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Der israelitische Lehrer · 1865-07-20 · 29 (20.7.1865) · p. Seite 119

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
5 (1865)
Issue
29 (20.7.1865)
Date
1865-07-20
Page
Seite 119 (sequence 3)
Language
German
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119 — rechtbaltung besonderer Religiovsschulen, welche bei gesetzlicher I Zulassung von Provisoraten nicht mehr nölhig find, die unverdiente 'Nachsicht bezüglich einer durchgreifenden musikalischen Bil-! düng, die Bestattung eigener Vorbereitung-- und Seminarschuleu und die Ueberantwortung der Schulen Ln die Rabbiner und drgl. denn daß die Trennung der Schule von der Aufsicht der Geistlichkeit proponirt sein wird, daran ist wohl im Ernste nicht ,;u denken, und unseren Nachwuchs an Geistlichen resp. Rabbinern als Lokal- und Distriktsinspektoren zu bestellen, daran kann , ' wohl ein unzeitiger Liberalismus, welcher in solchen Stücken! - mit dem Ultramontanismus Hand in Hand gehen dürfte, den- : \ ken, wer cs jedoch mit der Schule und ihrem Gedeihen gut; J meint, nimmermehr. Man kann das oehaypten, ohne dem getildcteren Theil der Rabbiner der Jetztzeit zu nahe zu treten. Bereits ist es bei uns so weit, daß kein Familienvater von ] > Einsicht — natürlich mit Ausnahme —, seinen Sohn weder j Rabbiner noch Lebrer werten läßt, und.ich kenne unter der 1 großen Zahl der Männer dieser Kategorie keine drei, welche einen ihrer Söhne diesen Berufsarten widmen. Wohl aber florilt daS modernisirtc Bachurimwesen, und Würzburg stellt nach allen Seiten hin sein Ecntingent. Auch Mittelsranken hat in neuester Ze t einen Ableger davon erca'teü. Die kleine Gemeinte D., welche auf rb-e erledigte Schulstelle keinen Lehrer tmbr bekommen Latte, bat m.t dreier die Vorsängerei und eine Rente einer vormaligen, nur iiir einen Rabbiner verwendbaren * Stiftung vereinigt, und n:n 3:;vi «sv. In unserer Kreisbauptstadt Ansbach batten wir kürzlich eine Rabbinerversammluna >» »ueu. In—einem Ehescheidungs- Prozeß hatten die Advokaten beider Parleifn je drei Rabbiner zu Gutachten aufgcsoroert, die sic bei der ^öffentlichen Bezirksgerichtsverhandlung zu vertreten hatten. Burlesk war dabei das Benehmen eines Rabbiners der hvperortbodvren Richtung, aus deren Zahl der e ne Advokat, ein Eonvenit*, seine Leute bcrufen hatte. Sobald er nur in seinen uy px oder ürtpo jpn | rinn Blick warf, gr>ff er stugs nach seinem „Schlot" und bedeckte * . damit sein schneiig Haupt. Das schien seine geistige Thätigkeit sc in Anspruch zu ne men. daß er von der Frage selbst, um die ■ rs sich handelte, rxenig capirle und sie ihm der Advokat erst w.e einem Kinde speziell begreiflich machen mußte. Wenn uns.re Jüdenheit gar weit.r nichts durch zeitgemäß gebildete Rabbiner gewänne, als die würdige Oiepräsentation, welche das hsudeutbu.n und seine Bekenner durch sie im Gegensatz zu unfern Rabbinern der g-gnerisücn Richtung, wie mir sie namentlich m Bov'-n hab.n, bei öffentsichen Gelegenheiten findet: das allein sollte den bayerischen Juden schon die Pflicht heilig waren, bei ihren Wahlen 'solchen Männern alle Berücksichtigung zuzuwendcn, und >ungen strebsamen Männern die Wahl dieses Berufes n chf auf so unerquicklitpe Weise, wie eö noch zuweilen geschieht, verleiten. n m f ch o n. Eelle, 2. Juli. Einer in diesen Tagen von der hiesigen lkronoberanwaltschaft -rlaffencn Verfügung zufolge sind die Krön- , anwailschaften d.p Landes angewiesen worden, künftig Israeliten, weiche als Geschworne sungiren, falls dieselben an einem Sonnabend zur Aus.oosung kommen, abzulehnen. (Z. s. lli.) Wir entnehmen einem Artikel „Zur preußischen Schulstatistik" in den „Rbeinischen Blättern" von Diesterweg folgend« Notizen über jüdische Schulen. ES heißt dort: Die Zahl der öffentlichen j üdischen Elementarschulen ist