Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 5 (1865)
- Issue
- 20 (18.5.1865)
- Date
- 1865-05-18
- Page
- Seite 78 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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zu veranschaulichen. OS gelängt trotzdem Mcht jedosmal, dem Kinde einen klaren Begriff von einer großen Stadt zu machen; man nimmt dann seine Zuflucht am besten zu einem einschlagenden Bilde. Hat man so ein möglichst vollständig klares Bild dem Gedächtniß übergeben, so gehe man weiter, vergcffe aber nie, noch einmal.prüfend zurückzuschauen, „ob kein treues Schäflein der Heerde sich entfremdet " „Setze keinen neuen Stein in Dein Mauerwerk ein, bis der alte gut siegt und festgekittet ist!" In der Kreisstadt angekommen, mache man das Kind bekannt mit den betr. Kreis- und Justizbehörden und deren Obliegenheiten. Sodann sichtet und ordnet man das Gewonnene, sowohl die Geschichts-, als die geographischen Momente, damit diese nicht ineinander verschwimmen und an Klarheit und Uebersichtlichkeit einbüßen. Man nimmt nun die Karte als Stütz- und Haltpunkt zur Hand und so vom Kreise zur Provinz, von dieser zum Lande fortschreitend, geführt durch Flüffe, welche sich überall wie ein Ariadnefaden durch's Ganze hindurchschlängeln, überall Geschichte einwebend in den sonst monoton werdenden geographischen Unterricht. " „Dein Unterricht sei interessant l" lehren pädagogische Schriftsteller; der geographische wird es nur durch Einverleibung des sachlich-verwandten Gegenstandes, durch die Geschichte. „Der Unterricht schreite vom Bekannte» zum Unbekannten, vom Nahe» zum Entfernten, vom Einfachen zum Zusammengesetzten, .vom Leichteren zum Schwereren fort!" — der Geschichtsunterricht kann dies nur durch vernünftige Zugrundelegung geographischer Bilder. — Es leuchtet ein, daß nur eine Verbindung beider uns ein Ganzes vorführt. Doch zurück zu unserer Verfahrüngsweise. Nachdem der Schäler so im engeren Vaterlande mit all Dem bekannt und gehörig vertraut ist — nach der Weisung: „Uebe das Erlernte so lange, bis eS dem unteren Sedankenlaufe übergeben ist!" — . wendet man sich zu den zunächst angrenzenden Staaten, in welche uns ein aus dem Vaterlande heraustreteuder Fluß führt: — Hier wird, wie vorher im engeren Vaterlands, verfahren, zunächst bei an Müssen siegenden Stählen Halt gemacht und auch außerdem vom Wissenewerthen das Nöthigste mitgetheilt. Sehr practiich und fördernd wird es sein, im Vaterlande schon sich die Grenzen eines jeden Kreises, einer jeden Provinz und schließlich des ganzen Landes sin- und auswendig angeben zu lassen und das durch öftere Wiederholung, die dann rasch und leicht von Statten geht, recht einzuprägem In den angrenzenden Staaten wird freilich von einzelnen Kreisen abgesehen, aber die Provinz - Eintheilung so lange beibehalten, als wir uns auf deutschem Boden befinden. Während man sich so im' weiteren Vaterlande umsieht, webt man die Lehre deutscher Industrie, deutscher Wissenschaften, Erfindungen, Künste, deutschen Handel und deutsche Products und insbesondere deutsche Geschichte sachgemäß ein. Es wird natürlich bei letzteren von aller strengen Wissenschaftlichkeit und Systematik abgesehen, „weil der Unterricht nicht wissenschaftlich, sondern elementarisch ertheilt werden soll." Was geschichtliche Jahreszahlen und Namen betrifft, so überlade man den Kindesgeist nicht damit und suche nur bei epochemachenden. Ereignissen