Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 5 (1865)
- Issue
- 14 (6.4.1865)
- Date
- 1865-04-06
- Page
- Seite 54 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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54 1 heirathete Lehrer ausgeschrieben worden. Ich hoffe, der „Jsr. Lehrer" wird seine Spalten einem solchen Inserate niemals öffnen. Soll auch das Judenthum ein Cölibat „aus Roth" haben? Sollen die jüdischen Lehrerfamiliev Muster der Sittlichkeit sein, oder der Lehrerstand entsittlicht werden? Nur in der Familie wird der Lehrer die sittliche Kraft gewinnen, die ihn zu seinem Berufe ertüchtigt. Der jüdische Lehrer soll und muff heirathen. Ich hoffe, Sie erlaffen mir die Erläuterung tüeses Axioms, das übrigens in diesen Blättern'schon öfters ausgestellt worden. Sagen | doch unsere Weisen schon ropujTi pn iov' »61 — und nun! zu einem Anderen, das mit dem Gesagten übrigens im! engsten Zusammenhänge steht, i Es gehört mit zu den schmerzlichsten Erfahrungen des! jüd. Lehrers, daß man an ihm das bekannte Sprüchwort! „Schläge und faule Fische" zur Wahrheit macht. Man bej zahlt den Lehrer schlecht, und weil man den Werth des; Menschen »o gern nach dem was er hat und nicht nach dem i was er ist beurtheilt, weil man nicht die Arbeit, sondern \ nur den erbärmlichen Lohn kennt, den man für diese Arbeit > zahlt, darum versagt man dem Lehrer die dem gebildeten 1 Menschen und insbesondere dem Lehrer gebührende Achtung j und indem man ihn im Gehalte unter das Proletariat ranj girte, schenkt man ihm auch nur die Achtung, die man den „Proletariern des Geistes" schuldig zu sein glaubt. Nichts j ist kränkender für den seines Werthes bewußten Lehrer als; das bekannte Wort: wenn es etwas Rechtes wäre, so wäre I er nicht Lehrer geworden. Haben Eie's noch nicht gehört? — Ach, Hab ich's doch schon so oft hören müssen! So lange man den Lehrer für unwürdig hält, in ' „höheren" gesellige^ Kreisen zu erscheinen; so lange man in Gegenwart der^Kinder geringschätzig von ihiy spricht, so lange eine etwas wohlstehende Familiees für einen I Schimpf hält, wenn ein ordentlicher Lehrer um die Hand der Tochter anhält; .solange eine Salondame die Nase rümpft, wenn sie mit einer Lehrerfrau spricht, die mit eigener Hand ihre Stube kehren muß; so lange Jeder sich selbst > für einen berechtigten Kritiker der Lehrerwirksamkeit hält, und in dessen Berufethätigkeit hineinzureden- und zu -pfuschen sucht, so lange die „Gebildeten" gläubm und aussprechen, man brauche keiner besonderen Geisteskraft zur Erfüllung des Lehrerberufrs; so lange man das Lehren für eine halbwegs mechanische Arbeit hält und die Elenientargeister, diese „Proletarier des Geistes", mit vornehmen! Herabblicken von Denjenigen gehudelt werden, w.elche als Schulvorstände und Schulräthe sich zum Mitsprechen berechtigt fühlen oder gar akademisches Bier getrunken haben, so lange kann die Schul« ihre Aufgabe, Menschenbildungsanstalt zu sein, nicht erfüllen. (Schluß folgt. , I. 9t. Mannheimer.') fffil Pktdiger zu Wien, gestorben den 17. v. M. Der Schmerz über den Perlust dieses Priesters, im edelsten Sinne des Wortes, wird in den weitesten Kreisen lauten Wiederhall finden. Sein Haus beweint den ver- *1 Aus einer Wiener Zeitschrift. lorenen Pater, der seine Kinder mit seltener Zärtlichkeit' und Aufopferung liebte; seine Gemeinde betrauert d» Heimgegangenen Hirten , der sein ganzes Leben, seine hohe, I geistigen Kräfte zu dem einzigen ihm heiligm Zwecke ver- : wendet hatte: eine feste, eng aneinder schließende Gemeind^ I einen geordneten erbauendes Gottesdienst zu begründe», i durch Worte voll Begeisterung, wie durch Thaten voll Lieb I die Stellung seiner Brüder im Vaterlande zu verbefser» auch der Frenrdeste endlich wird über den Tod eines Mannei trauern, der immer voll Heldenmuth der Gemeinheit, den Despotismus entgegentrat, so gefährlich das in Oesterreich auch früher war, eines Mannes sagen wir, der nie an sich gedacht, Hie für sich das Geringste erstrebt — der mit. vollem edlen Herzen nur immer für das große Ziel: d« . Befreiung seiner Brüder aus unwürdiger Sklaverei, kämpft, und lebte, und dabei doch noch immer für dm Aermstr, der Armm ein offenes Herz — eine offene Hand hatte — und wenn er kein AlmosM mehr hatte, doch so wärmet Mitgefühl, so gläubigen Trost dem Armm bot, daß diese, hoffnungsreich von dannen zog. Ja — es ist das ein de zeichnender Charakterzug des geschiedenen Frommen — das er nicht aufhörte zu gebm; er, in dessen Hände man di, größtm Summen immer gelegt hatte —. er starb arm wer da kam — wessen Glaubens — wessen Stammes n war — er gab ihm seinm letzten Heller, una war dv verschwundm, so griff er nach dem letzten Kleide an de Wand und gab es — er der Arme — dem — Aermera hin. — Jsak Noa Mannheimer, am 17. Oktober 1793 ii Kopenhagm geborm, hielt im Juli 1821 seine ersten Probe predigten in Wien, womit er sogleich all' die Hörer elektrisirte. Im Jahre 1824 wurde er als — Religionslehrer hier an gestellt. Die damalige Polizeibehörde konnte sich nämli^ > in ihrer hohen Weisheit nicht mtschließm, ihm dm TiU eines Predigers zu erlauben. Erst als ein intelligent« Kavalier ilm in die Gemeinde eines seiner ungarisch» Güter ausgenommen hatte — erst dann bestätigte die Wien« Polizei den „Religionslehrer." Bei seinen Glaubensbrüdern fand er die sekundlichst, Aufnahme; er versöhnte nicht nur den offenen Zwiespalt die mtzweitm Parteien der Alt- und Neugläuber, er heilt, auch heimlich — in seinm vier Mauern die vielen ge Heimen Schäden der Familien. Welche G.heunnisse möga mit ihm zu Grabe gehen! Alle vertrauten ihm — äBi wmdetm sich liebevoll an ihn — er konnte leichter ver ° Mitteln als jeder Andere. Dieser einzige Zustand des naivsta kindlichstm Vertrauens so vieler Kinder zu einem Bat« kommt wohl niemals wieder! Er war der Begründer eins ■ geregelten Cultus; er schmückte dm neuerbauten Tempi durch seine herrliche Rede, wie durch die Einführung ds geordnetm Gottesdienstes. Er war Alles in Allem — « . übersetzte die Gebete, ja er schrieb ganz neue, wie z. ff für das Kaiserhaus, für die Verstorbenen :c., er führte dit Confirmation ein, er legte Gcburts-, und Sterbebücher o? . j er kämpfte für jeden einzelnen seiner Brüder wie für da» Ganze — ihm danken die Juden Oesterreichs Alles und d» gefeierte Name Mannheimer's darf so lange nicht vergefsa, «erden, so länge eben ein Jude in Oesterreich lebt. 38» sehr er dies Oesterreich , sein zweites Vaterland liebte, da»