Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 5 (1865)
- Issue
- 25 (22.6.1865)
- Date
- 1865-06-22
- Page
- Seite 98 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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98 Den zweiten Antrag Stern'», sowie einen Austausch der Erfahrungen, der in Bezug auf das in vorletzter Conferenz festgesetzte M a ß des hebräischen Unterrichts von dem Vorsitzenden als wünichenswerth bezeichnet wurde, beschloß die Versammlung mit dem ersten Gegenstände der Tagesordnung vereint zu berathen,unb erhielt das Wort Lehrer Bärmann, welcher ein Referat Uber denselben, die Methode des hebr. Unterrichts betreffend,' der Versammlung vorlas. Die Versammlung, der gediegenen Arbeit gerechte Anerkennung zollend, erklärte jedoch, daß. der Verfasser sich zu sehr auf das Allgemeine, Ausstellung didaetischer und methodischer Grundsätze beschränkt' jmb nicht genug in das Detail eingegangen sei. De?, Referent übernahm es, im Sinne der heutigen Versammlung einen, dctailUrten methodischen Gang zu bearbeiten. Lehrer Frank von Landau wurde zum Koreferenten dafür erwählt und beschlossen, daß die Art und Methode des hebr. Unterrichts in der nächsten Eonserenz auch praktisch vorgeführt. werden sollte. — Die Debatte gab, im Sinne des Stern'schen Antrags, vielfach Anlaß zur Besprechung über'Plan und Maß des hebräischen Unterrichts, deren Resultat von der Versaminlung in iol-- genden Sätzen zusammengefaßt wurde: l > Es äst pädagogisch gerechtfertigt, d>n Unterricht im Hebräischen nicht vor dem ächten Lebensjahre zu beginnen; wo die bestehenden Verhältnisse, — als solche wurden die dringenden Wünsche der Eltern und der frühe Uebertritt der Elementarschüler in der Stadl zu hohern Anstalten angeführt — es erheischen, ist ein früherer Anfang, gleich nach dem Erlernen des Deutschlesens, zu machen. 2» Auf der ersten Stufe beschränke man sich am richtiges Lesen und mache die Schüler — nach Anleitung der Klingenstein'schen Lesefibel — hier und da mit der Bedeutung der gelesenen Wörter bekannt. Auf der zweiten Stufe — nicht vor dem neunten Lebensjahre greife der Lehrer zum Gebetbuche rr?En, und es werden die bedeutendsten Gebete: vrx, der erste Absatz des -jit, des" Tisch-' und Nachtgcbetes, das Wochen-sedemaveti esreh und einige Segenssprüche übersetzt und zum vollsten Verständniß gebracht.*) 4) Aus der dritten Ltufe, vom IO. bis IX Lebensjahre, wird für die Mädchen das Uebersetzen der Gebete wiederholt und' fortgesetzt; für die Knaben werden in jedem Semester 6 Kapitel des Pentateuch' — aus dem geschichtlichen, Theile desselben — übersetzt und zum Verständniß gebracht, ferner ifür die Knaben ausschließlich) aus der hebr. Grammatik Folgendes vorgenommen: Sh*-a, Dageseh, Artikel, Zahlwort, Fürwort, Hauptwort, vorzüglich Bildung der weiblichen Form und der Mehrzahl, regelmäßige Ccmjugation (Bedeutung der Suffixa und Praerixa). Ein daber zu Grunde zu legendes^ ganz gutes Lehrbuch kennt die Versammlung nicht; das vielfach gebrauchte Herrheimer'iche Lehrbuch habe pädagogische Mängel. 5) Die Zeit für diesen Unterricht, ohne Beeinträchtigung der allgemeinen Lehrgegenftände, und ohne mit dem vorgeschriebenen Lehrpläne an Widerspruch zu gerathen, *j Alle diese Glücke sine .nerbocisch ieaibeiler, auch unserer Fidel, die für diese 2. GtoO Genügendes auch *n sprachlicher Darberei ding biete». - , ~ Red. glaubt die Versammlung auf eine. ganze oder zwei halbe Stunden täglich festsetzen zu sollen und ist um so mehr überzeugt, daß diese Zeit auszufinden nnd auch genügend sei, da in dem von königl. Regierung vorgeschriebenen Plane eine Stunde täglich dem Religionsunterrichte gewidmet ist, die für die isr. Schulen von Katechismus und biblischer Geschichte nicht ganz in Anspruch genommen werden, auch der Besuch unserer Schulen, Sommers wie Winters, ein sehr regelmäßiger ici. <>) Die Versammlung beschließt, obiges Minimum als ihre unmaßgebliche- Meinung, durch pädagogische Rücksicht tauf die allgemeinen Unterrichtsgegenstände und wegen möglicher Ueberladung des jugendlichen Geistes) und durch sie Erfahrung gerechtfertigt, den sämmtlichen Collegen der Pfalz zur Zustimmung, dann den Herrn Bezirksravbinern und dem königl, Regierungsrathe, Referenten in Schulsachen, zur Kenntniß zu bringen — und auf diesem Wege zu versuchen, einegesetzliche Bestimmung über das Maß des hebr, llnterrichts in den iir. deutschen Schulen der Pfalz hervorzurusen. ES wurden demnächst die Herren Bärmann, Frank und Stern erwählt, um die zu diesem Zwecke nöthigen Schritte zu thun. Rach Erledigung dieses Gegenstandes ging man, zum zweiten Gegenstände der Tagesordnung über: den nachbiblischen Geschichtsunterricht betreffend, Lehrer Frank las darüber eine warme und sehr gut geschriebene Arbeit vor, die wohl nächstens m diesen Blättern erscheinen wird*». Man war darüber einig, daß ein solcher Unterricht sehr ersprießlich sei, wenn er in rechter Weise ertheilt mrd die beiden Klippen: trockene literarische Skizzen und blasse traurige Märtyrergcschichte gleich «ehr vermieden werden. Es war zwei Uhr Mittags; man beschloß, nach Tische nicht wieder in das Seminargebäude zurückzukehren, sondern in einer Zusammenkunft im Freien eine zwanglose Besprechung stattfinden zu lassen, den dritten Gegenstand der Tagesordnung — Berathung über Katechismen und Religionsbücher — am die nächste Eonferenz verschiebend, für welche Lehrer Schloß in Speyer Einladung und Vorbereitung zu treffen übernahm. (Dieselbe soll in Sveyer stattfinden.) Eil: einfaches Mahl, von einigen Toasten gewürzt, vereinigte die Veri'ammlimg, die sich später zu ihrem größte» gelegenen Bierlokale zusamnrenfand. Auf wiederholte Aufforderung theilte unser werther Gast, Herr Klingenstein — der sich, gleich einem andern vetebrten Gaste, dem Rabbinatscandidalen Herrn Seligmann, isr, Religionslehrer, am königl. Seminar, an unfern Verhandlungen lebhaft bethei ligt hatte (Letzterer schloß sich ausdrücklich von den Abstinimungen aus) — Näheres über den durch seine Initiative ins Leben gerufene Unterstützungsverein mit, und mit hoher Freude nahm die Versammlung die Nachricht eutdie Zukunft dieses jetzt im kleinen Anfang scho» wirkenden Vereines gesichert sei. Wurde auch daß er für die isr. Lehrer der Pfalz in ihr«! $ Theile in der „Löwenburg," einem neben der Bahn schö» gegen, daß segensreich anerkannt, vorzüglichen zu kinn.n *) Wii dessen, die E r w e: t e r u n j unser-s Blattes mit diel» - gewiß allen Lesern zu Herzen sprechenden Arbeit inaugprirn» Red. 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