dieselbe einzuflechten. Hat man so Deutschland gründlich durchgearbeitet, (was hierzu für die Vollrjchule gehöre und mal j nicht, läßt sich nicht scharf abmarken, und muß dem denkenq den Lehrer überlassen bleiben, da hierbei zu viel die Oertsichkeit und Individualität des Schülers mitwirkm) lasst - dann wiederum des Kindes Blick sich rückwärts wende, und überzeuge sich, wo nachgearbeitet werdm muß. Dal z thue man aber, damit nicht Lückenhaftigkeit entstehe. q Sodann folgen die übrigen europäischen Staaten, wo , aber von der „Provinz-Eintheilung" abgesehen werden muß , Man darf natürlich dem noch jugendlichen Geist nicht z, z viel zumuthen und die Gedächtnißkraft nicht mit unnöthigem Ballast überbürden. Hier, im Auslande, werden die Gej werbe. Producte, der Handel, die bemerkenswerthesten Ge-. , birgszüge und Berge, große Städte und Flüffe, Meere,/; Seen und Kanäle hervorzuhedm sein Auch da werde, überall geschichtliche Wahrheiten, (insbesondere auch diejenige, ■ hervorgehoben, welche störend oder fördernd auf die religiöse. - und politische Entwicklung des Judenthums und seiner Bekenner eingewirkt haben,) einflußreiche, gelehrte Männer bi,- graphisch ftizzirt und die Tendenz ihres Strebens dargethan So gewinnt man überall und mit Leichtigkeit Boden, hat! ' immer ein naturgetreues Bild entrollt, ohne langweilig und ' ermüdend geworden zu sein und ist eines todten Einbläums und eines anstrengenden Dictats überhoben. In den übrige, > Erdtheilen werden bei America besonders die nördliche, Freistaaten, der Auswanderung halber, und bei Asien Palästina besonders berührt. Was letzteres belangt, so HM ("man auf gründliche Kenntniß desselben bei seinen Schüler,. Denn das Land, wo jede Scholle heilige und ernste, feierliche und hehre Erinnerungen in uns weckt; der Bodeu, auf dem unsere Väter s« lange Zeit geweilt und gewirkt, gekämpft und gelitten und den Lebens Stachelseiten empfunden haben; der Theil Erde, auf dem 2 Tempel herrlich erstanden und wieder in Schutt und Asche zerfielen; dal Land ferner, von welchem uns und allen Menschen das ■ Licht der Religion und Wahrheit herrlich geleuchtet, geistig! ' Freiheit uns geworden, die dem schnöden Götzendienst du Kraft brach und ihm Thor und Thüre verschloß: ein solches , 1 Land scheint mir der geographischen und geschichtliche».^ Kenntniß besonders Derer werth zu sein, die ihm alles ' Dieses verdanken. Man verweile darum lange und genu ' hier und suche seinen Schülern ganz besonders Ehrerbietung und fromme Pietät für dm Boden dieses Landes einzuflößeu. Es wird wohl gerathen sein, schon mit dem ersten biblische» Geschichtsunterrichte Kenntniß der geographischen Beschrei- ~ bung Palästina's zu verbinden, weil das Veyständniß vieler Bibelstellen Ortskmntniß bedingt. Das ist ungefähr der Lehrgang, nach dem wir bis jetzt dm geographischen und geschichtlichen Unterricht in unserer Schule und zwar, wie wir G." s. D., versichern . können. mit bestem Erfolg verbanden. Was nun die Möglichkeit einer Verbindung dies« sachlich-verwandten Gegenstände betrifft, jo bedarf diese, nach dem, was wjr voraus gehen ließen, wohl keines Beweises mehr. Doch wollen wir auch nicht gerne mißverstanden werden. — Man hüte sich davor, daß man nich!' zu viel verwandte Lehrobjecte in einer Stunde unterrichte; denn in solcher Weise wird keine Sache ordentlich, d. h. gründlich verstanden werden, und man richtet in den Köpfe,