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Der israelitische Lehrer · 1865-04-06 · 14 (6.4.1865) · p. Seite 55

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
5 (1865)
Issue
14 (6.4.1865)
Date
1865-04-06
Page
Seite 55 (sequence 3)
Language
German
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55 zeigten seine Reden im Reils srathe des Jahre» 1846; freisinnig, würdig, vertheidigte er die höchsten Principien des Bürgers, deS Denkers, zeizte er eine glühende Liebe für Oestecreich. Von hohem Warthe war seine Rede gegen die Todesstrafe. Er war in die, t Kreise der Abgeordneten ebensoverehrt und geliebt wie in Kreise seiner Glaubensbrüder, die ihn mit seltener Treue liebten und — immer lieben werden. Hatten sie ja Al eS ihm zu danken! — Keinen kleinen Theil des Verdienste, um dieses Gedeihen und reiche Blühen der Wiener Juden^ emeinde hatte auch die Gattin deS Verstorbenen. Was de, Männern nie gelungen wäre — das gelang dieser geistreichen energischen Frau: einen Kreis edler Damen zu bilien, der sich ausschließlich mit wohlthätigen Zwecken besaßt. Eie war aus Hamburg geboren, ein Fräulein Lisette Damier, und verdient auch die wärmste Anerkennung, die dankbare Erinnerung der Gemeinde. Eie verstand eS, , lit der eifrigsten unausgesetztesten Energie jeden Widerspruch zu beseitigen, jede Zaghaftigkeit zu heben. Sie verband bi vielen zu einem edlen Zwecke — und das äst ein großes Verdienst. Sie ging von Haus zu Haus, sie weckte den Ehrgeiz der Frauen, die sich bald an der Spitze aller jener i lnstalten befanden, die sich für Kranke, Verwaiste, verschän te Arme unter ihrer Aegide gebildet batten. Dieser — roch bestehende — Verein edler gebildeter Frauen trug vi l — vielleicht das Meiste dazu bei, daß auch die Männe: endlich den Drang der Zusammenhörigkeit empfanden, dc ß aus den ewig rechnenden praktischen Geschäftsmännern < uch fühlende Menschen wurden, die immer stärker das Bed irfniß empfanden, einen fest zusammenhaltendcn Phalanx zu bllden gegenüber den nimmer ruhenden lügnerischen und fanatischen Anklagen und Verleumdungen der gebildeten wie der ungebildeten Feinde. Mannheimer'S charakt wistischer Kopf war in Wien populär. Die grauen langer Haare, die scharfkantigen Züge,, das große klare Auge, das in diesem Antlitz wie ein grüner See zwischen schroffen spi zen Felsen lag, die schwächliche Figur, durch die gebückte Haltung, noch kleiner erscheinend, waren weit und breit besinnt. Ebenso bekannt war auch in christlichen Kreisen sein Rednertalent, und es war keine Seltenheit, eine größere Predigten im Tempel zu Und dieser hohe Pri J Anzahl von Alumnen bei seinen ehen. ster, dieser wahrhaft seltene Patriarch ist nun Hein,gegangen! So sehr wir den Verlust betrauern — wir können d »ch nicht in die laute Klage des maßlosen Schmerzes einf immen; denn dieser Greis war nach unserer Ansicht einer der glücklichsten der Sterblichen. — Er kämpfte für eine hohe Idee — schon das ist ein! großes Glück — er ver-alf aber auch dieser Jvee^zum i Siege, er erlebte das, was er sein ganzes Leben lang ' erhoffte — er wünschte, :r erlebte die Freiheit seiner Brüder, das Sprengen ihrer! letten — wir kennen kein größeres Glückt Und doch — er >esaß cm noch größeres, da» nei- 1 denswerthcste Glück, das einem Jrdischgebornen werden kann — er war fromm — er war tiefinnig fromm und gläubig I Der Glaube an seinen iber Alles und zu Allem helfenden