Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 5 (1865)
- Issue
- 30 (27.7.1865)
- Date
- 1865-07-27
- Page
- Seite 123 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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123 (Nachbemerkung der Redaktion). Der vorliegende Fall bekundet aus» Neue und Schmerzlichste das Bedürfniß de» Unterstütz ungsvereinS für Lehrer, Lehrer-Witlwen und -Waisen; er bekundet aber auch — und wir bedauern tief, die» nun offen rvssprechen zu müssen — wir sehr sich in unseren Collegen in Westphalen und Rheinland da» falsche und verwerfliche Princip eingelebt hat, als seien von vornherein, bei Gründung eines Verein-, die eigentlich Hilfsbedürftigsten, die Kranken und Alten, von einem solchen Vereine auszuschließen. -Recht ists. Allen einen gewisien Zeitpunkt zu bestimmen, bis wann sie eintreten müssen und für später Eintretente, die schon früher im Amte waren, gewisse Rcpresstvmahregeln aufzustellen, damit Lälsige und Böswillige mit ihrem Eintritte nicht zögern biS die Roth an den Mann tritt und hierdurch absichtlich und mit Vorbedacht den Verein zur Schaden bringen. Aber durchaus verwerflich und unverantwortlich dünkt es un», schon bei der Gründung eines Vereins alle etwa Kränklichen und Alten von vornherein auszuschließen. UnterfiützungSverrine sind nicht nur rein gegenseitige Versicherungsanstalten, sondern sie sind auch und zwar vor allem WoblthätigkeitSanfialten. Das Princip der Gegenseitigkeit darf nicht allein und ausschließlich, da«Princip der Wohlthätigkeit muß noch weit mehr zur Geltung kcmmen. Wie können wir mit einem Statute vor die Gemeinden und wohlthätigen Prwaten treten, wie können wir die Ba mherzigkeit, die Liebe, das jüdische Herz und die jüdische Wohltbätigkcit auffordern zur Theilnabme und Mitwirkung an einem Werke der Liebe und des Rechts, wenn wir selbst hart, grausam und ungerecht mit kaltem Vorbedachte die Alten und die Kränklichen ausschließen und sagen: Ir, wir gründen einen Verein, aber nur für die Jungen und Kräftigen, für tie Männer in den besten Jahren! Die Alten und Kränklichen können wir nicht brauchen! Du, der du mit Schmerzen mit dem kranken Körper ringst, dem die Erfüllung seine» Berufe» zugleich der Nagel znm Sarge ist — trage m d> ferner deine Schmerzen und Sorgen, um die Deinen, dulde auch ferner mit deinen körperlichen Martern alle die seelischen — wir kennen dich nicht, siehe wie du zu Reckt kommst, der Verein, den wir gründen, ist nicht für dich. Wie — ist der Gesunde nicht wie der Kranke, in Gotte» Hand? Und wohl — wenn Ihr bei einem Gesunden auf langes Leben so sicher rechnet, wozu denn eigentlich die UnterstützungStasse? Wer ein hohe» Aller erreicht, der wird für die Eeinigen, für die Wittwe, die dann doch auch nur noch wenige Jahre zu leben hat, füif' die dann erwachsenen Kinder wohl keiner Pension bedürfen! Nein, nein, und tausendmal nein! Wir treten vor die Menschen und suche ihre Mitwirkung für eine wohlthätige Anstalt! wohlan denn, so muß unsere Anstalt wirklich den Charakter der Wohlthätigkeit tragen! Kein Lehrer darf von vornherein ausgeschlossen sein, kein Lehrer ta-f für die Zukunft der Gnade des Schicksal» und der Wohlthätigknt der Einzelnen und der Gemeinden überantwortet bleiben. Vorsichtsmaßregeln gegen die Lässigen, im Ganzen aber herrsche die Liebe! Wer e» auch sei, der zu un» tritt und sagt: ich bin Lehrer, ich bin heute inS Amt getreten oder ich habe beute erst vom Vereine erfahren, den wird unser Verein ausnehmen und sei ihm der Tod auf die Stirne gezeichnet und sei er auch ein Grei» von 70 Jahren und noch mehr! Wäre da» nicht, ich würde alsbald mein Amt niederlegen in dem Vereine, der gegründet wurde auf meine Anregung au» Liebe zu den Gliedern unsere» Stande». der auch erhalt'» werden soll in Gerechtiakeit und Liebe! Ich würde wich schämen,. vor die Ö ffentlichkeit zu treten