Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 5 (1865)
- Issue
- 20 (18.5.1865)
- Date
- 1865-05-18
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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V MielitMlie AeKrer Zeitschrift ♦ I *■ für die gesammten Interessen deS israelitischen LehrerstandeS und zugleich Organ für den. Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer Lehrer, Lehrer-^ Wittwen und -Waisen in Deutschland. N°. *©. Mainz, den'18. Mai 1865. (Fünfter Jahrgang.) Wichentlich 1 Nummer. VierteljLbrllcher Abonnement^prets 27 kr. -- lU Thlr. Bei frankirter Zusendung unter Kreuzband jäbrlich 2 fl. 12 kr. - Anzeigen zu 1 Egr. die Petitzeil«. Bestellungen nehmen alle Postämter und Buchhandlungen an. , ' Ueber die Verbindung des geographischen mit dem geschichtlichen Unterricht in der < Volksschule. 5 Bon W. laut in Treis a./L. ' - (Schluß). So geht es mit allen Dorf- und Stadttheilen, wobei es erforderlich ist, das Historisch-Pemerkenswerthe, das sich r-»i darauf bezieht, nämlich aus Menschen, Straßen, Plätze, ( V Gebäude u. s. w. dem Kindesgeiste durch ansprechende, v> gemüthvolle Erzählung beizubringen. Hier, d. h. bei einer „ansprechenden Erzählung," hat man hauptsächlich die Individualität seiner Zöglinge in's Auge zu fassen und 5-, dafür zu sorgen, „daß Nichts gelehrt werde, was die Schüler ' noch nicht begreifen." Desgleichen schreite man nicht weiter, bevor man sich überzeugt hat, daß alles bisher Erlernte Eigenthum des Kindesgeistes geworden ist, entsprechend der Weisung Diesterweg's: „Sorge dafür, daß deine Schüler Alles behalten, waS sie gelernt haben I" Nachdem so der häusliche Heerd, der liebe Heimathsort.speciell kennen gelernt worden ist, führt man die Kleinen im Geiste — (ein ■r-, Kind von 8—9 Jahren kann sich, zumal in Dörfern oder ' Landstädten, recht gut ein treues Bild seiner Ortsumgebung entwerfen) in Wiesen, Feldern, Wäldern und zuletzt an den heimathlichen Bach. Hier wird Rast gehalten und des ^7 Kindes Blick noch einmal auf das ihn Umgebende gelenkt,; r dasselbe nötigenfalls noch einmal durchgegangen und dann weiter fortgeschritten. So am Bache weiterschreitend hat man vollkommen Gelegenheit, sich rechts usid links umzu- I sehen. Da bemerkt man vielleicht wohl noch hier und da bekannte Berge, Flüßchen, Thäler, Städte, Dörfer, Thurmspitzen u. dgl. mehr. Man nenne deren Namen und versäume dabei nicht, auf schon Dagewesenes immer wieder zurück zu kommen, nach dem Principe: „Vertheile und ordne den Lehrstoff so, daß (womöglich) auf der sägenden Stuke der Namen der bisherigen immer wieder vorkommt I" '«■ Auch hier lasse man es nicht an historischen Einflechtungen * fehlen, lasse das Kind diese nacherzählcn und übe es so j schon frühe „im freien Vortrage." Je mehr Boden gewonnen wird, je mehr man sich von den heimathlichen Bergen entfernt, immer geführt durch Flüffe und Ströme, um so reichhaltiger wird der Stoff und um so größer die „Rundschau." gleich den Wasierfingen, die eine um so größere Peripherie gewinnen, je mehr sie sich vom Orte-ihrer ersten Erregung entfernen. — Wir habew indessen auf unserer Wanderung auch Gelegenheit gefunden, zu bemerken, daß sich in vielen Bergen Gold, Silber, Eisen, Kupfer, Holz- und Steinkohlen u. dgl finden und wir können auf daö sogenannte Fluß- oder Waschgold und auch gelegentlich auf die Art und Weise des HerauswaschenS, Grabens, auf die Verwendung der Metalle u. s. w. zu sprechen kommen. Inzwischen in einer größeren Stadt angekommen, (die Dörfer werden rasch durchgenommen) versuchen wir nun dem Kindesgeiste ein recht anschauliches und naturgetreues Bild einer solchen vor Augen zu führen. Wir können dabet, außer Anderem, hauptsächlich-auch die Größe der Bevölkerung, die Gewerbe, Künste, Wissenschaften, Schulen und Gotteshäuser, verschiedene Glaubensbekenntnisse (?) u. s. w. besprechen. Sodann wird ebenfalls das Wisienswürdigste über Erbauung und Entstehung der ganzen Stadt oder einzelner hervorragender und gemeinnütziger Gebäulichkeiten in Erwägung gezogen und das Historisch-Merkwürdige, alS: Ansäßigmachung der Bewohner, ihre Entwicklung in Bezug auf ihre vor- und. dermalige Culturhöhe, hervorragende historische Persönlichkeiten, dann noch besonderdie religiöse Entwicklung und Durchbildung des Judenthums dort, überhaupt das hervorgehoben, waS das Kind befähigt, sich selbst ein Bild dieser Stadt möglichst unverworren und naturgetreu vor die Seele zu zaubern. Was dazu im Kleinen verhilit, wird hauptsächlich das sein, des Kindes Blick vornehmlich auf schöne und hohe Gebäude seines Dorfes (wie ich denn überhaupt das Dorf und die mittlere Landstadt hier mehr berücksichtige) zu lenken und ihm, durch Vervielfältigung des Höhenmaßes der Gebäude und beziehungsweise Gotteshäuser, und rücksichtlich der längeren und breiteren Stadtstraße durch Vervielfältigung der Länge- und Breite-Dimensionen seiner Dorfstraße, ein ziemlich ge-, naueS und klares Bild zu entwerfen; auch das geschäftige Leben und Treiben der Stabt suche man auf diese Weise