niere;ür" aiiggw.mmren Religion in uustren Schnl.'in erwecken. -D-tzs ist '.in HauptjrNck. und dazu ist ein großes Maß von Wißen, weder nothwendig, noch 'örderltch. Es :st.Hinteicheno, wenn stch der Unterricht aui die wichtiast.-.r Epochen beschränkt :' w am wir unsere Schüler mit den' d. rerraakn.sten und c!>-.'.:al:.rismch'n Ere.'gn's'.n in unserer' 'chstiae l^.r-.»nut machen. T-E'ir -st >er k;n." - ItcI'C Geist .eirwaitchichsten. Er li.'b: das'A.E ordentliche. das G-roße m:d.Eeh.reiiel Daiiir west .r st.h za begeistern', zn rlledeu. - Es wäre ^demnach unstee Ausgabe, dw Ge'chiäls.poch-u aege'.inchet,' bestimmt, klar und in chronoloa.i-cherLrrnun-- un'.r.n Schälern'darzttst-lleu. Mau kann hierchi ron zwei iGeschltZpunkten ausgeb-.-n, :u..n kann entweder das relig-öse' oder das nationale Element besonders berrekstchlligen. '. ." ' - . All. in' i'uu 'Gefchichre, die st ei; nur du Entw icklung der R'.ligion zur Au'gabe! machte, ..würde ni: unteren Zweck fick wer,i.z eieneu. wie sie'auch am. Verständnis; bei untern' Schülcnr \v%t zu -rechnen hat. Natürlicher, sachgemäßer und zwcckenr'peechendrL würde es sein, wenn man m-.hr das nationale Et.:.:.::!'im Amge b.hielte, m:t diesem läßt sich das reli.stcie, wo es lwrhwendig ist. g.maut perbstraen. Ich würde darum.chi.zsmde Emtheüuug vor'chlu. n: 1 > Ter zweike'VoUsb-eftstnd, des.jiid'.schen. Stammes: «. d e Zudert iruricr. vestssscher Oberhoheit; I Ii. die Zeit dilr. syrischen Versclguna; c. das makkabäische u -.d h.rcdiani'che Königthum. 2) Rom und Jerusalem. 3) Israel in der Zerstreuung : a. die Inden als römische Bürger; b. das Iudenthum im Mittelalter; c. das Judenthum in der Neuheit. Daö ist allerdings nur das äußere Gerippe der Geschichte. An uns liegt es, den rechten Inhalt, den rechten Geist und den rechten Zusammenhang hineinzulegen. Und diese drei Perioden stehen in der engsten Verbindung mit einander. Man hat sich zwar von verschiedenen Seiten bemüht, den Fall Jerusalems und die Zerstörung Israels als ein Strafgericht Gottes darzustellen, verhängt wegen begangener Sünden; allein die Geschichte selber hat dieses Urtheil Lügen gestraft. Denn die Zerstreuung hatte grade Israels Erhaltung zur Folge, die Vernichtung seines politischen Lebens mar das rechte Mittel, um sein geistiges Leben von allen hemmenden Fesseln zu befreien, wie auch der Druck and die Ausschließung es vor Amalgamirung mit den herrschend."! Religionen bewahrte. Das, was man eine Zeit 'ing als bin großes Unglück und ein Strafgericht Gottes betrachtete, war sein höchstes Glück, war eine geschichtliche Nothw ndigkeit. Diese Wahrheiten, von der höchsten B'drukung iur uns, muß der Geschichtsunterricht unfern Schillern recht prägnant zum Bewußtsein bringen. Es muß ihnen gezeigt werden, das; in der ersten der oben gcnannten Pe-' roden — in dem zweiten Volksbestande des jüdischen Stammes — Israel für seinen Berus, die Gotteslehre rein zu erhalten, sich vorbereitete dadurch, daß es sein giiczes Leben mit der Religion durchtränkte — die talmudische Zeit —; daß der Fall Jerusalems, die Zertrümmerung '.".ues politischen Lebens und die Zerstreuung in all; Lande erfolgen mußte, um erstens dadurch seine Erhaltung zu bewirke», die, wenn. Israel als Volk noch länger fortbestan- ■w.. bei den späteren M.tt'rschütternden Ereig affen, wie ocr Völkerwanderung u. s. w., sehr in Frage stand und zweitens '.eine große Mission unter den Völkern der Erde erst recht zu ermö glichen. In diesem Sinne die nachbiblische Geschichte ausg grßt, löicn sich all ihre Rälhiel und Probleme, so die ganze G.ust.srichtung Israels, seine wunderbare Erhaltung und insbesauders der unerhörte, langandauernde Truck, der dann nicht ela ein Strasakt, sondern als ein; geschichtlich wohlbegrünveke Nothwendigkeit zu einem großen Zwecke ersch-im; sie erhält aber auch dadurch eist ihre rechte Bedeutung; biblische und nachbiblische Zeit bilden ein Ganzes und beide Geschichtsepochen sind so innig miteinander verbunden, daß eine die andere nicht entbehr u kann. III. In Bezug auf die dritte Frage: Wie soll der Unterricht beschaffen sein? bleibt mir nur wenig zu bemerke» übrig. Unterricht in streng systematischer, chronologischer ertheill werden oder soll er bloß aus Biographien So fragen wir uns zunächst. M. Hl Ich glaube, keines von beiden und doch beides. Ohne System einmal kein Unterricht denken, also auch kein Gelöst der Ordnung bestehen? wir thun läßt sich chichtsunlerricht, sowie'dieser der Chronologie nicht entbehren kann, da diese ein Hauptfaktor der Geschichte ist; allein beide dürfen nicht m den Vordergrund treten. Indem wir