Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 5 (1865)
- Issue
- 12 (23.3.1865)
- Date
- 1865-03-23
- Page
- Seite 46 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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46 als an Sprachschnitzern, seien diese mündliche oder schriftllche, — dann ist alle Achtung fort und des Lehrers Mühe vergeblich. Ob nun eine genügende Sprachkenntniß erzielt werde, wenn junge Leute einen dreijährigen Lehr - CursuS in einer Realschule mitmachen, der doch für Ausbildung von Lehrern gar nicht berechnet ist, darüber mag sich Jeder selber ein Uriheil bilden.*) - Wie aber in der Sprachkenntniß nochwendig Lücken bleiben müssen, so und noch mehr müssen deren bleiben in "den eigentlichen Fachkenntmssen eines isr. Religionslehrers bei gegenwärtiger mangelhafter Ausbildung. Oder soll der Religionslehrer, selbst wenn er nur für die Ausbildung der Jugend da wäre, die biblischen Commentare wie Jarchi rc. rc., die. Mischnah und Gemarah nur dem Namen nach kennen? Abgesehen davon, daß chm die Kenntniß dieser Schriften unsäglichen Stoff an die Hand gibt, den er bei dem Religionsunterricht nützlich verwenden kann, — soll der Religionslehrer nicht im Stande sein, der Anforderung zu entsprechen,, wenn vielleicht ein Familienvater seinen Sohn privatim mit diesen Fächern will vertraut machen lassen? — U. Soll der ReligiouSlehrer aber noch mehr alt bloS Zugendlrhrer in. seiner Gemeinde fein? Daß diese Frage mit „ja“ ju beantworten ist. dafür spricht die alte Benennung deS Lehrers: „Rebbi“-„Rabbi“ I So wurde er von Alt und Jung in der Gemeinde genannt, und wahrlich! diese Benennung bezeichnet correct seine Stellung. Wie oft der „fromme Jsraelite,“ der sein Gewissen nicht beschweren möchte^ sich Raths zu holen hat in zweifelhaften, das religiöse Lebeü betreffenden Fällen, ist eine, Jedem unserer Glaubensgenossen bekannte Thatsache, und ohne zu Denjenigen zu gehören, die in der genauen ängstlichen Beobachtung aller noch so kleinlichen Observanzen das einzige Heil ihrer Glaubensbrüder sehen, muß man doch zugeden, daß der Religionslehrer-mindestens den Schulchan-Aruch, Orach-Khajim, genau kennen müsse, wenn er nicht Gefahr laufen will, in seiner Gemeinde als fnwi-cj? angesehen zu werden und somit allen moralischen Credit zu verlieren. Aber auch die Kenntniß des D”n rrw dürste bei Weitem noch nicht in allen Fällen ausreichend sein. In unserm Herzogthum besteht seit dem Jahre 1841 eine gesetzliche Bestimmung, wonach der Religionslehrer nicht (Schlächter) Dniff sein soll, die zwar in manchen Gemeinden, aus finanziellen Rücksichten, ausnahmsweise wieder beseitigt ist. (Ich werde in dem JH. Theil meiner Abhandlung auf diesen Punct wieder zurückkommen und zeigen, wie wünschenSwerth es wäre, wenn dies« Function nie mit der des Religionslehrers verbunden wäre.) In Folge dessen ist die •) Meinen aus der zeitigen 'Lebraiistalr bervorgegangenen Herren Lollegen im Herzogchum L-ffsu sage ick ein für alle Mal, daß ich hiermit, wir mit Aller», wach ich neck «e ter sagen.werde, durchaus keine Tersknltchkeiten im Auge. habe. Rur wenige dieser Her«n habe ick 'die Ehr« zu k.nnen, und unter diesen sind Manche, die durch eignen Lerneifer wshl in manchem Kack zu etwas Tüchtigem es gekrackt haben; kann man aber das dir Anstalt selber zu gut schreiben < Mit einem Wort: ick habe nur die Zw chmäßigkc.t oder Richizweekmäßigkeit der Anstalt, durchaus aber nicht Personen im'Auge. na'nv meistens in Händen zwar braver und religiöser, aber nichts weniger als wissenschaftlicher Männer gegeben. Nun, sind aber viele Gemeinden von dem RabbinatSsitze zu sehr entfernt, als daß es in zweifelhaften Fällen immer möglich wäre, ein rabbinisches Gutachten einzuholen, zumal es häufig der Fall sein dürfte, daß durch die weite Entfernung deS Nabbinatssitzes, bis zum Eintreffen eines rabbiniichen Bescheids es zu spät, und dieser vergeblich, oder doch nur mit nicht unerheblichen Kosten zu erlangen wäre. Daß es nun im Interesse solcher vom RabbinatSsitze entfernter Gemeinden läge, einen Religionslehrer zu besitzen, der allerdings mit Erlaubniß des einschläg. RabbinatS, in solchen Fällen nach dem njn mi’ rc. rc. Bescheid geben könnte, ist klar. Aber auch in noch andern Fällen dürfte eS rathsam, ja oft dringend nothwendig sein, daß der Religionslehrer den Rabbiner substituire. Man denke nur an die Mißstände, die sich bezüglich der Copulationen für die Betreffenden häufig ergeben. Oder ist eS billig, daß ein Brautpaar an seinem wichtigsten, heiligsten Tage, am Tage der Trauung, in seinem Gewissen beengt werden muß, dadurch, daß der Rabbiner an einem und demselben Tag (man denke sich den -■noijo j"t>) an beiden nicht selten 10—12 Stunden von einander entfernten Endpuncten seines Bezirks zu einer Copulation berufen, und dadurch genöthigt ist, die eine schon m einer frühen Morgenstunde zu vollziehen, eher als es dem Brautpaar möglich wäre, die für diesen Tag üblichen Gebete zu verrichten? I Und doch ist das noch der günstige Fall, der nur möglich, wenn von einem Ende zum andern eine Eisenbahn-Verbindung bestehet; im ungünstigen Falle muß die Hochzeit, die oft aus triftigen Gründen auf diesen Tag bestellt ist, verschoben werden. (Schluß folgt.) Alzey, im März 1865. (Wiederum ein altes Dorurtheil gegen die Juden.) Wenn-des Kaisers Napoleon Wort über Julius Cäsar die Aufmerksamkeit der ganzen Welt erregt, so darf der Lehrer, der Mann von Bildung, es nicht ignoriren, der jüdische Lehrer aber um so weniger, wenn Angelegenheiten des Judenthums darin berührt werdm. In der bereits bekannt gewordenen Vorrede des Werks sagt der Verfasser: Die Vorsehung sende von Zeit zu Zeit Männer, welche durch ihren eminenten Geist und von der Vorsehung unterstützt, die Welt in ihrem Streben nach Freiheit und in ihrem Kampf für Menschenwohl tnit viel größerer Schnelligkeit, in einem Jahrzehend oft, weiter förderten, als die Völker: allein und auf dem gewöhnlichen Wege geschichtlicher Entwickelung es nicht in Jahrhunderten vermögen würden. Solche Männer waren; z. B. Julius Cäsar und Napoleon I. Die Völker treten solchen Männern und den eifrigen Vorkämpfern für ihre i Freiheit in Verblendung oft entgegen. Solche gleichen den; Juden, welche ihren Messias kreuzigten. Wir bestreiten hier die Ansichten Napoleon's nicht. Uns interessirt hier nur der von den Juden hergenommene Vergleich. Von: christlichen Standpunkte ist er zu erklären, aber wir sind verpflichtet, Rabbiner und Lehrer voran, Vorurthcile und solche Ansichten über Juden und Judenthum zu bekämpfen, von woher sie auch kommm mögen; um so mehr noch, wenn sie aus dem Munde eines so hochstehenden