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Der israelitische Lehrer · 1865-06-15 · 24 (15.6.1865) · p. Seite 94

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
5 (1865)
Issue
24 (15.6.1865)
Date
1865-06-15
Page
Seite 94 (sequence 2)
Language
German
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94 heit, die wir Lehrer insbesondere Wohl beachten müsse«, wenn wir so manche Krebsschäden heilen -vollen. In einem deutschen Lande — Namen thun nichts zur Sache — wurde vor einigen Jahren auch der Gedanke rege, eine isr. Lehrer-, Wittwen- und Waisenkasse zu gründen. Die Lehrer hielten eine Vorversammlung, dann eine Generalversammlung — bei der von den circa 15t» Lehrern des Landes circa 25, zumeist jüngere Collegen erschienen, und beriethen zwei Tage lang an ernster Debatte endgültig ein Statut für eine solche Anstalt. War hiermit das Bestehen des Vereins gesichert? Trat der Verein nun sofort ins Leben? Waren die übrigen' Faktoren des jüdischen Gemeindelebens bereit, ihre lebhafte Belheiligung der Sache zuzuwenden? Wendete man sich vielleicht mit dem Statut an.einen Sachve« ständigen um zu ermitteln, ob die Institution an sich Lebensfähigkeit habe? Alles das nicht; und doch hat man, auch jetzt »och,. ein volles Jahr nach j, ner Versammlung, nichts mehr von der Sache gehört. Die Lehrer gaben das Resultat ihrer eingehenden mündlichen Berathungen den Rabbinen zur Begutachtung. Die Weltgeschichte geht ihren Weg — über kurz , oder lang. Wenn auch einige Lehrerwittwen darben und hungern, einige Waisen darüber zu Grunde gehen, was thuts? Genug — die Rabbinen haben nach vielen Monden ihr Aesume dem — Landesrabbinen eingehändigt, bei dem die Akten nun „in sicherer Verwahrung" liegen werden. Den Lehrern hat man über ihr Opus bisher noch keine Kenntniß zu. geben nothwendig gefunden. Die Sache ruht (I) in guten Händen. Wahrlich, ich will nicht bitter werden, ich will selbst die betheiligten Persönlichkeiten nicht beletdigen, die es vielleicht doch gut meinen, und wähnen, all das sei so in der Ordnung, etwa gerade so wie die südamerikanischen Sklävenzüchter die schwarzen Menschen für Wesen niedriger Art hielten und darum die Sklaverei für ein Gott wohlgefällige- Institut. Sind die Lehrer als Menschen niedriger geboren, als die Rabbinen? Haben sie von Gott geringere Geisteskräfte und weniger Rechte empfangen als die Rabbinen? Was hat die Gründung, was hat das Institut einer Lehrerwittwen- und Waisenkasie mit der — Theologie, mit Talmud und Poskim zu schaffen? Bedarf es zur Fertigung eines solchen Statuts wohl der Gottesgelabrtbeit? Sind die Lehrer nicht berechtigt,. auch einmal selbstständig zu verfahren, sollen sie - Mündel der Rabbinen sein, in ihren eigenst, n und heiligsten Angelegenheiten ewig von diesen bevormundet und am Gängelbande geleitet werden? Wenn es dann später ans Bezahlen geht, wer wird wohl für sie bezahlen? Der Lehrer muß. ein Mann sein, ein ganzer Mann I Mit vollem freiem Blicke muff er ausschauen ins Leben, mft ernster, selbstthätigkr, selbsterworbener Geistesthätigkeit , muß er frei wirken in'der Schule. Sie wissen, geehrtester Herr und Freund, daß ich nichts weniger als ein Feind be8 'Rabbinerstandes bin. Ich j erachte die würdige und zweck,ntsprechende Stellung der i Rabbinen als eine hisiorisch gewordene Nothwendigkeit in-! nerhalb des