Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 5 (1865)
- Issue
- 14 (6.4.1865)
- Date
- 1865-04-06
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Der AMrlitisclie Felder. Zeitschrift I für die gesammten Interessen des israelitischen Lehrerstandes und zugleich * Organ für dm Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer Lehrer, Leh^rer- Wittwen und -Waisen in Dmtschland. ,!!Vo. 1K. Mainz, den 6. April 1865. (Fünfter Jahr ging.) tLichentlick» 1 Rümmer. Vi.rteljäbrlicher Abonnementiipreis 27 kr. «= 1/4 Thlr. Bei frankirter Zusendung untef Kreuzband jabrlick 2 sl» 12 kr. Anzeigen zu 1 Sgr. die Petitzeile. Bestellungen nehmen alle Postämter und Buchhandluigen an. Was den'Lehrern vor Allem Noch thut. In Briefen an »inen bocbgestellten Freund. ll. Mehr Achtung; „Immer voran auf der Bahn des LichtS und der Entwicklung und festgestanden in der Treue zum Berufe und zur heiligen Religion, es wird, es muß besstr werden," so rufen Sie mir als Antwort auf mein voriges Schreibe» zu, And wollen damit allen Lehrern e» zugerufen wissen. O ja, verehrter Herr, Sie haben Recht! Es ist eine herrliche Mache um die Treue gegen sich selbst, und wir dürfen es lit gerechter Befriedigung hier aussprechen, daß trotz aller »indernisse, die uns entgegengestanden, trotz aller der Kämpfe, sie wir zu bestehen hatten und noch haben, der weitaus größere "Heil der Lehrer diese Treue bewahrten. Das deutsche Jutenthum zählt eine große Zahl hervorragender, edler und »arakterfester Lehrer, die ihrem Stande Ehre machen, in iren Gemeinden Vorzügliches leisten und mit gränzenloser »ingcbung an der Entwicklung der Ge^ammtheit arbeiten ind Heil bewirken für Viele, für Alle. Woher kommt diesen ännern, die zum größten Theile oder doch nach den meisten lichlungcn hin Autodidakten sind, diese tiefe Erkenntniß ihrer lufgabe und ihres Berufes? £.1 Während ich hier Ihnen das schreibe, weilt mein Geist KHei den vielen Freunden in der Nähe und Ferne, „er zählt te Häupter seiner Lieben," und wahrlich! mit einer stolzen Befriedigung gedenke ich aller der Edlen, die von einem einigen Gedanken beseelt, dem Ideale der Lehrerwirksamkeit lstreben. nv o. Wo solche Männer wirken nnd taffen und nach Einem Ziele streben, da muß die Zumst segenbriMend sein. Aber —Mw>r ich fortschreite, muß ich einem Worte Ihrer freügMchen und anerkennenden Erwiderung entiegentreten. Eie glauben meine Forderungen für „zu Ideal" erklären zu müssen; Eie wollen diese idealen Betrsnifle anerkennen; glauben aber, daß das Volk >rin mit Ihnen und mir nicht übereinstimmen dürfte. »Die Kunst geht nach.Brod," und Brod, sagen Sie, haben ia doch die jüdischen Lehrer. Erlauben Sie mir eine Excnxsion. Ich habe hier vor tnij: ist. Lehrer- und Schulstellen liegen ein Verzeih Mittelfranken, (? -iß der ayern). veil Jederken wird's )ayern — ein Mann Ich finde da nur 25 Stellen, die bis 300 fl. und ifroa 8, die etwas mehr tragen; hiergegen viele — mehr als die Hälfte, die weniger als 200 fl einbringen; da find Schulstellen mit 150, 1t>0, 170 Gulden, ja sogar! e-ue mit 00 und eine mit 70 Gulden; Da, bei Gott, kann doch von Jdealm nicht die Rede sein.! Mit jährlich 300/ fl. kann heutzutage ein unverheirathetev Mann nur kümmerlich leben — für einen verheiratheten Mstnn ist das faktisch eiste reine Unmöglichkeit. Ich unterlasse die Berechnung pber diese Unmöglichkeit, weil sie zu wett führen würde, i nraun. das nachrechnen kann Und in Mittelstan wohl nicht schlimmer sein als anderwärts in I Ich schaue nach Kurhessen: einer meiner Freund» von vielem Wissen und außerordentlicher Lehrgtfchicklichkeit, .ein edler und strebender Lehrer hat mir einmal! die sämmtlichen Bezüge seiner Stelle — eine der besseren — auf 126 Thlrn. sage: einhundlersechSundzwa/nzig THIrn. berechnet. Wie der Mann mit Frau und 5 Kindern davon leben kann, vermag ich mir nicht zu erklären! Die befferm Stellen in Kurhessen tragen 130 Thlr., die besten nur 150 Thlr. Anderwärts ist'S nicht viiel besser. Ich kenne Gemeinden, wo die reicheren Familien ihre! der Schule entwachsenen Töchter in Institute bringen, wo jährlich für eine Pensionärin etwa fl. 500 bezahlt werden muß; aus einer Gemeinde, wo 4 solcher Mädchen in solchen Instituten sind, erhält der verheirathete Gemeindelehrer 27 5 fl.; die Hand auf's Herz: wer hat für die geistige Entwicklung dieser! Kinder mehr geleistet, der gewissenhafte Gemeindelehrer, odsr dix Pension? Wem ist die schwerere Pflicht zugefallen? Halten auch Sie den Unt-rricht in dm „gemeinen" (!) Sachm (Lesen, Schreiben und Rechnen!) für einen niedrigen, gegenüber dem, waS dort getriebm wird? In meiner Nähe wird eine Eisenbahn gebaut; ein tüchtiger Arbeiter kstnn's da auf 1 Thlr. täglich bringen! Ich überlasse es Ihnen, diese Parallele auSzubeuten. „ Erlauben Eie mir noch etwas anzufügm, was ich immer als die Gemeinheit der Gemeinheiten ansehm mußte. Schon oft sind in jüdischm Zeitschriften Stellen für unver-