und um Unterstützung unserer Anstalt zu bitten, wenn ein andere» Princip herrschend würde, da» dir Selbstsucht erfunden hat. Die Liebe soll unsere Führerin sein, und die Hilfe Gotte» und edler Menschen wiro uns zur Seite stehe«. Wir werden zu dieser Erklärung genöthigt in Folge einer Schand- und Schmähschrift, welche auszegangen ist von einem gewissen uns bisher völlig unbekannten Dr. Kronenberg aus Leichlingen, demselben, auf besten Schreiben die also gegen unseren Verein feindlich auftretende Unterstützung-kaffe de» Vereins isr. Elementarlehrer in Rheinland und Westphalen ein Dankvotum ausgesprochen, wer! er wahrscheinlich dasselbe-lügen- und boshafte, anmaßende und unsinnige Schmähschreiben ihr durch meinen bisherigen Freund und Mitarbeiter Treu mitlheilen^ließ. Da» schmähende Flugblatt ist an verschiedenen Poststellen Westphalen» aufgelegt worden, also auch daran ersichtlich, daß sich die Mitglieder dieses Ve'ein» mit demselben identisiciren, was übrigens schon da» Protokoll der Conferen; anzeigte. Schon in diesem Protokoll war von dieser angeblichen Kritik unsere» Vereindie Rede. Wir haben eS für verwerflich gehalten, tint solche verdeckte Kritik zu veröffentlichen, und haben das Präsidium gebeten, diese Stelle - in dem Protokolle auch für die AUg. Z. d. I. zu streichen, wa» nicht geschah. Wir sind also zur Vertheidigung verpflichtet. Wir werden un» aber auch jetzt noch nur auf den Standpunkt der Vertheidigung stellen: wir wüßten keinen Grund, warum wir,gegen den rh. -w. Verein agrefsiv verfahren sollten. Im Gegentbeil! Wer ein Herz bat für die Angelegenheiten des Lehrerstande», muß allen ähnlichen Veranstaltungen das beste Gedeihen wünschen; die Rh.-W. mögen Recht haben, ein anderes Prinzip anfzustellen, weil sie, auf ein Terrain angewiesen, in dem vielleicht nur etwa It O Lehrtr leben, zu sehr Schwankungen preisgegeben sind. Aber Unrecht haben sie, sich nicht auch dem Großen und Ganzen anzufch.ießcn, furchtbare», unverzeihliche» Unrecht gegen unser.» Verein zn agitiren, der für Alle ist, a'so auch für die älteren Lehrer ihrer Provinz, für die Kranken, für die Religionslehrer*) und Cantoren, die sie fast unbegreiflicher Weise ebenfalls ausgeschloffen haben. Kcmmen wir nun auf da» gerannte Schmähflugblatt zurück, da» wir anmaßend und böShast, lügnerisch undun» sinnig genannt haben. Es ist anmaßend: Nachdem der Entwurf iür unkere Statuten in Nr. 11 des »Isr. Lehrer* vom Jahr 18"4 (am 17. März) veröffentlicht war, unterzeichnet vom prov. Hauptkomite, in welchem gewiegte Kaufleute un5~ voltswirthfchaftlich gebildete Männer, wie tie Herren LouiS N-uberger. S. Levi und L. Lehmann, in welchem der edle, in ganz Deutschland verehrte Stein, d-ssxn Charakter und UcberzeugungStrcue, testen heller Geist und. warmes Herz von Allen, auch von seinen zahlreichen Feinten anerkannt wirb, und Dr. Rothschild, der auch in Westphalen bekannte, dort gebürtigte warme Lehnrfteund saßen — wir nennen nur diese, nicht die zwei Lebrer — fand am 22. August v. I., also wohl 5 Monatesväter, die zweitägige Generalversammlung statt, der z.B.Hr. Dr. L. Philippson au» Bonn — ein Mann, der mindesten» so vollwichtig ist.-wie Dr. Kronenberg — be,wohnte, dann die Hrn. Dr. Aub, Lantsberg a. A. Des sind die eigentlichen „V-rfer- .tiger* der Statuten, von denen Sie so wegwertend sprechen,, die darauf „lesrennen mit verbundenen Augen.* E» ist von allen diesen Herren auch nicht einem Einzigen eingeiallen, die Statuten al» unausführbar anzugreifen; im Gegentheil haben Alle, insbesondere Herr Dr. Philippson mehrmals feine volle Anerkennung dem wohldurchbachten Statutenentwurf ausgesprochen, und nun kommt ein Unbekannter von unbekannt woher und will den Lehrern, deren Vertrauen, deren Stütz« * und Zuversicht dieser Verein ist, diese Stütze rauben? Warum, ) E,it ti dorr keine solchen i Möglich, wir wissen das nicht I