Gott war so unerschütt rrlich in seinem Herzen, daß alle Kämpfe, alle Qualen i jm nur dar freiwige Gefühl des aus jenem Born der Gläubigkeit, der sein Herz so ganz erfüllte.' — Alle jene, die da klagen, daß sie ihn verloren — sie mögen sich von dem Trost erheben lasten, daß sie einen solchen Mann besesten haben! Sein ganzes Leben glich einem herrlichen Herbsttage, besten Morgen zwar vo» kaltem Nebel schwerer Kämpfe und Leiden bedeckt war, per aber bald, als die Sonne des Glückes niederschien, sich wunderbar entfaltete und alle die vielen Saaten der Liebe in reichen Blüthen aufgehen ließ. Die Treue seiner Brüder, die Anerkennung seiner Mitbürger zu seinem Jubiläum, die aus allen Weltenden kommenden LiebeSbeweise waren die lichten Sterne an seinem Lebensabende, di? ihn mit inniger, wohlthuender Freude erfüllten. — Und nun — da dieser Tag zu Ende und sein Sonnenauge geschlossen, erfaßt uns jenes wehmüthige Gefühl, das wir immer beim Scheiden eines herrlichen, für immer geschwundenen Herbsttages empfinden I Eine stille Luft in der Erinnerung all' der schönen groben Gaben, die er uns gebracht — ein tiefer Schmerz, daß er für immer dahin — dahin! I. S. Tauber. U m f eh a tt. — Herr Ortcnsosec von Büdingen bat in Betreff deS von un» in Nr. 8 u. Z Gesagten Folgendes in 'Nr. 10 de» ,Jsr.' erwidert.*) ,Soll:e eine angebotene Versorgung nicht zu Stande kommen; so werde ich n"'"x den Knaben zu mir in Kost und Unterricht n'hmen (wodl für G>.ld uüd gute Worte!) Alledie» ist nächst Gotte» n'a Hilfe und Beistand turch Euch, Jor Frommen in Israel geworden. Die Früchte dieser Wodithaten werdet Ihr sicherlich schon hienieden genießen tan llbpb ppm. Doch gegenüber dem öffentlichen Gekrächze eines Raben, der einen unremen Vogel auch in anderem Gefieder erkennen und all'» und jede» Gute, mit und für Gott ki'd unt rnonimen, mit seinem Geiser besudeln möchte, wü den wohl die Schristworte genügen: joxrn -p 'n ipl' Indessen eingedenk deS AukspruchS: Pa 0”pj on”n sei hier nur vorläufig erwähnt, daß in unser« Staate ei» rsr. Waisenhaus nicht besteht; daß diese Waisen aus der Landes» Waisenanstalt eine Uftersiützung nicht anzusprech n haben; daß» mein Unternehmen den Ge. Kreisamt dah er offen vorliegt und ich Alles mit Vorwissn dieser Behörde und unl^r Vorla \t betr. Schriftstück: thue; daß ich Behufs gerichtlicher Anordnung einer in Eid und Pflichten zu nehmenden tüchtigen Vormundschaft über diese Kinder schon vor 10 Tagen bei Gr. KreiSamt dahier vorstellig geworden bin; daß auß r dem eventuellen DormundSper'onal und der gerichtlichen Oeervormundschaft. au h dem Herrn R:dacteu: d. Bl., ua Vertretung des ortho"or n FudenthumS (von wob.r diese Spenden.geflossen), 'Namen» der hochherzigen Spender ein entscheidendes V to einge:äunt w rde; (!!?) ec. re. Wir haben hieraus Folgendes zu ent zegnc.n:**) Die unter der Regierung deS heff. Landgrafen Ernst Ludwig im Jahre 1695 gegründete Waisenanüa't zst tu.ch ein Gesetz vom'26 Oct 1845 aus das ganzeGrvßhth.HcstenundauSdrücklrch auchauf vieJsraelrtenaasiedehnt. E n sichtbarer Beweis hie- MärtyrerlhumS erhöhtes, glücklichen zu trösten — Ihm wurde es leicht den Uner bot ihm ja nur wenige Tropfen •) Wir kaffen den unS nicht betreffenden, nicbk zur Sache gehörigen EinzanzspaffaS weg. *•) Man sehe: Ksjchler Handbuch der Lokalstaatsvenval tung für das Er. Heffm § 772 n. s. f.

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