Judenthums. Ich habe auch keinen Grun>, über Persönlichkeiten aus diesem Stande Klage zu sichren, da unter denjenigen Herrn Rabbinen, mit welchen ich in naher Berührung gestanden,. die selbst meine „geistlichen Oberen" sind und waren, mir so wahrhaft werthe und liebe j_ Freunde sind, wie nur Collegen sein könnt m. Aber wo die > Selbstständigkeit des Lehrerstandes in solcher Weise Roth £ leidet, wo die Lehrer keinen Schritt wagen dürfen, ohne I vorher und nachher erst All,>S — was nach göttlichem und r menschlichem Rechte gar nicht vor das Forum der Rabbinen L gehört, dielen oorzulegen; wo dadurch alle Selbstständigkeit, » jedes gesunde Manneswesen bei den Lehrern ertödtei wird, T da schweigt nur der Berräther.an den heiligsten Angelegenk heilen seines Standes. |\ Aus einem Lande an der jenem entgegengesetzten Ecke unsere- | lielben deutschen Vaterlandes schreibt mir der Lehrer einer I größeren Gemeinde: „Der Jsr.-Lehrer" kann für uns kein > Interesse haben. Die Richtung Ihres Blattes finden wir F bei uns genügend vertreten. (Wo? Wieso? Bielsiicht in dem F' amtlichen muckerischen Schulblatte j.nes Landes? Redl) Die pädagogischen Aussätze harmaniren nur zum Theil mit den uni'rigen*), weil wir uns immer nach höheren Anordnungen zu richten haben." Freilich, da hött Alles auf; die pädagogische Literatur kann zu Grabe getragen werden. W he uns, w,mn diese Grundsätze überall - herrschen würden. Es wäre am Ende mit der Fortbildung H und Fortentwicklung des Lehrerstandes. Und die Folgen? \ . . . Schauerlich I Lassen Sie mich, verehrter Herr! noch die Prüfungsleiden eines braven Collegen aus einer anderen Gegend erwähnen, wo die Lehrer eben zu den Tüchtigsten zählen, und wacker an den veralteten Fesseln rütteln. Man schrieb mir: „Ein Monat,Schulleben. Der jüdische Lehrer N. hatte in öffentlicher Versammlung einem Gegner seines christlichen geistlichen Schulinspectors ein' Hoch ausgebracht — freilich j ein großes Verbrechen. W nige Taae später erscheint der Herr Inspektor in seiner Schule — und hält eine „außer- - ordentliche" fünfstündige Prüfung mit Vexationen aller s Art! Was kümmert diesen Herrn die Verzweiflung dej Lehrers? Darauf wenige Wochen ein anderer Inspektor — i der Regierunqsinspektor l dann, alles noch in demselben j Monat, der Rabbiner. Jeder der Herren hält sich für den unbedinqtesten Befehlshaber der Schule. Jeder reitet sein j eigen Steckenpferd. Der Eine bestehlt: die erste Stunde i des Tages gehört nächst dem Religionsunterrichte dem Kopff rechnen; der Rabbiner möchte mindestens den halben Vorj mittag nur dem Hebräischen gewidmet sehen. Der geistliche 1 Kreisschulinsvektor ist ein abgesagter Feind der „Natur," d. i. des naturwissenschaftlich n Unterrichts, auch der-andere liebt ihn gerade nicht; aber er h it eine Liebhaberei, eine Käferi und Vögelsammlung Da meint et denn, die Kinder müßten mindestens die Namen aller Käfer und Vögel Deutsch-! lands kennen und diese beschreiben lernen. j Bleibt da dem Lehrer Wahl? Ist es unter solche» ,j Zerrereien Möglichkeit, erzielich und segensreich, nüt Einsicht j und Takt, pädagogisch zu wirken? Ist der Lehrer ei» j Mann, gebübrt ihm die Behandlung eines solchen oder «st j er ein Schulknabe, der am Gänglbande geleitet werde» ] muß? (Fortsetzung folgt.) *) Welcher Siel. i

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