gering, in den Städten höher als auf dem Lande; die meisten befinden sich in der Provinz Posen, demnächst in der Rheinprovinz; die wenigsten in den Provinzen Schlesien un) Sachsen und in den hohenzollerschen Landen. Unter der Gelammtbevölkerung von 18,476,500 Einwohnern befanden sich 3,< >90,294, also nahezu l4 Prozent schulpflichtige Kinder, unter welchen 39,053 jüdische, welche öffentliche Elementarschulen besuchen. AuS Staatsmitteln werden jährlich 328,238 Thaler für die Lehrergebalre und 25,587 Tbaler an GehaltSverbesserungen auS Staatsfonds verwendet. (Was erhalten die israel. Schulen hieraus? Nichts?) Der Durchschnitt der ikr. Lchrergchalte berechnet sich: im : Rcg.-Bez. Marienwerder 227 7 Haler; in Posen 220; in Brom-; berg 209; in der Stadt Berlin 336; im Reg. -B. Potsdam > 372; Reg.-B. Frankjurt a. d. O. 263; Reg.-B. Stettin 175; ■ Reg.-B. Eöslin 1!>8; stieg.-B. Tppeln 233; Reg.-Bezirk Mersej bürg 325; Reg.-B. Düsseldorf 232; Reg-B. Trier 160; Reg.-B. Aachen 250; Reg. - B. Münster 22U; Reg. - B. Minden 200;; Reg.-B. Arnsbera 304; all dies in Städten; auf dem; Lande befinden sich nur öffentliche jüdisch- Schulen im Reg.- Bezirk Erfurt — Durchschnittszehalt 153 Tbaler; Reg.-Bezirk I Düsseldorf — DurchschnittSgehall 2» 5 und jm Reg.-B. Trier — Durchschnittsgehalt 12? Thaler. >. Diese UeÜersicht der durchschnittlichen Lebrergehalte — die Leser werden wissen, was solche Durchschnittszahlen, gewonnen durch die Division der G.'sainmtnnnahmen der Lebrer durch die Zahl derselben, bedeuten,— sind sehr lehrreich. Wäre es wohl gerechtfertigt, von diesen' Zahlen aus dm Eulturstandpunkt der Israeliten im Ganzen zu schließen? Wir wollen das unseren Le'ern überlass.n; nur noL einige Bemerkungen können wir nicht zurückballcn. — sttach der vorliegenden Tabelle sind die Gehalte der evangelischen Lehrer durchschnittlich höher, die der katholischen durchschnittlich niedriger als die der indischen. Ist das bei dem Umstande, daß insresoudere in der Rheinprovinz und Westp.)alen die jüdischen Lebrer gewöhnlich zugleich Vorbeter und Prediger sein müssen, gerechtfertigt? Für die christlichen Lchr-r wird in .ürzerer oder längerer Frist die Gesetzgebung einlreten; aber die jüdischen Lehr-r in Preußen haben es, sovicwir wisien, bezüglich der Rezuiirung ibrer Gehalte rast nur mit dem guten Willen der Gemeinden zu tbun. - Können die Gemeinden, wenn sie wollen? O ja, fragt sie nur selbst, fragt nur den Einze.nen, waS eine Mehrausgabe von 3, 4. 5 Gcosch-n die Woche für ihn ist. — Noch < eins, was wir nicht zurück^alten leinen: in mehreren jüdischen Zeitschriften lasen wir unlängst, daß während der Amlsperiode des zeitigen, sehr Raren und würdigen, für allcS Edle zu ge- 1 Winnenden Oberra'ebinerS I. Eahn in Trier in den 19 Gemeinten 47 neue Synagvzen erstanden. Sebr schön. Allein — der Durchschnittsqehalk der L brer diese? Regierungsbezirks ist — , 127 Thaler» nächst dem Durchschniitsgebalt: der katholij schen Lehrer dcS stkegieruazsbezirks Eöslrn (9 7 Thlr.) der geringste unter allen in den preußischen Landen! Das grbt zu ' Viel Hciierkeit erregte hierbei auch ein Wort, vcs der von der andern Partei gleichfalls vorgeladenc Rabbiner Herr Dr. Aub aus Mainz dem geguer'jchen Advokaten zurief. Dieser opponirte nämlich brr Ansicht Aub's und er sagte daher zu thm: Den ">tpN! wer en Sie doch wohl gelten lassen, wenn Sie auch ein Mcschumcd I ftnb!" Verlegen antwortete jener: Ich zähle nickt za dieser Art Mesch. I mobiinl ' denken!'! Wrsipbalcn und Rheinprovinz siad di: tHeuersten Provinzen des Reiches. Ein jüdischer Lehrer braucht — das jüj dische Hauswesen bringt tos mit.sich — mehr als ein kbrist- . lich r; selbst ter unverheirathcte jüdische Lehrer erhält selten ein so UUigeS Kosthaas ww der christliche! Das Avanl

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